

Die Speedster-Tradition begann bei Porsche bereits 1954, und auch von der Markenikone 911 gab es in den meisten Generationen einen offenen und aerodynamischen Zweisitzer, der diese Bezeichnung trug. Aus der Reihe tanzten dabei der Ur-Elfer, der von 1994 bis 1998 gebaute 993 und dessen wassergekühlter Nachfolger 996, erst mit dem 997 kehrte der Speedster 2010 zurück.
Und auch wenn es ein derartiges Auto nie regulär zu kaufen gab, existieren von der vierten Auflage des Klassikers unter den Sportwagen zwei, beziehungsweise je nach Betrachtungsweise drei Speedster, die direkt in Zuffenhausen aufgebaut wurden. Zum einen wäre da das dunkelgrüne Exemplar aus dem Jahre 1995, das auf einem 993 Carrera Cabriolet basiert und als Geschenk zum 60. Geburtstag des 911-Schöpfers und damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Alexander Porsche, Spitzname „Butzi", realisiert wurde. Dabei setzte man in Zuffenhausen auf die modellspezifischen Teile des Vorgängers 964 Speedster.


Der bekennende Porsche-Enthusiast und US-Comedian Jerry Seinfeld wollte am Einzelstück-Status des 993 Speedster aus der Eigentümerfamilie rütteln und schickte deshalb seinen 1998er 993 Carrera 4S Cabriolet über den großen Teich, um ihn von der auf Sonderwünsche spezialisierten Abteilung „Porsche Exclusive" zu einem Speedster umbauen zu lassen, allerdings nicht in der originalen, an den Carrera angelehnten Optik, sondern mit Turbo-Breitbau, Handschaltung und einer silbernen Farbgebung.
Und dann wäre da noch das erst 2024 umgesetzte Projekt des Italieners Luca Trazzi, der über das Sonderwunsch-Programm des Autobauers einen weiteren, mit einem 3,8-Liter-Motor aus dem Carrera RS aufgewerteten 993 Speedster bauen ließ. Dieser fällt optisch nicht nur mit seiner eigens entwickelten Lackierung in „Otto Yellow", benannt nach Trazzis Hund, sondern auch mit seiner heruntergesetzten Frontscheibe auf.


Der baden-württembergische Händler Ni-Cola Classic Car Sales bietet aktuell für 689.990 Euro einen weiteren Speedster an, bei dem es sich um einen interessanten Zwitter aus dem 964 und dem 993 handelt und der ohne das Gütesiegel aus Zuffenhausen auskommen muss. Er begann seine Karriere 1991 als puristischer 964 Carrera RS. Ende 1993 wurde er in einen Unfall verwickelt, woraufhin ihm – so die Darstellung des Händlers – Weissacher Entwicklungsingenieure von Porsche ein völlig neues Leben eingehaucht haben. Im ersten Schritt haben sie die Karosserie repariert, das Dach abgetrennt und dem Wagen mit Originalteilen den moderneren 993-Look verpasst. Versteift durch einen Matter-Überrollkäfig und gekrönt von einem fest montierten Kevlar-Karbon-Hardtop von Strosek erhielt der Umbau im Frühjahr 1994 seinen TÜV-Segen.
Das Streben nach Perfektion riss in den Folgejahren jedoch nicht ab. Auf eine aerodynamische Nachschärfung mit GT2-Front, Turbo-Spoiler und mehrteiligen Speedline-Rädern im Jahr 1996 folgte 2001 die technische Vollendung. Ein 3,8 Liter großer Sechszylinder aus dem 993 Carrera RS hielt mitsamt passendem Sechsganggetriebe Einzug im Heck. Mit kräftigen 400 Newtonmetern Drehmoment, ausgestellten Radhäusern und dem satten Klang einer Cargraphic-Auspuffanlage beweist diese Interpretation eindrucksvoll, dass ein Speedster mit einer spannenden Historie und spektakulären Optik nicht unbedingt eine offizielle Werksurkunde braucht.










































