Fleming oder Onassis - wer hatte den schönsten Bentley der 1950er?

Bei den diesjährigen Pebble-Beach-Auktionen werden RM Sotheby's und Gooding je einen 1953er Bentley R-Type Continental mit prominenter Historie aufbieten. Bentley Nr. 1 befand sich einst im Besitz von Aristoteles Onassis, Bentley Nr. 2 gehörte Ian Fleming, dem geistigen Vater von James Bond.

Vor einigen Tagen widmeten wir einem Bentley S3 Continental von 1967 einige Zeilen – besagte britische Nobellimousine diente in den 1960er Jahren dem Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards als Drogen-Express auf einem Trip nach Marrakesch und wird demächst bei Bonhams unter den Hammer kommen. RM Sotheby's und Gooding wollen dem wohl in nichts nachstehen - und haben nun ihre eigenen Bentley Continentals mit prominenter Vergangenheit in die Auktionskataloge aufgenommen. Es handelt sich hierbei allerdings um das Modell R-Type, das Flaggschiff der Baureihe. Lediglich 208 dieser Oberklasselimousinen wurden gebaut und waren natürlich den Mitgliedern der High Society vorbehalten – wie zum Beispiel Aristoteles Onassis und Ian Fleming.

Ein Bentley für den Geheimdienstmann

Es dürfte niemanden überraschen, dass die Männer beim Bestellen der Bentleys ihren guten Geschmack seines Amtes walten ließen: Beide Luxuslimousinen wurde mit handgeschaltetem Getriebe und der begehrten „Seats and spats“-Option (leichtgewichtige Schalensitze und hintere Radabdeckungen) ausgeliefert. Während Onassis seinen Bentley sechs Jahre lang genoss, war der 007-Erfinder Fleming lediglich der „Mittelsmann“: sein Continental - ausgestattet mit maßgeschneidertem Gepäck und einem Rennpferd-Maskottchen - war von Anfang an für einen Freund gedacht: den ehemaligen Secret-Intelligence-Service-Agenten Ivar Felix Bryce, Flemings Inspiration für den James-Bond-Charakter Felix Leiter. Schließlich war das Einsatzauto von oo7 in den James-Bond-Romanen ein Bentley. Erst in seinen Leinwandabenteuern sattelte James Bond auf einen Aston Martin um. Was würde also besser zu einem waschechten ehemaligen Geheimagenten passen, als ein Bentley R-Type Continental?

Verschlungene Schicksalspfade

Obwohl sie denselben Werkshallen entsprungen waren, hätten die Schicksale der beiden Continentals nicht unterschiedlicher sein könnten. Das Onassis-Coupé  ging durch die Hände von mehreren wohlhabenden Besitzern (darunter auch der Co-Vorsitzende des Pebble Beach Concours d’Elegance), bevor der Nobelklassiker restauriert und in seinen Originalfarben Tudor Grey und Maroon neu lackiert wurde. Die Fleming/Bryce Luxuskarosse – urpsprünglich in einem dunklen Grauton gehalten und in den Bond-Romanen „Battleship Grey“ genannt – wurde weiß lackiert und verschwand 30 Jahre lang in einer Garage in Hollywood, wo der Edelbrite erst vor kurzem wiederentdeckt wurde. Gooding beschreibt diesen Fund als „eine der wichtigsten Bentley-Entdeckungen“ – daher auch das Schätzpreisschild von 1,4 bis 1,8 Millionen US-Dollar. RM hat die Preisvorstellungen für seinen Continental der Öffentlichkeit nicht preisgegeben. Wer Zahlen in Erfahrung bringen will, der möchte bitte bei RM direkt anfragen. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich die Summen für den Bond-Bentley in ähnlichen Regionen bewegen, wie für Onassis Preziose.

Fotos: Edward Quinn, © edwardquinn.com (period image) / RM Sotheby’s / Brian Henniker and the car's owner for Gooding & Co.

Im Classic Driver Markt werden derzeit zahlreiche Bentleys zum Verkauf angeboten.