Market Finds – Brave Kleinwagen, vom Teufel besessen

Im Grunde trägt jeder das Golf GTI-Gen in sich. Weil der heiße VW und all seine Epigonen seit den 1980er-Jahren immer wieder durch die Verbindung aus Praxistauglichkeit und Leistung überzeugten. Wir sind in den Classic Driver Markt gegangen, um einige der größten Hatchbacks aller Zeiten zu finden.

1990 VW Golf GTi

Der erste Golf GTI war zwar nicht der der Urvater aller „Hot Hatches“, brachte aber die Welle 1976 definitiv richtig ins Rollen. Eine gewöhnliche Kompaktlimousine mit Heckklappe, angetrieben von einem auf 110 PS gesteigerten Audi-Motor, mit einem etwas strafferen Fahrwerk und sportiven Zitaten wie dem rot eingerahmten Kühlergrill machten ihn zum Sportgerät für die Massen. Nach diesem Rezept komponierte VW auch die GTI-Variante des Golf II. Dieses Modell von 1990 in der raren Farbe „Calypso Green“ war offenbar der ganze Stolz seines Besitzers, präsentiert es sich doch im nahezu makellosen Zustand. Wir glauben kaum, dass es irgendwo anders ein noch besseres und vor allem noch nicht restauriertes Exemplar gibt....

1979 Talbot Sunbeam Lotus

Wer ein Lotus-Wappen auf einem ansonsten eher unscheinbaren Modell erspäht, weiß als Kenner sofort, dass sich hinter der bürgerlichen Fassade großer Fahrspaß verbirgt. Das war schon beim Lotus Cortina und Lotus Omega so, und trifft ebenfalls auf den weniger bekannten Talbot Sunbeam zu. Denn den haben die PS-Magier aus Hethel mit dem 2,2 Liter Vierzylinder aus dem S2/3 Esprit und gezieltem Tuning an Fahrwerk und Auspuffstrang zum „Lotus“ geadelt. 1981 verhalf solch ein Talbot Lotus Sunbeam dem französischen Unternehmen zum Gewinn der Rallye-Weltmeisterschaft und verkaufte sich danach auch als Straßenversion manierlich. Dieses linksgelenkte Modell aus dem Jahr 1980 steht in Finnland zum Verkauf und ist so original, wie man es sich nur wünschen kann. 

1989 Peugeot 205 GTI 1.6

Es ist eine nicht endende Diskussion, ob nun der 1.6 oder 1.9 Liter große Peugeot 205 GTI das bessere Gerät ist. Nun, eines ist klar: Beide haben ein Heck mit regem Eigenleben, speziell beim abrupten Gaswegnehmen in der Kurve keilt es so forsch aus, das kundiges Gegenlenken gefordert ist. Viele 205 GTI sind im Laufe der Zeit­ übel verunstaltet worden - daher ist es um so erfreulicher, hier noch ein völlig unverdorbenes, sprich originales Exemplar hervorgezaubert zu bekommen. Über sein 79.000 Kilometer langes Autoleben wurde der kleine Löwe gut gepflegt, wovon unter anderem alle Dokumente über Wartung- und Service zeugen. Der GTI 1.6 wartet in Frankreich auf einen neuen Käufer. Er repräsentiert eine ganze Generation und die Geburt eines Phänomens, das bis heute anhält. Und wenn das alles noch nicht reicht, um Sie zu überzeugen – dann sind es vielleicht die gelben Nebelscheinwerfer...

1981 Renault 5 Turbo

Bei nur 970 Kilo Kampfgewicht und einem 1,4 Liter großen und 160 PS starken Turbomotor in Mittelmotorbauweise war der heckgetriebene R5 Turbo selbst für erfahrene Piloten ein harter Brocken. Doch jeder, der einmal gesehen hat, wie Jean Ragnmotti mit seinem Maxi Turbo in Goodwood fein säuberlich gezirkelte Pirouetten am Stück drehte, wird vom Potential des galligen Galliers überzeugt sein. Die Preise für diese Homologations-Spezialmodelle sind in den letzten Jahren regelrecht ins Kraut geschossen – wir sprechen von 65.000 Pfund für ein gutes Exemplar der ersten Serie. Dieser R5 Turbo in „Olympic Blue“ (zusammen mit einem ebenfalls blauen und roten Interieur) hat nur 36.000 Kilometer hinter sich und schaut noch fabelhaft aus. Doch bitte bedenken Sie – Sie sind nicht Jean Ragnotti....

1992 Lancia Delta Integrale Evo I Martini 6

Die sechs WM-Titel des Lancia Delta Integrale zwischen 1987 und 1992 schrien förmlich nach entsprechenden Sondermodellen mit Straßenzulassung – wie dem hier vorgestellten „Martini 6“. Das zum Ende der Saison 1992 gebaute Modell trägt die berühmte Martini Lackierung, ein türkisfarbiges Alcantara-Interieur und eine nummerierte Chassis-Plakette. Als 44. von 310 gebauten Exemplaren wurde dieser spezielle Martini 6 als Neuwagen von Fiat geordert, dem Vernehmen nach für Edoardo Agnelli, Sohn von Firmengründer Gianni. Aus diesem Grund wurden bei Abarth noch spezielle Extras geordert – wie ein elektrisch ausfahrbarer Heckspoiler, ein vom Rallyemodell adaptiertes Fahrwerk und ein blueprinted engine. Dieses einzigartige Exemplar eines Kult-Hatch der 80er soll am 12. März unter den Hammer kommen, zum Schätzpreis von 48.000 bis 60.000 Pfund. 

2005 Renault Clio V6

Der Renault Clio V6 widersetzt sich strikt dem, was einen straßentauglichen GTI ausmachen sollte – eine gewisse Alltags- und Praxistauglichkeit. Dafür ist er aber sehr schnell. Denn hinter den Sitzen hockt ein 254 PS starker 3,0-Liter-V6, der den Mittelmotor-Kleinwagen in 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h katapultiert. Damit war der Clio V6 bei seinem Debüt im Jahr 2003 schnellster Hatchback der Welt. Dieses Modell basiert auf der zweiten Clio-Generation, mit der Renault – mit ein wenig Hilfe von Porsche – das weithin als kritisch beschriebene Handling des immerhin auch schon 226 PS starken Vorgängers erfolgreich zähmte. In vielerlei Hinsicht ist das 2.935 Mal gebaute Auto – nur 183 gingen nach Deutschland – der spirituelle Nachfolger des oben gezeigten R5 Turbo. Absolut überflüssig, doch daher erst recht um so begehrenswerter. Ein moderner Klassiker? Wir denken schon....

Zahlreiche klassische und moderne Fahrzeuge kommen jede Woche neu in den Classic Driver Markt. Sie finden Sie alle unter diesem Link.