Kehrt Ferrari endlich zurück nach Le Mans?

Ferrari versus Porsche in der Königsklasse von Le Mans – eine höchst stimulierende Vorstellung, die uns seit den 1970ern, als sich die Zwölfzylinder-Rennwagen Porsche 917 und Ferrari 512 duellierten, nicht mehr geboten wurde. Doch ein Comeback scheint momentan möglicher denn je.

Auch wenn wir hier leider kein offizielles Comeback verkünden: Diese Renderings zeigen, wie ein Ferrari-LMP1-Rennwagen als Konkurrent des Porsche 919 Hybrid aussehen könnte. Und obwohl es sich hierbei nur um das Werk eines freien Künstlers handelt, hätte Maranello ernsthaftes Potenzial, um in den Spitzenklasse erneut vorne mitzumischen.

Ein Licht in der Finsternis

Momentan schwebt eine dunkele Wolke über Fiorano, der bisherige Optimismus der Sportwagenmarke ist getrübt. Zuletzt demonstrierte der ehemalige Ferrari-Chairman Luca di Montezemolo auf dem Pariser Autosalon nach den Intrigen zwischen ihm und dem neuen Ferrari-Chef, Fiat-Oberhaupt Sergio Marchionne, einen wenig emotionalen Abschied von der Marke. Auch die Unternehmensstruktur selbst befindet sich damit im Wandel, selbst Veränderungen beim Motorsport-Engagement der Italiener sind nicht mehr undenkbar. Denn auch im Formel-1-Team von Ferrari herrscht momentan eine gewisse Depression – schlechte Rennergebnisse haben die "Tifosi" verärgert und der Poster-Star dieser Veranstaltung, Fernando Alonso, wurde vom viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel klar in den Schatten gestellt. Welchen besseren Zeitpunkt gäbe es also für Ferrari, um nach Le Mans zurückzukehren.

Hinweise und Gerüchte in Hülle und Fülle

Schon Ex-Ferrari-Chef di Montezemolo ließ 2013 bei einer Weihnachtsfeier durchblicken: „Mir gefällt der Gedanke, in der Königsklasse von Le Mans mitzumischen. Wer weiß, wir könnten irgendwann dorthin zurückkehren, gewinnen und stolz zurück nach Hause kehren. Vielleicht sollten wir einmal ernsthaft darüber nachdenken.“ Es ist kein Geheimnis, dass sich di Montezemolo kritisch über den F1-Weltverband FIA geäußert hat. „Die Formel 1 funktioniert nicht“, so sein deutliches Statement. Das Ferrari-Team erklärte sogar, das ein Ausstieg aus der Formel 1 möglich sei. Doch über einen Umzug in die Langstreckenklasse wurden bisher keine offiziellen Äußerungen gemacht. Die vorhandene Hybrid-Motortechnologie aus der Formel 1 und dem LaFerrari lassen keine Zweifel daran, dass Maranello das Zeug dazu hätte, in der hybriden Le-Mans-Klasse LMP1-H erfolgreich mitzumischen. Und dass Erkenntnisse aus Langstreckenrennen die Entwicklung der Straßensportwagen positiv beeinflussen könnten. Ganz nach dem Motto: Race on Sunday, sell on Monday.

Ein Blick auf die potenzielle Konkurrenz

Auch McLaren, Ferraris direkter Konkurrent auf Rennstrecke und Straße, ließ jüngst durchsickern, dass er an einem Le-Mans-Comeback mit F1-Partner Honda arbeite. Und Ford denkt darüber nach, im Jahr 2016 den ersten Sieg eines Ford GT40 in Le Mans vor 50 Jahren mit einem modernen Motorsportprojekt zu feiern. Selbst die finanziell abgesicherte Marke Jaguar schmiedet nach der Eröffnung der Browns Lane Heritage Facility ebenfalls Le-Mans-Pläne, um an seine ruhmreiche Rennhistorie anzuknüpfen. Die Bühne ist also wie gemacht für eine Rückkehr von Ferrari nach Le Mans.

Renderings: Oriol Folch Garcia