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Entdecken Sie die coolsten Custom-Cars der Welt beim Ultrace Germany

Eine Mischung aus der SEMA, Le Mans Classic und einem Berliner Technoclub: Das war ungefähr die Atmosphäre beim ersten Ultrace Germany, wo historische Rennwagen auf erstklassiges Tuning trafen. Classic Driver schloss sich Rennmeister für eine besondere Perspektive auf die Veranstaltung an.

Deutschland mag zwar die Geburtsstätte des Autos mit Verbrennungsmotor und die Wiege legendärer Hersteller und Modelle sein, doch bei Automobilveranstaltungen hat sich das Land bisher vorwiegend auf etablierte und recht vorhersehbare Formate verlassen. Einige dieser Konzepte wirken mittlerweile etwas veraltet, was erklärt, warum jüngere Fans oftmals erst gar nicht mehr hinfahren.

Es bedurfte einer Gruppe polnischer Enthusiasten, um ein regelrechtes Festival in ihrem westlichen Nachbarland aus dem Boden zu stampfen und so frischen Wind in die lokale Szene zu bringen. Was 2011 unter anderem Namen auf einem schnöden Parkplatz in Breslau begann, entwickelte sich innerhalb nur weniger Jahre zu einem der führenden Tuning- und Custom-Spektakel Europas. Die Veranstaltung wurde mit jeder Ausgabe größer, wobei im vergangenen Jahr 35.000 Besucher gezählt wurden.

Angesichts dieser enormen Anziehungskraft war es für Adrian Kapica und sein Team ein logischer Schritt, in das Heimatland des Automobils zu expandieren. Die Deutschland-Premiere fand am 25. und 26. April im Areal Böhler in Düsseldorf statt. Aus der Sicht vieler Fans übertraf diese sogar die Erwartungen, die angesichts eines Ticketpreises von 85 Euro ohnehin schon beachtlich waren.

 

Ein mutiger Sprung auf neues Terrain

Traditionalisten und Oldtimer-Liebhaber mögen über VW Golfs mit 22-Zoll-Felgen oder folierte BMW M4 spotten, doch das Debüt auf deutschem Boden bewies, welchen hohen Reifegrad die Veranstaltungsserie bereits erreicht hat. Das historische Industriegelände war nicht einfach nur mit modifizierter Massenware gefüllt. Stattdessen waren selbst die Basisfahrzeuge der ausgestellten Kreationen meist alles andere als gewöhnlich. Während ein Ferrari 308 GTB auf übergroßen goldenen Felgen oder ein tiefergelegter früher Lotus Esprit Turbo in der Classic Car-Szene für Stirnrunzeln sorgen, müssen selbst die hartnäckigsten Puristen den Einfallsreichtum und die Handwerkskunst hinter diesen Projekten anerkennen.

Die Haupthalle dürfte für diese Zielgruppe am ansprechendsten gewesen sein. Historische Langstrecken-Rennwagen wie der Mercedes-Benz CLK GTR oder der Porsche 962 standen neben straßenzugelassenen Neunzigerjahre-Supercars wie dem Lamborghini Diablo GT und dem Bugatti EB110. Auch moderne Hypercars wie der Bugatti Bolide und der Porsche 918 Spyder waren vertreten. JDM-Fans kamen ebenfalls auf ihre Kosten. Nicht weniger als drei Nissan Skyline R32 GT-R Group A Rennwagen teilten sich einen Raum mit einem stark modifizierten Mazda RX-7 und einer geschmackvoll individualisierten Toyota Cresta. Die Auswahl war bemerkenswert vielfältig und vereinte scheinbar mühelos die verschiedensten Subkulturen in der Auto-Szene unter einem Dach.

 

Der Klang des deutschen Rennsport-Erbes

Das Wochenende bot weit mehr als eine rein statische Ausstellung. Während die von den polnischen Ausgaben bekannten Driftsessions fehlten, erlaubte eine spezielle Zone in der Haupthalle Mercedes-Benz und BMW, mehrere Schätze aus ihren Archiven zu starten. Als die Mechaniker des Stuttgarter Museums den Sauber-Mercedes C11 von 1991 zündeten, hallte das Brüllen des V8 durch das massive Fabrikgebäude und bescherte dem Publikum Gänsehaut. Ein besonderer Moment unterstrich die kollegiale Atmosphäre, als ein Silberpfeil aus den 1930er Jahren Startschwierigkeiten hatte und die Experten von BMW Classic einsprangen. Sie ließen das Einzelstück BMW X5 Le Mans aufheulen, eine V12-getriebene Rennversion des SUV, die 2001 von Hans-Joachim Stuck über die Nordschleife gescheucht wurde.

Das große Engagement von zwei der weltweit führenden Hersteller unterstreicht die Seriosität des Ultrace und das Wachstumspotenzial, das sie in diesem Format sehen. Mercedes belegte einen ganzen Flügel des Gebäudekomplexes und präsentierte Langstreckenlegenden wie den CLK GTR neben seltenen Prototypen wie dem C292 und der Studie C 112 aus den Neunzigern. Letztere, ein Supersportwagen mit Flügeltüren, der ursprünglich auf der IAA 1991 vorgestellt wurde, ging zwar nie in Serie, kam aber unter der changierenden und atmosphärischen Beleuchtung voll und ganz zur Geltung. Da DJs elektronische Musik auflegten, fühlte man sich im Mercedes-Bereich eher wie in einem futuristischen Nachtclub als auf einer herkömmlichen Automesse.

  

Das prägendste M-Modell wird vierzig

Der Pavillon von BMW Classic konzentrierte sich auf das 40. Jubiläum des M3. Die Bayern brachten mehrere Einzelstücke auf Basis ihrer Performance-Ikone mit, darunter den ursprünglichen Prototyp des E46 M3 Touring und den ungewöhnlichen E92 M3 Pick-up. HWA trieb die Techno-Ästhetik mit ihrem „143 BPM"-Stand noch weiter. In einer abgedunkelten Kammer wurde ihr Evo Restomod in rotes Licht getaucht, während ein dunkler Techno-Sound durch die Körper der Besucher vibrierte. Es war eine stilvolle Hommage an die Clubkultur der frühen Neunzigerjahre – die Zeit, in der das Basisfahrzeug 190 E noch regulär als Neuwagen erhältlich war.

 

Rennmeister macht waschechte Motorsporttechnik greifbar

Rennmeister, ein Projekt zum Erhalt des Rennsport-Erbes von Jägermeister, ist schon seit Jahren Partner von Ultrace. Die Marke mit dem Hirsch auf orangenem Grund schenkte bei der Night Experience am Samstag nicht nur Getränke aus, sondern zeigte unter anderem einen Gruppe 5 BMW E21, einen Porsche 962 mit vollständig sichtbarem 1000-PS-Boxermotor und ein Triebwerk des DTM-Alfa Romeo 155 V6 Ti. Auch der Originalhelm von Niki Lauda war Teil der Ausstellung, die von CD Works, der hauseigenen Kreativagentur von Classic Driver mitkuratiert wurde.

Die ikonische orangefarbene Lackierung war auch auf einer auffälligen Kunstinstallation zu sehen, einem Gemeinschaftsprojekt von Ultrace, Nightride, Rennmeister und dem französischen Kreativen Julien Boudet, in der Szene auch als Bleu Mode bekannt. Ihr E30 M3 DTM, der auf vier Motorrädern anstatt auf BBS-Kreuzspeichenfelgen thronte, mag polarisiert haben, er fing den experimentellen Geist des Wochenendes aber perfekt ein. Er zog fast so viel Aufmerksamkeit auf sich wie der prominenteste Gast, Sung Kang. Bekannt als Han aus den Fast-&-Furious-Filmen, gewann er das Publikum mit seiner bemerkenswert bodenständigen Art auf Anhieb für sich.

 

Polens Beitrag zur Zukunft der europäischen Autoszene

Einige große Namen aus der Automobilwelt, die weit über die Tuning-Nische und die deutsche Szene hinausgehen, versammelten sich in Düsseldorf und zeigten sich sichtlich beeindruckt vom Detailreichtum und der Originalität der Show. Der digitale Konzeptkünstler Khyzyl Saleem, online unter dem Namen The Kyza bekannt, posierte stolz neben dem HWA Evo, dessen Design zum Teil auf seinen Skizzen basiert. Auch der renommierte Automobilfotograf Larry Chen schwärmte tagelang auf seinem Instagram-Kanal von der Qualität der Veranstaltung. Mit ihrer kompromisslosen, von Techno inspirierten Ästhetik und einer erstklassigen Auswahl an Fahrzeugen hat das erste deutsche Ultrace einen neuen Maßstab für die europäische Szene gesetzt.

Fotos: Błażej Żuławski

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