Le Mans Classic 2012: Mit allen Wassern gewaschen

Ja, es war außergewöhnlich nass und windig bei der Le Mans Classic 2012. Doch wurde die Stimmung dadurch getrübt? Kein Bisschen – oder könnte man sich ernsthaft beschweren über ein Motorsportrevival, bei dem allein drei Porsche 917, viele Ford GT40 und 18 originale Ferrari 250 GTO anzutreffen waren?

Alle zwei Jahre, nur einige Wochen nach dem professionellen 24-Stunden-Rennen, begrüßt die gepflegte Gesellschaft in Le Mans den historischen Motorsport, um den berühmtesten Landstreckenparcours der Welt zu feiern. Während die Organisatoren anderer exklusiver Veranstaltungen, wie etwa dem Goodwood Revival oder dem Pebble Beach Concours, ihr Publikum mit immer wechselnden Themen unterhalten, ist es in Le Mans anders. Es geht mehr darum, wer dabei ist und wie das Starterfeld beschaffen ist. Bei der Le Mans Classic 2010 etwa war Ferrari Classiche besonders präsent mit Ikonen wie dem 330 P4, dem „Breadvan“, dem 330 TRI oder dem 250 P.

In diesem Jahr waren es von Besucherseite aus gesehen die Rennwagen aus Zuffenhausen, ebenfalls x-malige Le-Mans-Gewinner, die besonders stark vertreten waren. Vom frühen Porsche 356 (natürlich in mehrfacher Ausführung), bis zum Werks-Martini-Porsche-936. Diese wurden nur noch von den drei Porsche-917er-Flundern getoppt, die leider nach einem Unfall im Qualifying auf zwei reduziert warden.

 

Le Mans Classic 2012: Mit allen Wassern gewaschen
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Der Gulf-Rennwagen hatte zuvor im „freien Training“ geglänzt – gesteuert von zwei erfahrenen ehemaligen Porsche-Werksfahrern und Le-Mans-Gewinner. Auf vielen Passagen der Rennstrecke erreichten sie Geschwindigkeiten von fast 350 km/h! John Wyer wäre stolz auf sie gewesen. Es gibt eben nichts Besseres, als historische Rennwagen auf einer Rennstrecke fahren zu sehen, auf der sie wärend ihrer aktiven Zeit erfolgreich waren. So vervollständigten das perfekte Bild der rasenden Porsche 917 eine Reihe 935, 906, 908 und 904. Allesamt Porsche-Rennwagen mit repräsentativer Motorsporthistorie. Noch Fragen?

 

 

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Aus der Maranello-Ecke war es Shaun Lynns 1970er Ferrari 512S, der auf dem Circuit de la Sarthe einen atemberaubenden Sound versprühte – und andere fantastische Ferrari wie sämtliche 512 BBLM oder ein 250 GT Berlinetta, der in späten Fünfzigern und Anfang der Sechziger gleich mehrere Klassensiege einfuhr. David Franklins Ferrari 312P Coupé blieb dem Lauf leider fern. Jedes der sechs separat gestarteten „Grids“ bot Entertainment: Angefangen bei dem Starterfeld der Vorkriegsboliden – hier wurden die Zuschauer von „Mr. Le Mans" Derek Bell am Steuer eines Bentley amüsiert – über die frühen Nachkriegsrennwagen, unter denen sich ein Duell zwischen Alex Buncombe am Steuer des JD-Classic-ex-Fangio Jaguar C-Type und Gavin Pickering in einem D-Type entwickelte. Das Kopf-an-Kopf-Rennen ging zugunsten Buncombe aus. Jeder war verblüfft, wie schnell der bronzefarbene Jaguar auf der Strecke war.

 

 

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So auch Andy Meyrick (Team-Member von Aston Martin Racing AMR-One LMP1 2011), der den von Tate & Lyle gesponsorten Green-de-Cadenet-Lola im sechsten Grid pilotierte. Der großartige „de Cad” war persönlich vor Ort und mit ihm verschiedene Rennwagen, die er einst in Le Mans steuerte. Beim diesjährigen Revival sah man de Cadenet hinter’m Steuer eines grün-gelben Ferrari 250 GT0, der gerade die 2012er 250-GTO-Tour beendete. Er und viele weitere Rennfahrer wie Yvan Muller, Fabien Giroix, Gerard Larrousse und Prinz Leopold von Bayern demonstrierten den ebenfalls erfahrenen Amateuren auf der Strecke, wie ist richtig geht.

 

Abseits des Rennklassements fand die standesgemäße Artcurial-Auktion statt, bei der fast 90 Prozent der Lots versteigert wurden. Zudem verschiedene Paraden auf der Rennstrecke und natürlich die Little-Big-Mans-Rennserie für Kinder. Die Zuschauer genossen das wirklich spezielle Line-up der Mini-Rennwagen, die zu Ehren von Rennsportlegende Carroll Shelby an den Start gingen. Mit dabei auch die Martini Porsche 917 LH und 935/77, die sicherlich nur selten aus der Obhut des Porsche Museum gelangen.

 

Le Mans Classic 2012: Mit allen Wassern gewaschen
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Mein persönliches Highlight? Ich habe eine Schwäche für Porsche 935, so wie die von GELO gesponserten rot-gelben Rennwagen. Immer eine Sensation ist auch der „Wasserkocher“, der Howmet-TX-Gas-Turbinen-Rennwagen. Diese und die rumpelnden American-Nascar- und Imsa-Rennwagen der späten Siebziger machten meiner Ansicht nach die diesjährige Le Mans Classic aus. Chapeau!

 

 

Le Mans Classic 2012: Mit allen Wassern gewaschen
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Eine große Fotogalerie mit Impressionen der Le Mans Classic 2012 finden Sie hier.

 


Fotos: Classic Driver

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