Glamour des Überschalls: Die Concorde Story

Sie gilt als Ikone der Luftfahrt: Für drei Jahrzehnte katapultierte die Concorde die Welt ins Überschall-Zeitalter. Autor Simon de Burton blickt zurück auf die Geschichte der Überschall-Maschine – und seine ganz persönlichen Concorde-Erinnerungen.

Damals galt die erste Überschall-Passagiermaschine als höchster, absoluter, alles andere überragender Gipfel des Glamours.

Einer meiner besten Schulfreunde hatte die besondere Gabe, seine Kameraden grün werden zu lassen vor Neid. Meist war es seine eindrucksvolle Omega Seamaster am Handgelenk, sein handgefertigtes Rennrad oder sein ferngesteuertes Speedboat mit echtem Benzinmotor, das uns die Tränen der Missgunst in die Augen trieben. Doch im legendären Hitzesommer 1976 brachte er seine Mitschüler auf ein neues Level der Eifersucht: Zunächst wurde er von seiner atemberaubenden Nanny in einem der ersten Jaguar XJ-S abgeholt, dann verkündete er mit gelassener Miene, im nächsten Urlaub nach Washington DC zu fliegen – in einer Concorde! Glauben schenkten wir seiner Geschichte übrigens erst, als er nach den Ferien das handgeschriebene Zertifikat des Kapitäns und den obligatorischen Goodiebag der Concorde im Pausenhof vorlegte. Denn damals galt die erste Überschall-Passagiermaschine als höchster, absoluter, alles andere überragender Gipfel des Glamours.

Europäische Harmonien

Als überraschendes Produkt einer Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Großbritannien – Concorde bedeutet „Harmonie“ in beiden Sprachen – absolvierte der Prototyp 001 der Concorde im März 1969 seinen ersten Testflug. Es sollten jedoch nich einmal sieben Jahre vergehen, bis die Concorde im Jahr 1976 ihre ersten Einsätze im Passagierbetrieb absolvierte. Schon kurz darauf wurde „Concorde Spotting“ in England und Frankreich zum Volkssport und Menschen allen Alters reckten auf der Straße ihre Hälse, um vorbeifliegende Flugzeuge nach den typischen Erkennungsmerkmalen zu suchen: Den Delta-Flügeln und der berühmten abgeknickten Nase, die den Piloten während Start und Landung eine bessere Sicht versprach. 

Die ultimative Form des Reisens

Schon 1977 lag der Preis für eine einzige Concorde bei 23 Millionen Pfund Sterling – heute ungefähr 120 Millionen Pfund. So überraschte es nicht, dass nur 14 zivile Concorde gebaut und jeweils zur Hälfte an British Airways und Air France geliefert wurden. Dennoch, oder vielleicht auch gerade wegen der „natürlichen Limitierung“ galt die Concorde bis zu ihrem Aus im Jahr 2003, als ein Ticket nach New York mehr als 8.000 Pfund kostete, als ultimative Form des Reisens.

120 Passagiere in einer Aluminiumröhre

Dabei quetschten sich maximal 120 Passagiere in eine Aluminiumröhre, deren Sitze die Bewegungsfreiheit heutiger Billigflug-Airlines als großzügig erscheinen lassen würden. Für den extraorbitanten Ticketpreis wurde man in der großen Reiseflughöhe zudem der doppelten Dosis an Strahlung ausgesetzt, wie in einem normalen Passagierflugzeug. Zudem waren die Fenster extra klein gehalten, um den Druckverlust in der Kabine im Notfall zu verlangsamen. 

JFK – Heathrow in zwei Stunden, 52 Minuten und 59 Sekunden

Dafür wurden die Passiere von glamourösen Flugbegleiterinnen mit bestem Champagner und Gourmet-Speisen versorgt. Und vielleicht noch wichtiger: Wer von London nach New York flog, konnte mit Fug und Recht behaupten, eine Stunde früher anzukommen, als er losgeflogen war. 1996 gelang es den Piloten sogar, die Strecke von JFK nach Heathrow dank starkem Rückenwind in nur zwei Stunden, 52 Minuten und 59 Sekunden zurückzulegen.

Noch immer das schönste Flugzeug aller Zeiten

Doch schon zur Jahrtausendwende zeichnete sich ab, dass die Lufthoheit der Concorde nicht für immer währen sollte. Im Jahr 2000 kam es schließlich zum fatalen Crash, der auch das Schicksal der „Königin der Lüfte“ besiegeln sollte: Beim Start in Paris Charles de Gaulle stürzte Air-France-Flug 4590 ab, 100 Passagiere, neun Crewmitglieder und vier Flughafenmitarbeiter am Boden verloren ihr Leben. Als die Concorde 2003 in den Ruhestand ging, wurden als Grund die sinkenden Passagierzahlen sowie die mittlerweile veraltete Technik genannt. Heute ist keine einzige flugbereite Concorde erhalten geblieben – und doch gilt sie bei vielen als schönstes Flugzeug aller Zeiten.