Timeless Classics: Bizzarrini 5300 GT

„Rennsport für die Straße“ ist, zugegeben, ein reichlich überstrapaziertes Klischee. Doch wenn es auf einen Sportwagen zutrifft, dann auf den Bizzarrini 5300 GT. Er resultierte aus Giotto Bizzarrinis Vorhaben, einen reinrassigen Rennwagen zu bauen, und Renzo Rivoltas Idee von einem Straßensportler.

Die Geschichte des Iso Grifo / A3C / Bizzarrini ist wahrlich kompliziert. Erst recht, wenn es um die Frage geht, welche genaue Bezeichnung jedes einzelne Modell hat. Die Kurzfassung lautet folgendermaßen: Der hochtalentierte Ingenieur Giotto Bizzarrini war einer jener Ferrari-Mitarbeiter, die bei der Werksrevolution 1961 ihren Job schmissen und die Firma ATS gründeten. Jedoch verließ Bizzarrini schon bald wieder ATS und machte sich selbstständig. Unter den potentiellen Investoren seiner Unternehmung befand sich Renzo Rivolta, ein wohlhabender Industrieller, der einen eigenen GT unter seinem Firmennamen Iso bauen wollte. Mit dem Input Bizzarrinis baute Rivolta zunächst den Iso Rivolta und dann – auf einem verkürzten Chassis – den fabelhaften Iso Grifo. Bizzarrini beschrieb sein Vorgehen so: „Ich nahm mir den 250 GTO zum Vorbild und versuchte, das Konzept zu verbessern.“

Straße oder Rennstrecke?

Es dauerte nicht lange, bis Bizzarrinis und Rivoltas Ambitionen auseinanderdrifteten. Ersterer konzentrierte sich auf die Entwicklung eines perfekten Rennwagens (das Auto gewann 1964 und 1965 die GT-Klasse in Le Mans), während Rivolta sich viel mehr für die Straßenversionen interessierte. Die Situation wurde noch komplizierter, als Bizzarrini sich den Namen „Grifo“ schützen ließ. Doch letztendlich stimmte er zu, dass Iso den Modellnamen Grifo nutzen konnte. Bizzarrini selbst nannte seine Straßenversion „A3s“ und die Rennwagen „A3Cs“. Puh! Dann wurde die Straßenversion doch noch zu „Bizzarrini 5300 GT“ umbenannt. Nun, wir sagten ja, dass es kompliziert ist.

Italienisches Design, amerikansiche Pferdestärken

Doch vergessen Sie den Namen. Das, was Bizzarrinis Straßenversion bot, war eine grandiose Kombination aus kraftvoll-sinnlichem, von Bertone entworfenem Design und einem Semi-Monocoque, dass auf das Chassis genietet wurde. Der Frontmittelmotor, ein 5,3-Liter-Chevrolet-V8 mit 355 bis 400 PS, erlaubte eine Höchstgeschwindigkeit von nahezu 290 km/h. Er war tatsächlich das perfekte Beispiel für das oft missbrauchte Klischee „Rennsport für die Straße“. Und, was die Straßenversion heute noch begehrenswerter macht, ist die Tatsache, dass durch Bizzarrinis primäres Interesse am Rennsport, nur wenig 5300 GT Strada entstanden.

Der hier gezeigte Bizzarrini 5300 GT, eines der mit Aluminium-Karosserie gefertigten Exemplare, befindet sich in Concours-Zustand und wird am 10. Mai bei einer Versteigerung von RM Auctions in Monaco zum Aufruf kommen.

Dieser Artikel ist Teil der Serie „Timeless Classics“, die von RM Auctions präsentiert und freundlich unterstützt wird.