Die seltensten Porsche finden Sie in Zuffenhausen – oder bei Lee Maxted-Page

Lässt man unter Sammlern und Enthusiasten den Begriff „historische Porsche” fallen, dann denken nicht nur britische Spezialisten an Maxted-Page, deren Unternehmenssitz eine alte Farm außerhalb von London ist. Wir haben Gründer Lee Maxted-Page und seine Sammlung besucht.

In nur fünfzehn Jahren hat sich Lee Maxted-Page einen Ruf als Spezialist für historische Porsches weit über die Küsten des Königreichs hinaus erworben. Er handelt mit straßentauglichen frühen Porsche 356ern genauso wie mit Gruppe C-Prototypen und bietet noch zusätzlich Rennvorbereitung wie auch komplette Instandsetzungen an. Dieser Service wäre ohne viel Wissen und Erfahrung und eine glühende Leidenschaft für die Marke aus Zuffenhausen nicht möglich.

Was ist Ihre früheste Erinnerung an Automobile?

Vermutlich daran, wie ich im Alter von zwei oder drei Jahren in Gokarts herumkurvte - und der belebende Duft von Castrol R, der so typisch war für den Motorsport der sechziger und siebziger Jahre. Mein erstes Buch über Porsche habe ich mit 15 Jahren gekauft - das hat jenes Feuer entzündet, das bis heute brennt.

Wie haben Sie Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht?

Als ich Mitte zwanzig war, wurde mir klar, dass die erfolgreichsten Verkäufer jene sind, die auch von ihrem Produkt begeistert sind. Also sicherte ich mir einen Job bei einem Mercedes-Benz-Händler in London. Ich habe anschließend für drei große Niederlassungen in Verkaufs- und Managementpositionen gearbeitet. Im Lauf von 15 Jahren habe ich alles über das Autobusiness gelernt.

Wie kam es zur Entscheidung, ein eigenes Business zu gründen?

Letztlich haben mich klassische Fahrzeuge im Vergleich zur Monotonie der Neuwagenverkäufe immer mehr fasziniert. Ich wusste, dass meine Jahre im Automobilhandel eine glaubwürdige Grundlage für meine eigene Firma sein würden. Im Jahr 2001 war es soweit: In der Nähe des Flughafens Stansted konnte ich ein altes landwirtschaftliches Grundstück mit über 1.200 Quadratmetern an Gebäudefläche erwerben. Hier habe ich aus dem Nichts mein Unternehmen aufgebaut, das sich heute so präsentieren kann.

Historische Porsche-Modelle bilden Ihre Kernkompetenz. Was hat Sie für diese Marke so eingenommen?

Da ich seit nunmehr dreißig Jahren Porsches besitze und fahre, geht es eigentlich nur um das, woran ich glaube und wovon ich am meisten begeistert bin. Vor rund zehn Jahren habe ich in Großbritannien eine Nische für das gehobene Segment des Handels mit klassischen Porsches entdeckt. Damals haben wir uns dann entschlossen, uns ganz auf diese Marke zu konzentrieren, um unser Wissen, die technische Expertise und die weltweiten Kontakte zu vergrößern. 

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Automobile in Ihrem Bestand aus?

Es muss für seinen Typ selten oder außergewöhnlich sein - im Idealfall beides. Wir haben uns vor allem auf den Verkauf und die Restaurierung von den frühen 2.0-Liter-911ern und den 1973/4 Carrera RS- und RSR-Modellen spezialisiert. Aber unsere Erfahrung erlaubt uns auch den fachmännischen Handel mit den frühesten 356ern mit geteilten Fenstern bis hin zu den werkseigen gebauten Porsche 956/962 der Gruppe C-Serie.

Neben den straßentauglichen Modellen konzentrieren Sie sich auch auf die klassischen Motorsport-Porsches. Wie kam es denn dazu?

Porsche hat eine so lange und bedeutende Motorsport-Historie, dass einige der seltensten klassischen Sammlermodelle tatsächlich aus Zuffenhausen stammten und auch immer wieder bei Rennen zum Einsatz kamen. Außerdem ist in den letzten Jahren das Interesse am historischen Motorsport so stark gewachsen, dass wir zusätzlich den Besitzern von Renn-Porsches in der Vorbereitung auf einen Event professionelle Betreuung anbieten - wie beispielsweise den Wiederaufbau von Motoren und Getrieben. 

Fahren Sie selbst auch Rennen?

Ich versuche, in der Welt des historischen Rennsports  einigermaßen aktiv mit dabei zu sein. Im Lauf der letzten 15 Jahren hatte ich das Vergnügen, auf Rennstrecken und bei Rallyes auf der ganzen Welt mit einer Reihe von klassischen Porsches unterwegs zu sein. Genauso Freude macht es uns auch, wenn wir für unsere anspruchsvollen Kunden interessante Modelle restaurieren oder authentisch für Rennen vorbereiten können.

Was dürfen Kunden von Maxted-Page erwarten, was sie woanders nicht finden?

Wissen, Integrität und kundenorientierten Service. Wir haben hier kein Volumengeschäft, insofern fühlen wir uns verpflichtet, die beste Qualität in jeder Leistung anzubieten.

Wie hat sich der Markt für historische Porsches in den letzten fünf Jahren verändert und in welche Richtung wird er sich Ihrer Meinung nach zukünftig bewegen?

Ich hatte schon seit einiger Zeit den Eindruck, dass klassische Porsche-Modelle generell unter Wert gehandelt werden, deswegen hat uns die enorme Wertsteigerung nicht überrascht. Manche Modelle wie der Carrera 2.7 RS hat jetzt seinen angemessenen Wert erreicht und dürfte kurz- bis mittelfristig kaum nennenswert fluktuieren. Wir beobachten allerdings ein wiedererwachtes Interesse an Porsches der 1980er und 1990er Jahre, die mehr gefahren, als in der Garage als Wert geparkt werden. Wir sehen auch eine ernsthafte Nachfrage nach den Modellen 956 und 962 der Gruppe C. Da erwarte ich noch ein riesiges Wachstumspotenzial, gerade bei Porsche- und Rennwagensammlern.

Welches Auto aus Ihrer Karriere hätten Sie lieber behalten?

Meinen ersten Porsche, ein 2.4 E Coupé, Baujahr 1974, in Viper-Grün. Ich fuhr damit überall hin, aber ich hatte seinerzeit so wenig Geld, dass die Aussicht, meinen Einsatz zu verdoppeln, kaum zu widerstehen war. Ich habe den Porsche einem Nachbarn für 12.000 Pfund verkauft. Leider habe ich so ein Auto nie wieder entdecken können, aber ich würde dieses Coupé gerne wieder finden und zurückkaufen.

Was fahren Sie am Wochenende?

Definitiv irgendeinen Porsche mit Handschaltung. Und falls es ein Rennwochenende ist, dann wähle ich gerade einen 1974er Porsche 3.0 RSR. Habe ich Glück, oder was?

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2016

Sie finden den gesamten Bestand von Maxted-Page Ltd zum Verkauf im Classic Driver Markt.