Die Savile Row erweckt den fiktiven Hotelier Jimmy Beaumont zum Leben

Man stelle sich vor: Ein Hotelier, im Ausland lebender Amerikaner, Absolvent einer Elite-Uni, charmant. Der perfekte Gentleman, oder? Leider ist dieses Wesen eine Erfindung. Zumindest bis letzten Donnerstag, als acht Herrenschneider der Savile Row dem fiktiven Jimmy Beaumont neues Leben einhauchten.

Lebhaft, dynamisch, fortschrittlich – geradezu maßgeschneidert beschreiben diese drei Worte die Person von Jeremy King, Gründer des Beaumont Hotels im Londoner Stadtteil Mayfair und Schöpfer von Jimmy Beaumont. Wenn man ihn nach Jimmy fragt, glitzern seine Augen verräterisch und ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht, während er einen Schluck Champagner zu sich nimmt. Er führt uns zurück zum 11. Juni 2011, zur unchristlichen Zeit von vier Uhr morgens. In wenigen Stunden wollen Architekten, Innenarchitekten und Ingenieure von ihm erfahren, wie er sich sein Hotel vorstellte. Aber statt sich mit dem Design, den Skizzen und Bauplänen zu beschäftigen, erfand er die Geschichte von Jimmy Beaumont.

Eine Ikone nimmt Gestalt an

„Mein Geist reiste zurück in das Jahr 1926, und wie aus dem Nichts entstand Jimmy. Ein amerikanischer Hotelmanager, dem sein Business wegen der Prohibition auf die Nerven ging – man durfte keine Drinks mehr servieren, die Stadt wurde immer gewalttätiger und im Hotel blieben die Gäste aus. Aber seine reichen Kunden, die ihm sagten, er sei zu gut, um diesem Geschäft komplett den Rücken zu kehren, finanzierten für ihn ein Hotel in London. Er selbst war nicht wohlhabend, aber verfügte seit seinem Studium in Yale über beste Kontakte.”

Gerade, als wir befürchten mussten, dass Jeremy King nun doch schon etwas zu tief ins Glas geblickt hatte, verriet er uns, dass dies nur die Erzählung sei, die das Design des Hotels inspirierte: der opulente Art Déco-Stil der Zwanziger, die American Bar, der Club Room und die Fotografien und Gemälde. Allmählich machte diese schöne Story die Runde und gab Penelope Sacorafou, Beraterin der London Craft Week, die Idee, von acht Schneidern aus der Savile Row die perfekte Garderobe für den Zwanzigerjahre-Hotelier Jimmy Beaumont auf den fiktiven Leib schneidern zu lassen.

Kleider machen eben doch Leute

Egal, ob sich Jimmy beim Segeln auf dem Mittelmeer befand (Yacht-Outfit von Henry Poole & Co.), zum Skifahren in den Alpen weilte (alpine Wanderausrüstung von Gieves & Hawkes) oder einem Tennisturnier in Wimbledon beiwohnte (Sportanzug von Dashing Tweeds), er war nun für jede Gelegenheit passend gekleidet. Für eher formelle Anlässe konnte Mr. Beaumont sich entweder für einen Anzug aus dunkelblauem Wollstoff mit seinem Namenszug in lebhaft pinkfarbenen Nadelstreifen (Maurice Sedwell) entscheiden oder einen mittelgrauen Zweireiher aus „Fox”-Flanell mit extravagantem „Fancy Back” (Dege & Skinner) wählen. Unter seinem Smoking konnte er ein maßgeschneidertes Marcella-Biesenhemd (Budd Shirtmakers) tragen. Für ausgedehnte Pokerrunden konnte er aus seinem Kleiderschrank ein dunkelblaues Smoking Jacket aus Samt wählen (Anderson & Sheppard) und für die Stunden zuhause in einen seidenen Morgenmantel mit feinen Pantoffeln schlüpfen. Für das Design aus den dreißiger Jahren recherchierte New & Lingwood im hauseigenen Archiv.

Zeitlose Eleganz

Perfekt zu diesen acht Savile Row-Outfits passt der rotgoldene Historiques American 1921-Zeitmesser, den Vacheron Constantin zu dieser historischen Inszenierung beisteuerte. Für Julien Marchenoir, Direktor Strategie und Heritage bei Vacheron Constantin, stand fest: „Weil Jimmy Beaumont aus den zwanziger Jahren stammt, passt diese Uhr perfekt zu seiner Persönlichkeit – der unkonventionelle Charakter gefällt auch Jeremy King sehr gut.” Auch eine neue Generation von Autofahrern, die sich in den zwanziger Jahren entwickelte, soll diese Uhr besonders geschätzt haben, weil sich die Zeit auch dann ablesen lies, wenn die Hände am Steuer waren. Diese Frag muss natürlich gestellt werden: Welches Auto sollte Jimmy nach Meinung von Jeremy King fahren? „Ich denke ein stilvoll eleganter Alvis würde zu Jimmy passen.”

Fotos: Tim Brown für Classic Driver © 2017