Diese Londoner Ledermacher finden Inspiration in der Automobilgeschichte

In der eleganten Londoner Audley Street waren Luxus und Handwerkskunst einst in jedem Schaufenster und jedem Automobil präsent. Die junge Lederwarenmarke möchte diese Tradition nun fortsetzen. Wir haben die stilbewussten Gründer besucht.

Moderne Nostalgie

Schon bei der Ankunft vor dem Ladengeschäfts von LONB in der Audley Street im Londoner Stadtteil Mayfair erlebt man ein Déja vu: Es fühlt sich an, als wäre man schon einmal hier gewesen. Oder als bestünde der Shop seit Jahrzehnten und man hatte sich immer vorgenommen, ihn eines Tages zu besuchen. Doch schnell merkt man, dass die Wandtäfelung aus Holz und die nostalgische Cocktailbar gerade erst lackiert wurden und auch das Leder so frisch durftet, als wäre es gestern erst über die Sessel gespannt worden. Es ist genau dieses Gefühl von Vertrautheit und Tradition im Kontrast mit der Moderne, das Melissa Morris und Reinhard Mieck bei der Gründung ihres Unternehmens für Luxustaschen im Sinn hatten.

Wenn Träume wahr werden

Die beiden kennen sich in der Welt des Luxus bestens aus. Reinhard war zuvor CEO der Labelux Group und Melissa Leiterin der Abteilung Damenmode bei Belstaff. So wussten die zwei Unternehmer von Anfang an, was sie wollten und was nicht. Wie Melissa erläutert: „Unser Ansatz bei der Gründung von LONB war es nicht, einfach Taschen produzieren zu wollen. Der Ausgangspunkt war vielmehr die Einsicht, dass wir genau wussten, welche Produkte uns auf dem Markt fehlten und wie wir sie entwerfen wollten. Es war von Anfang an eine sehr genau definierte Vision. Und dann ging es letztlich darum, wie man solche Stücke ausführt und perfekt verfeinert.”

Wie Tradition entsteht

Nachdem die beiden die Vision für ihre Produkte klar formuliert hatten, kam als nächsten Schritt die Überlegung, wie die ästhetische Philosophie des Unternehmens selbst aussehen sollte. Dafür ließen sie sich von den anderen Passionen in ihrem Leben leiten. Reinhard erklärt: „Mir gefallen die klassischen Autos und Uhren der fünfziger und frühen siebziger Jahre. Der Grund liegt im Design, weil ich die Schlichtheit und die angemessenen Größenverhältnisse schätze. Ich ziehe einen alten Sportwagen einem neuen vor, weil er schlanker und eleganter ist als die Nachfolger und trotzdem auf seine Art überzeugend ist.” Melissa fügt hinzu: „Das war auch die Epoche der ersten Interkontinentalflüge, die den Menschen neue Einflüsse und Inspirationsquellen schenkten und es ihnen ermöglichten, Menschen aus anderen Kulturkreisen kennenzulernen. Ich denke, dass diese Erfahrungen damals ihren Niederschlag in einer Designsprache gefunden haben, die dadurch mehr Seele und Wärme erhielt.”

Funktion an erster Stelle

Das Design klassischer Automobile stand nicht nur in ästhetischer Hinsicht Pate, sondern auch bei der Funktionalität. „Außen sehen die Taschen sehr ausdrucksvoll und elegant aus”, sagt Melissa. „Aber innen kommt ein ganz anderes Konzept ins Spiel. Es herrscht Funktionalität, die wie bei Autoklassikern bis zur Perfektion reduziert wurde. Ich liebe, wie man bei alten Cabriolets einfach das Dach über den Kopf zieht und es nur mit einer Schnalle festzurrt. Solche Lösungen wollten wir auch in unserer funktionalen Gestaltung integrieren. Was kann man nicht alles mit einem einfachen Riemen oder Druckknopf schließen? Wir bemühen uns, es nicht allzu kompliziert zu machen.” Dieses funktional reduzierte, vom Automobil inspirierte Design prägte auch die Tasche Runaway, welche die Philosophie der jungen Firma wohl am besten ausdrückt. Diese multifunktionale Tasche kann entweder separat als Clutch getragen oder im Inneren der anderen Stücke der Kollektion befestigt werden. So hat man ein kleines Etui für die wichtigen Dinge im Leben wie Schlüssel, Sonnenbrille, Reisepass und Bordkarte stets griffbereit.

Für Reisen gemacht

Drei Jahre haben die beiden in Planung und Design investiert und unter anderem mit meisterlichen italienischen Lederhandwerkern gearbeitet, ehe aus der Vision Wirklichkeit wurde. Und die Ergebnisse sprechen für sich. Mit Namen wie Runaway, Vagabond, Le Voyage und Rider wurden die Stücke der Kollektion ganz offensichtlich fürs Reisen entwickelt. „Jede Tasche wurde für eine bestimmte Reiseform entworfen”, erzählt Melissa. „Unser Rucksack hat beispielsweise eine verborgene Tasche auf der Innenseite, damit man leichter hinter sich greifen kann, um das Handy herauszuholen. Auch unsere Reisetaschen haben eine verborgene Taschen, die in die obere Naht eingefügt wurde, um an Pass und Bordkarte zu gelangen, ohne erst den Reißverschluss öffnen zu müssen. Wir haben uns wirklich über die praktischen Bedürfnisse der Kunden Gedanken gemacht.”

Wo Lebensart zuhause ist

London ist nicht nur für Briten das Epizentrum des Reisens, sei es als Start- oder Zielpunkt. Deswegen ist hier auch der ideale Ort, ein Geschäft für stilvolle Globetrotter zu lancieren. Für Melissa verbindet diese Stadt „Luxus und Traditionspflege mit einer Begeisterung fürs Neue. Dieses Zusammenspiel von Tradition und Moderne prägt unsere Marke. Aber dieser Mix ist auch das besondere an London – man ist am Puls der Zeit, spürt die unbändige Energie und die Entdeckerlust, aber zugleich gibt es einen enormen Respekt vor vergangenen Leistungen und wie man Dinge auf eine sehr individuelle Weise perfektioniert.”

Liebe zu Leder

Man spürt im Gespräch mit Melissa und Reinhard die Hingabe an ihre Vision, man kann diese Passion für die Taschen sogar fast mit Händen greifen. Es ist eine Facette ihres Anspruchs, die sich auch im Namen ihres jungen Unternehmens offenbart, wie Reinhard verrät: „Als wir anfingen, hatten wir unterschiedliche Ideen zum Firmennamen. Und dann waren wir uns einig, dass wir etwas mit Liebe und Leidenschaft entwickeln wollen. So entstand der Slogan „Love or Nothing Baby” – kurz LONB”. Diese Liebe für das Material Leder lässt sich nicht nur an den perfekt inszenierten Taschen im Verkaufsraum ablesen, der Kunde erkennt sie auch in den begeisterten Mienen des Personals.

Fotos: Robert Cooper für Classic Driver © 2017

Wenn Sie sich über die exklusiven Lederprodukte von LONB weiter informieren wollen, besuchen Sie bitte die Website oder schauen Sie persönlich vorbei: LONB, 59 Audley Street, London W1K 2QN. Der Jaguar XK150 von 1960, den Sie in diesem Artikel bewundern konnten, wird von Girardo & Co. im Classic Driver Markt zum Verkauf angeboten.