Artcurial verkauft Ferrari Dino Prototyp für 4.4 Millionen Euro in Paris

Bei einem achtstündigen Marathon-Event erzielte Artcurials 154-Lose-Rétromobile Sale 2017 eine Abverkaufsquote von 73% und eine Bruttosumme über 32 Mio. Euro in der Stadt des Lichts. Bei der breiten Auswahl an Autos waren seine zwei scharlachroten Stars die Mittelpunkte der Veranstaltung...

Show in der Heimatstadt

Es gab keine nennenswerten Rekorde, kein Raunen unter den rund 3.000 Zuschauern, keine hektischen Reaktionen via Social Media in Artcurials Domäne bei der Rétromobile auf dem Messegelände an der Porte de Versailles. Gerade an diesem Ort hatte das französische Auktionshaus immer wieder mit einigen bemerkenswerten Resultaten wie den 32.1 Millionen Euro für den Ferrari 335 S Scaglietti im letzten Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Obwohl der Schätzwert des Dino Berlinetta Speziale-Prototyp von 1965 mit 4 - 8 Millionen Euro für dieses Highlight erstaunlich breit ausfiel, fiel Maître Hervé Poulains Hammer dann eher widerwillig schon bei 3.8 Millionen Euro (mit Aufgeld 4.4 Millionen Euro). Auch der andere Über-Ferrari, der 166 Spyder Corsa, in dessen Gegenwart wir kürzlich Zeit verbringen durften, enttäuschte und konnte nach einer überraschend kurzen Bieterrunde für gerade einmal 3.1 Millionen Euro den Besitzer wechseln. Wir sprachen mit Managing Director Matthieu Lamoure, der erklärte, dass sowohl die Verkäufer als auch Artcurial mit den Verkaufsergebnissen zufrieden seien: "Für uns repräsentierte dieses Auto die Essenz des Pininfarina Designs und war ein Vorläufer in der Geschichte der Marke. Kommerziell gesehen können Käufer durch eine breite Schätzung beruhigt werden, da sie ihnen erlaubt, freier zu bieten. Eine präzise und engere Schätzung kann die Bieter vorsichtiger machen. "

Im Laufe dieses Verkaufsmarathons wurde das wachsende Unbehagen der Auktionatoren spürbar: Es gab hörbare Seufzer, als der Hammer in der Luft verharrte, weil die Bieter schwiegen oder sich der Versteigerungsprozess durch Lose schleppte, für die sich keine Interessenten melden würden. Aber es gab auch ein paar gute Ergebnisse wie beispielsweise der AC Bristol Roadster von 1965, der mit 321.840 Euro (inklusive Aufgeld) einen ordentlichen Erlös feierte, oder der Lamborghini Miura SV, welcher einen Rekordpreis von 2,4 Millionen Euro erzielte, und auch der Ferrari 365 GTB/4 „Daytona” in schwarz und beige machte in einem mauen Markt auf sich aufmerksam. Die insgesamt erzielten 798.640 Euro für ein Exemplar mit hohem Kilometerstand belegen womöglich den Wert dieser interessanten Farbkombination. Der Bugatti Typ 57 Atalante von 1935 aus der Sammlung Ogliastro sollte auch erwähnt werden - er kam für 2 Millionen Euro unter den Hammer und damit um 500.000 Euro mehr als der höhere Schätzwert. Insgesamt realisierte er mit dem Käuferaufgeld 2.33 Millionen Euro. In einem berührenden und großzügigen Moment wurden eine Harley-Davidson Softtail Springer und ein Cadillac-Cabriolet im Besitz von Johnny Hallyday, dem "französischen Elvis Presley", für 280.000 bzw. 270.000 Euro verkauft und übertrafen deren Vorverkaufsschätzungen um ein Vielfaches. Der Erlös dieser beiden Fahrzeuge ging an eine Wohltätigkeitsorganisation, die vietnamesische Waisenkinder unterstützt. Mit Blick auf den aktuellen Markt, verweisen die Erlöse auf längst Erkanntes: Den ganz großen Gewinn kann man derzeit angesichts der sachlichen und überlegten Gebote nur dann machen, wenn man auch sensationelle Automobile auffährt. 

Fotos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2017