Eine Hall of Fame der Porsche-Rennlegenden bei Canepa in Kalifornien

Nur wenige Meilen nördlich von Pebble Beach und den Festivitäten der Monterey Car Week schlummert eher im Stillen ein kaum weniger beeindruckender Automobil-Schatz mit speziell deutschem Flair. Wir schickten unseren Fotografen Rémi Dargegen in die heiligen Hallen von Bruce Canepa.

Durchforstet man den Classic Driver Markt, dauert es nicht lange und man landet in Bruce Canepas Spezialitätenladen für geschichtsträchtige Straßen- und Sportwagen – in der Mehrzahl solche mit Geburtsort Zuffenhausen. Der ehemalige Rennfahrer hat im kalifornischen Scotts Valley eine atemberaubende Sammlung wichtiger Straßen- und Rennwagen zusammengeholt, mit denen allein man ein eigenes Porsche-Rennsport-Revival austragen könnte. Aufgeteilt sind die Schätze zwischen einem großen Ausstellungsraum, einer blitzsauberen Restaurierungs-Werkstatt und dem Canepa Motorsports Museum – alles zu finden an den Ausläufern der Santa Cruz Mountains.

Fast das gesamte Leben Canepas dreht sich um Autos und Motorsport. Schon als kleiner Junge packte er im elterlichen Autohandel mit an, fand dann bald den Weg an die Rennstrecken, wo er vom Go-Kart über Sprintcars bis in IMSA GTP-Sportwagen aufstieg. Dabei bewies er früh eine Affinität zu Porsche. Sein größter Erfolg datiert aus der Saison 1979, als er bei den 24 Stunden von Daytona zusammen mit Rick Mears und Monte Shelton auf einem selbst vorbereiteten Porsche 934/5 Platz drei im Gesamtklassement erreichte. 1981 belegte er bei seinem ersten Start am berühmten Pikes Peak gleich Platz zwei im Gesamtklassement - trotz eines Drehers, um einem auf die Strecke gelaufenen Zuschauer auszuweichen. Sein schrilles Gefährt war ein ursprünglich von einem 911-Saugmotor angetriebener einsitziger Buggy, dem Bruce wegen der dünnen Luft im oberen Bereich des Bergs einen Bi-Turboantrieb spendiert hatte. 

Über die Jahre baute Canapa eines der weltweit führenden Unternehmen für den Verkauf, die Restaurierung und die Vorbereitung historischer Fahrzeuge auf. Weiterhin spielte er eine Schlüsselrolle bei der Verabschiedung des „Show and Display"-Gesetzes in den USA und entwickelte eine Version des Porsche 959, die erstmals auch Fahrten auf amerikanischen Straßen legal ermöglichte. Fast selbstverständlich übernahm Canepa auch eine führende Rolle in der US-Classic Car-Szene. Während Sie diese Zeilen lesen, sind schon mehrere seiner Autos auf dem Weg zur kommende Woche laufenden Rolex Historic Reunion in Laguna Seca. 

Schon ein kurzer Blick auf Canepas Stall genügt, um die Ausmaße seines Geschäfts ermessen zu können. Auf dem ganzen Gelände verstreut stehen Porsche 911 verschiedenster Jahrgänge und in unterschiedlichsten Erhaltungszuständen. Porsche 956 Gruppe C (darunter ein Rothmans-Werkswagen) und 962, ein Carrera RSR von Georg Loss, monströse 935 in verschiedenen Farben und Karosserieformen – darunter ein K4 – stehen gleich neben einem wunderschön restaurierten Gulf-Porsche 917K, einem Gelo 917/10 und dem Sunoco-917/30 von Mark Donohue, dem CANAM-Champion 1973. Dazu kommen einige Porsche 959, die gerade auf amerikanische Straßenzulassung umgebaut und von ihren künftigen Besitzern schon sehnsüchtig erwartet werden. 

Wir haben in den letzten Jahren schon einige der faszinierendsten Porsche-Sammlungen der Welt besucht und fotografiert, wie die von Maxted-Page und Manfred Herring sowie die Porsche Werkssammlung selbst. Doch die Kollektion von Bruce Canepa setzt das Niveau in punkto Qualität und Quantität noch eine Stufe höher. Zumal Canepa auch noch andere Schätze hütet, wie seltene Modelle von Ferrari, McLaren, Shelby, Mercedes-Benz und Shadow. Mit an den Wänden hängenden zeitgenössischen Rennsportpostern, dem untrüglichen Rennwagenodem in der Nase und dem in der Luft hängenden Hauch von Geschichte ist Canepas Reich also ein Schlaraffenland für alle Automobilliebhaber – nicht nur der Zuffenhausener Marke.

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2016