Was Sie beim Amelia Island Concours nicht verpassen sollten

Mittlerweile im dritten Jahrzehnt bleibt der Concours von Amelia Island ein früher Höhepunkt im Classic Car-Kalender. Wir haben für Sie eine Liste der Must-sees der 2016er Ausgabe zusammengestellt.

Hommage an „Strietzel“ Stuck

Mit Hans-Joachim Stuck ehren die Veranstalter einen Fahrer, der zwar in der Formel 1 nicht den großen Durchbruch schaffte, aber als „König von Hockenheim“ (in der Formel 2) sowie durch seine Le Mans-Siege für Porsche und die Husarenstreiche auf BMW-Tourenwagen unvergessen bleibt. Als Sohn des „Bergkönigs“ Hans Stuck war dem langen „Strietzel“ das Talent in die Wiege gelegt – speziell im Regen war er eine Klasse für sich. Das Amelia-Aufgebot der vom scheinbar immer gut gelaunten Bayern gesteuerten Wagen umfasst einen BMW 3.0 CSL, mit dem Stuck 1975 die 12 Stunden von Sebring gewann, den Brabham-Alfa Romeo BT45B, auf dem er 1977 im Regen 14 Runden lang den GP der USA anführte - ehe die Kupplung versagte - und den 911 Turbo 3.6, der Stuck 1993 den Sieg in der IMSA Supercar Serie einbrachte. Zu sehen ist auch der Coca Cola-Porsche 962, mit dem der nach Siegen auf dem Podest gern jodelnde Bayer 1986 ein zweites Mal Sebring gewann – obwohl sein leider kurz darauf in Le Mans tödlich verunglückter Teamkollege Jo Gartner die letzten Meter auf drei Rädern zurücklegen musste...

Ein Armada von Pegasos

Eine andere Sondershow widmet sich der kurzlebigen spanischen Marke Pegaso. Fast 20 Prozent aller insgesamt nur 84 gebauten Modelle werden sich auf dem Concours-Rasen aufstellen - darunter der unter dem Spitznamen „El Dominicano“ bekanntgewordene Z102 mit verkleideten Rädern und Glaskuppel am Heck. Nach der Präsentation auf dem Genfer Salon von 1953 erwarb der dominikanische Diktator Rafael Trujillo das vom Designer des Alfa Romeo Disco Volante, Carlo Felice Bianchi Anderloni – gestylte Modell. Beim Concours in Villa d’Este sorgte das Unikat schon für mächtig Aufsehen, nun soll es auch einige amerikanische Nackenmuskeln trainieren...

50 Jahre Lamborghini Miura

Wo wären wir nur heute, hätte nicht Enzo Ferrari durch seine Hochnäsigkeit den Traktorenhersteller Ferruccio Lamborghini dazu getrieben, mit einem eigenen Sportwagen den Produkten aus Maranello Paroli zu bieten? Nun, die Autowelt wäre um einen so legendären Klassiker wie den Lamborghini Miura ärmer. Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit das Meisterwerk von Marcello Gandini auf dem Genfer Salon von 1966 erstmals die Massen begeisterte. Indem sie eine Reihe von Miura-Varianten zusammenführen, erweisen die Amelia Island-Macher diesem nach einem besonders aggressiven spanischen Kampfstier benannten Sportwagen die ihm gebührende Referenz. 

Abgedrehte Konzeptstudien

Die Kategorie „Konzeptstudien“ ist traditionell ein Publikumsliebling. Diesmal widmet sie sich kleineren Herstellern oder Konstrukteuren amerikanischer Provenienz. Neben dem kauzigen Fascination 2DR erhalten Besucher die seltene Gelegenheit zu einem Blick auf den futuristischen, aber auch etwas düsteren Phantom Corsair von 1938. Das Geistesprodukt eines Erbes des Heinz-Lebensmittelimperiums stand mit seiner Stromlinienkarosserie in Kontrast zu den überladenen Karossen amerikanischer Vorkriegs-Modelle. Ein früher Botschafter des erst noch heraufziehenden Jet Zeitalters - und bis heute ein in Würde gealterter Vertreter des Futurismus im Automobil-Design.

Automotive Unicorns

Kein Weltklasse-Concours ohne eine gewisse Anzahl exquisiter Unikate – Amelia Island 2016 macht da keine Ausnahme. Neben dem Ende letzten Jahres von RM Sotheby’s verkauften Porsche 356 von Janis Joplin parkt auf dem Rasen auch der Shelby-de Tomaso P70 - ein totgeborener CANAM-Wagen aus 1965. Nach nur einem Einsatz beim Mugello-Grand Prix von 1966 wurde das Modell eingemottet und nie mehr eingesetzt. Immerhin war nicht alles für die Tonne: Schon 1967 erschien der de Tomaso Mangusta, mit einer Weiterentwicklung des im glücklosen P70 verwendeten Zentralrohrrahmen-Chassis.  

Fotos: Amelia Island Concours, Rémi Dargegen, BMW, RM Sotheby’s