Market Finds – Wer braucht schon einen Ferrari?

Die Marktauswahl dieser Woche würdigt italienische Sportwagen, die in den 1970er Jahren mit mutigem Design den Aufstand gegen den großen Rivalen Ferrari probten. Das Vorhaben gelang nur in Ansätzen. Um so origineller finden wir diese Italo-Außenseiter aus den Retromobile-Auktionskatalogen heute.

Der Mini-Miura

Der als Stammgast in dieser Rubrik regelmäßig auftauchende Alfa Montreal ist ein ungewöhnliches Gerät. Benannt nach dem Ort seiner Weltpremiere, der Expo 67 in Montreal, zeigt das Modell beim genauen Hinsehen subtile Parallelen zum berühmteren Lamborghini Miura. Was nicht verwundert, stand doch mit Marcello Gandini der gleiche Designgott am Zeichenbrett. Auf relativ kleinem Grundriss und mit einem 2,6-Liter-V8 mit Einspritzung als Kraftquelle entstand die Miniatur eines italienischen Muscle Cars mit einem – trotz falscher Lüftungsschlitze – Front- statt Mittelmotor-Layout. Dieses spezielle Exemplar aus dem Jahr 1973 wurde einer Komplett-Überholung durch Markenspezialisten unterzogen und wäre eine würdige Ergänzung einer jeden Sammlung. Allein schon wegen der Lamellen, die tagsüber die Scheinwerfer abdecken.

Heißkalter Sturmwind

Als Maseratis erstes Mittelmotor-Modell sollte der nach einem trockenen, kalten und böigen Fallwind der Adria-Region benannte Bora nicht unterbewertet werden. Der einzige Wagen dieser Auswahl, der nicht von Gandini, sondern von Giugiaro entworfen wurde, ist ein Exemplar aus dem Jahr 1973 und nur eines von 275 mit dem großen 4,9-Liter-V8. Mit Matching Numbers, Original-Werkslackierung und Maserati-Classiche-Dokumenten ein Wind, der alles andere als kalte Gefühle erweckt.

Der Nachfolger des Ghibli

Ein weiteres Gandini-Meisterstück ist der 1973 als Ghibli-Nachfolger eingeführte Maserati Khamsin. Diesmal nach einem heißen Wind der arabischen Wüsten benannt, nutzte das 2+2-sitzige Fließheckcoupé aus Kostengründen auch technische Komponenten des neuen Maserati-Partners Citroën. Der donnernde 4,9-Liter-V8 leistete 320 PS und war selbstverständlich weiter aus eigener Zucht. Dieses Modell aus dem Jahr 1979 ist bestens erhalten und hat erst 68.000 Kilometer zurückgelegt. 

Der Jungstier

Der Lamborghini Uracco war erklärter Ferrari-Dino-Konkurrent. Doch der als preislich attraktiver Supersportwagen konzipierte "kleine Stier" wurde Opfer einer verkorksten Markteinführung und zweifelhafter Qualität. Das Design jedoch hat den Test der Zeit bestanden, und dieses schöne Exemplar aus dem Jahr 1973 wurde von seinem bislang einzigen Besitzer bestens gepflegt. 

Sie finden die kompletten Kataloge für die Retromobile von RM Sotheby's und Artcurial im Classic Driver Markt gelistet.