Projekt Burma oder wie es einmal fast einen Spar-Bentley gegeben hätte

Mit dem Aufkommen der selbsttragenden Karosserie in den späten fünfziger Jahren begann man auch bei Bentley über die Vorteile einer kompakten und günstigen Limousine nachzudenken. Was dabei herauskam, hatte einen Reihensechszylinder, ein Monocoque und ein ziemlich ungewöhnliches Gesicht.

Für Rolls-Royce war die Entscheidung für eine Monocoque-Konstruktion beinahe reine Formsache. Als die 1960er mit ihren gesellschaftlichen Vorzeichen eingeläutet wurden, mussten sich auch Luxusmodelle der Trendwende hin zu einem veränderten Konsumverhalten sowie einer höheren Verkehrsdichte anpassen. So sollten die äußeren Abmessungen kompakter werden ohne die Geräumigkeit des Interieurs und den Komfort zu beeinträchtigen. Mit der selbsttragenden Karosserie ließen sich beide Anforderungen erfüllen, allerdings war dieser Fortschritt mit hohen Entwicklungs- und Werkzeugkosten verbunden.

Die Magie Asiens

Rolls-Royce taufte einer der zahlreichen Monocoque-Versuche auf den schönen Kodenamen Tibet, das Schwestermodell von Bentley  hörte auf die interne Bezeichnung Burma. Mit einem Hauch von Magie war den Ingenieuren anscheinend das Kunststück gelungen, dass der Innenraum des Bentleys mit dem des Rolls-Royce identisch war, obwohl das Fahrzeug kleiner dimensioniert war. Von Anfang an war Projekt Burma für einen neu entwickelten 4,0-Liter-Sechszylindermotor konzipiert worden (Modell Tibet behielt den charakteristischen V8), besaß aber außerdem einen markanten Kühlergrill mit integrierten Scheinwerfern, der die gesamt Front in Anspruch nahm.

Letztlich führten die Bemühungen um Burma und Tibet nie zu einem Ergebnis. Obwohl die beiden Projekte auf Eis gelegt wurden, entstanden aus den besten Ideen sowohl der Rolls-Royce Silver Shadow und wie auch die Bentley T-Series. Erfreulicherweise kam die massige Front nie in die engere Wahl. 

Fotos: John Blatchley/John Gaskell/Rolls-Royce, mit Genehmigung von Veloce Publishing