Range Rover Hybrid: Erste Fahrt im Seidenstraßen-Prototyp

Bevor der erste Range Rover Hybrid aller Zeiten in Serie geht, steht ihm noch eine finale Testfahrt bevor. Classic Driver hat den Prototypen-Konvoi auf der ersten Etappe der gut 16.000 Kilometer langen Seidenstraßen-Tour begleitet.

Für die meisten Hersteller ist die Nordschleife das ultimative Testgelände, wo es gilt, Motor und Fagrwekt in endlosen Runden immer neu zu kalibrieren. Doch bei Land Rover war man dagegen immer gut darin, sich für die letzten Abnahmefahrten eine eigene „grüne Hölle“ zu suchen. Seit den 1960er Jahren, als die Entwicklungsmodelle des Range Rovers unter dem Projektnamen „Velar“ durch die unwegsamsten Regionen der Welt geschickt wurden, wird diese Tradition bei jedem neuen Modell gepflegt. Berühmt-berüchtigt etwa sind etwa die Minitrek-Mission durch Afrika von 1969 oder die Trans-Amerika-Expedition von 1971 und 1972, in der Regimente der Britischen Armee in ihren Range Rovern die als unpassierbar geltende Sumpflandschaft des Tapón del Darién in Panama durchquerten. 

Gar nicht seidig-weich – die Seidenstraße

Entsprechend stolz präsentierte man vergangene Woche in Solihull die Range-Rover-Veteranen von einst mit ihren sorgsam gepflegten Beulen und Dellen, um den neuesten Prototypen auf seine letzte Abenteuer-Fahrt zu verabschieden. Der erste Hybrid-Range-Rover ließ dabei auch nicht die obligatorische Abenteurer-Ausstattung vermissen – Dachgepäckträger, Benzinkanister, Rampen und eindrucksvolle Seilwinden machten allen Zuschauern klar, das dies keine Spazierfahrt durch den Hyde park wird. Tatsächlich führt die Tour entlang der historischen Seidenstraße, eine gut sechseinhalb tausend Kilometer lange Verbindungsroute zwischen Europa und Asien, die zwischen dem ersten und 14. Jahrhundert als wichtigster Handelsweg galt. Doch bevor es losgeht, haben wir Gelegenheit, die Geländegängigkeit des elektrifizierten Range Rover im markeneigenen „Privatdschungel“ zu erproben. 

Beeindruckenderweise hat der Hybrid gegenüber dem TDV6-Modell, auf der er basiert, nur 120 Kilogramm zugelegt.

Beeindruckenderweise hat der Hybrid gegenüber dem TDV6-Modell, auf der er basiert, nur 120 Kilogramm zugelegt. Dank einer stählernen Schutzkassette für die wassergekühlte Batterie ist zudem weder die Wattiefe, noch die Bodenfreiheit durch das Zusatz-Aggregat beeinträchtigt worden. Noch wichtiger finden wir auf unserem Weg über den „Jungle Track“ jedoch, wie der Elektroantrieb die flachen Stellen der Drehoment-Kurve ausbügelt und den Raneg Rover selbst auf steilsten Hängen, Böschungen, Treppen und Hängebrücken deutlich berechenbarer Macht. 

Schneller gleiten

Auf der ersten Etappe von Solihull via London nach Brüssel sind zwar keine großen Gefahren zu erwarten. Doch für einen ersten Fahreindruck in seinem tatsächlichen späteren Lebensraum, auf Autonbahnen und im Stadtverkehr, ist die Strecke ideal. Die elektrische Unterstützung lässt die Leistung auf das Niveau des TDV8 ansteigen – und wäre da nicht das Rauschen des Windes an unserem Dachgepäckträger und die freudig-stolz schwatzenden Land-Rover-Ingenieure auf der Rücksitz, man könnte die bevorstehende Expeditionsfahrt glatt vergessen.

Belohnung für gute Bremser

Im Gegensatz zu vielen anderen Hybriden ist die Leistungsschau auch in den Instrumenten ansprechend umgesetzt. Ein schlichtes Display zeigt an, wieviel kinetische Energie man beim Bremsen erntet – und lehrt einen dabei ganz unbewusst, das Pedal langsamer und nachhaltiger zu treten. Belohnt wird man mit maximal einer Meile im vollelektrischen Betrieb. Nicht viel aber genug, um auf einer Landstraße einen Reiter zu überholen oder – vielleicht noch reizvoller – bei spätnächtlicher Ankunft die schlafende Gemahlin nicht durch das Geblubber des Sechszylinders aufzuwecken. Fast scheint es surreal, dass sich ein solches Koloss von einem Auto völlig lautlos bewegen lässt.

Was Range Rover für seinen ökologisch wertvollen Spätheimkommer- und Reiterüberholschutz draufrechnet, ist noch nicht bekannt. Wir drücken erst einmal die Daumen für die Jungfernfahrt bis Mumbau – und freuen uns, in einigen Wochen, kurz vor der Zieleinfahrt, zum Tross der Land Rover dazuzustoßen.