Tornado Fiat 600GT: Kleiner Krawallbruder

Erinnern Sie sich? Die knuffigen Fiat 600 gehörten zum Straßenbild der 1960er Jahre wie die rote Sonne zur Insel Capri. Über 2,6 Millionen wurden in 14 Jahren Bauzeit hergestellt. Doch nur drei Tornado 600 entstanden. Und nur ein Floh hat einen Lotus-Motor im Heck.

 

Gegründet im Jahr 1957, fertigte die Tornado Car Company zunächst eigene Sportwagen. Zumeist auf Ford-Basis. Der Erfolg war eher mittelprächtig. Nach sieben Jahren Durststrecke folgte die Liquidation. - Aus die Maus? Nicht ganz, denn Rennfahrer John Bakaert nahm sich bei Carlo Abarth ein Beispiel. Der war mit getunten Fiat 600 enorm erfolgreich. Das wollte Bakaert auch – wenn auch auf die englische Art. Tornado schien ihm hierfür geeignet.

 

Tornado Fiat 600GT: Kleiner Krawallbruder
Tornado Fiat 600GT: Kleiner Krawallbruder Tornado Fiat 600GT: Kleiner Krawallbruder

Bakaerts Baby folgte den Anleihen früherer Tornado-Produkte. Man lieh sich aus den zahlreichen Ford Regalen ein Aggregat und verpflanzte dies. Kurios sah das aus, denn die Motoren passten kaum unters Blech und guckten aus dem Heck, wie ein zu großer Koffer aus dem Kofferraum. In jener Zeit wurde bei Umbauten gerne ein 75 PS Motor mit 1,5 Liter Hubraum und vier Zylindern genommen. Solche Motoren kamen beispielsweise im Cortina 1500GT zum Einsatz. So ausgerüstet, spurtete der Floh in rund neun Sekunden von 0 auf 100 km/h. Alle Achtung! Der Top Speed lag bei 98 mph, entsprechend beinahe 160 km/h. Mehr noch: mit getuntem Motor stieg der Top-Speed sogar auf rund 185 km/h. Doch nur drei Tornado 600 wurden gebaut. Eines von diesen Fahrzeugen war Bakaert's persönliche Krachwanze. Ausgerüstet mit einem 1.850-ccm-Ford-Motor und gut für – festhalten – knapp 210 km/h.

 

 

Tornado Fiat 600GT: Kleiner Krawallbruder
Tornado Fiat 600GT: Kleiner Krawallbruder Tornado Fiat 600GT: Kleiner Krawallbruder

Bakaert verkaufte einen der 1,5-Liter-Tornados an seinen Freund David Render, der sich prompt in den sportlichen Wettbewerb wagte. Und er fuhr allen um die Ohren. Doch das große Sausen hatte einen Grund. Denn Render konsultierte keinen anderen als Colin Chapman und bat um Leistungssteigerung. Diese kam in Gestalt eines 1,6-Liter-Doppelnockers mit satten 140 PS Leistung. Nur, dass dieser Motor noch weniger in die Hecklade passte. Der Deckel musste oben bleiben. Dauerhaft. Und genauso obsiegte Render. Rund 50 Mal hintereinander bei verschiedenen Hillclimb und Sprint Wettbewerben. Alles absolviert mit der kleinen Krachwanze, die Sie hier sehen.

 

 

Tornado Fiat 600GT: Kleiner Krawallbruder

Aufgrund des geringen Gewichtes und der innewohnenden Kraft präsentiert sich der Lotus Tornado als wahrer Feuerstuhl. Denn das Handling war und ist nicht ohne. Vergleiche mit einem übermotorisierten Porsche 911 sind nicht ganz fehl am Platze. Also nicht nur für Mutige, sondern auch für Könner.

 

 

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Fotos: Michael Ward