Zwillingsforschung bei den Rétromobile-Auktionen 2017 in Paris

Während die Sammlergemeinde den Auktionsmarkt für Sammlerautos mit wachsamem Auge verfolgt, scheinen sich auch die Auktionshäuser argwöhnisch zu beäugen. Beim Studium der Pariser Katalogs fielen uns jedenfalls einige kaum zufällige Parallelen auf.

Fragen Sie den Direktor eines beliebigen Auktionshauses nach seiner Strategie für die Auswahl seiner Verkaufsobjekte. Und er wird Ihnen antworten, wie unabhängig man doch entscheide, wie sehr man Trends setzen und keiner Mode hinterherlaufen wolle. Das ist generell bestimmt der Fall, doch wirken RM Sotheby’s und Artcurial bei den diesjährigen Retromobile-Aukionen ein wenig wie zwei peinlich berührte Gäste, die zu einer Soirée im exakt gleichen Outfit erschienen sind. Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls beim Studium der Kataloge auf, stellen doch beide Häuser frappant ähnliche Sammlerautos auf die Bühne, manche sogar in exakt der gleichen Farbe. Beobachter erhalten so die seltene Gelegenheit, während eines Wochenendes den Verkauf nahezu identischer Modelle direkt zu vergleichen – und bei diesen Zwillingsstudien wertvolle Erkenntnisse über die jüngsten Tendenzen des Marktes zu gewinnen.

Im Zeichen des Zwillings 

Die Parallelen zwischen den Angeboten beider Auktionshäuser sind schon sehr auffällig – wie zum Beispiel die beiden Exemplare des immer noch sehr populären Ferrari 599 GTO zeigen. Jeweils in Rot, mit einem Dach in mattem Silverstone Grau, unterscheiden sie sich nur durch unterschiedliche Optionen und den Tachostand. Das 11.700-Kilometer-Exemplar von Artcurial wird auf 500.000 bis 700.000 Euro geschätzt, während RM Sotheby's für seinen 17.000-Kilometer-GTO eine engere Spanne von 525.000 bis 600.000 Euro aufruft. Des Weiteren werden auch zwei Porsche 911 2.7 RS Touring von 1973 aufgefahren; beide in Hellgelb und authentisch restauriert. Oder zwei Ferrari 250 GTE 2+2, auch sie wirken in der Original-Außenfarbe Grau mit rotem Interieur wie Zwillinge. Damit nicht genug, warten auf Bieter auch noch zwei weiß über blau lackierte Fiat Multipla, zwei Werks-Rallye-Renault 5 Turbos (ein dritter kommt noch bei Bonhams zum Aufruf), zwei Ferrari 250 GT Pininfarina Cabriolet, zwei Aston Martin DB6 Vantage und sogar zwei bislang eher ungeliebte Lamborghini Jarama. 

Steigende Porsche-Kurse

Offiziell haben Porsche aus den 1990er Jahren nun die Millionen-Grenze erreicht. Zumindest wollen uns das die Auktionshäuser und ohne Zweifel auch die Besitzer, welche ihre Autos wegen der Dollar-Zeichen in ihren Auge nicht mehr sicher nach Hause bewegen können, weismachen. RM Sotheby’s jedenfalls zeigt sich unbeeindruckt von den Nicht-Verkäufen der für die Arizona-Auktion so gehypten Porsche 993 GT2. Nicht anders zu erklären ist der selbstbewusste Schätzpreis von 850.000 bis 1,0 Millionen Euro für ein Porsche 993 Turbo Cabriolet Baujahr 1994, eines von nur 14 bei Porsche Exklusive auf Sonderwunsch angefertigten Exemplaren. Neben der vor kurzem vorgestellten Schweizer Sammlung ist Porsche auch noch durch den Steve McQueen Tribute Porsche 911R prominent vertreten. Letzterer empfiehlt sich als lohnendes Objekt für Sammler, die ihre Passion für starke Autos mit einem Beitrag für wohltätige Zwecke verquicken wollen. 

Die Briten sind gelandet

Vielleicht um der großen Zahl der an der Porte de Versailles versammelten Händlern und Sammlern von der Insel zu schmeicheln, füllen die Kataloge auch viele Modelle britischer Provenienz. Allen voran das obligatorische Kontingent an Jaguar, darunter einer der letzten gebauten Jaguar SS100 (385.000 bis 445.000 Euro), aber auch viele Aston Martin. An der Spitze der Hackordnung steht jedoch ein von Bonhams angebotener Aston Martin Ulster von 1935. Als einer von sieben Werkswagen und mit Le Mans-Vergangenheit steht er für 1,6 bis 1,8 Millionen Euro in der Liste. Nicht zu verachten sind aber auch der Aston Martin DB7 mit Zagato-Karosserie (350.000 bis 400.000 Euro) und der V12 (625.000 bis 675.000 Euro), beide aus dem Katalog von RM Sotheby’s. In Fortsetzung des Paarthemas buhlen auch zwei hochkarätige Austin-Healey 100 M „Le Mans“ um die Gunst der Käufer — einer von RM Sotheby’s und der andere von Bonhams — zu Schätzpreisen von 170.000 bis 210.000 Euro beziehungsweise 200.000 bis 250.000 Euro. Die Ergebnisse unserer Zwillingsforschung werden wir Ihnen im Anschluss an die Rétromobile mitteilen.

Fotos: RM Sotheby's / Artcurial 

Sie finden die kompletten Rétromobile-Kataloge von RM Sotheby's und Artcurial im Classic Driver Markt.