Die wunderbare Welt des Ercole Spada

Es war ein kurzes Bewerbungsgespräch, das Ercole Spada im Jahr 1960 bei Zagato zu durchstehen hatte. Ob er Zeichnungen im Maßstab 1:1 produzieren könne – und ein Dimplom besitze? Spada nickte zweimal – und sollte das Automobildesign für immer prägen.

Elio Zagato war sichtlich angetan von dem jungen Designer und seinem Portfolio, also fackelte er nicht lange und holte Ercole Spada in sein Team. Der 23-jährige, in der Lombardei geborene Ingenieur hatte erst kurz zuvor seinen Abschluss gemacht, doch mit einer seiner ersten Arbeiten sollte ihm sogleich einer der größten Würfe der Automobilgeschichte gelingen – der Aston Martin DB4 GT Zagato. Im selben Jahr zeichnete er dazu noch den Alfa Romeo Giulietta SZ und die Konzeptstudie OSCA 1600 GTZ. 

Signore Coda Tronca

So wurde aus dem Nachwuchsdesigner innerhalb weniger Monate der kreative Kopf von Zagato. Spada hatte nicht nur eine Ausdrucksform für seine beiden Leidenschaften – das Automobil und die Kunst – gefunden, sondern auch Freude an der Aerodynamik entdeckt. Er entwarf das von Kamm inspirierte „Coda Tronca“-Heck für den Alfa SZ und seine Nachfahren, den Alfa TZ1 und TZ2. Auch einige von Zagato karossierte Lancia trugen seine Handschrift, das Spektrum reichte vom seltsamen Lancia Fulvia Sport bis hin zum hinreißenden Lancia Flaminia Supersport. Im Jahr 1969 verließ Ercole Spada jedoch den Mailänder Karosseriebauer und arbeitete als Freiberufler für Ford, Ghia und Audi, bevor er 1977 als Designchef zu BMW berufen wurde. Dort war er verantwortlich für die 7er-Reihe E32 und die 5er-Reihe E34. 

Endlich in der Hall of Fame

Bart Lenaerts, der kreative Kopf hinter dem Magazin WAFT, hat Ercole Spada jetzt ein umfangreiches Buch mit dem schönen Titel „Spada. The long story of a short tail“ gewidmet, in dem sich neben Fotografien und Zeichnungen auch einige schöne Zitate finden. „Die meisten meiner Entwürfe fanden zunächst wenig Anklang“, erinnert sich Spada etwa. „Meist brauchte es Jahre, bis die Menschen die Schönheit darin erkannten. Und noch viel Zeit mehr, um sie zu Fans zu machen.“ Tatsächlich war Spada sowohl ästhetisch wie auch aerodynamisch vielen seiner Zeitgenossen voraus. Dennoch fehlt sein Name oftmals in der Reihe der Design-Schwergewichte wie Giugiaro, Gandini und Pininfarina – es wird Zeit, dass sich dies endlich ändert!

Die hier gezeigten Bilder stammen aus dem wunderbaren Buch Spada. The long story of a short tail unseres Freundes Bart Lenaerts, das wir Ihnen hiermit ans Herz legen möchten.