Diese glorreichen Sieben stehen für das Beste in 70 Jahren Ferrari

2017 begeht Ferrari das 70-Jährige Jubiläum seines ersten Serienmodells. Noch vor dem Jubeljahr haben wir unsere sieben Lieblinge unter den Rennpferden gekürt.

Aus den 1940er Jahren

Die Dinge waren damals einfach weniger komplex. Dieser Ferrari 166 MM – eines der frühesten Modelle der Marke – atmet pures Design und maximale Effizienz: nur ein 2,0 Liter „kleiner“ V12, eine ultraleichte Superleggera-Karosserie von Touring und der Fahrer. Dieses Exemplar aus dem ursprünglichen Besitz eines gewissen Giovanni Agnelli, ist mit seiner Zweiton-Lackierung in Blau ein Musterbeispiel für simples und gerade deshalb zeitlos schönes Design. 

Aus den 1950er Jahren...

Egal ob an den glitzernden Gestaden des Comer Sees während des Concorso d’Eleganza Villa d’Este, auf den hügeligen Rasenflächen von Pebbble Beach während der Monterey Car Week oder den Straßen von Monte Carlo an nahezu jedem beliebigen Sommertag – es ist fast unvermeidlich, an solchen Plätzen einem Ferrari 250 GT „California“ Spider oder 250 GT „SWB“ zu begegnen. Doch nur wenige wissen, welches Modell das Samenkorn für diese Familie legendärer GT-Modelle mit 3,0-Liter-V12-Motoren legte: der 250 Mille Miglia von 1953. Nur 17 Exemplare dieser von Pininfarina gestylten Berlinetta mit markantem „Eierkarton“-Grill wurden gebaut. Und gehören daher heute zu den am heißesten gehandelten Preziosen unter Ferrari-Sammlern. 

Aus den 1960er Jahren....

Der in den letzten Jahren entstandene Hype um den Ferrari 250 GTO – leider stärker angeheizt durch hinter vorgehaltener Hand kolportierte Wertsteigerungen als durch seine betörenden Kurven – hat seinen Nachfolger 250 LM ein wenig in den Schatten gestellt. Der Mittelmotor-Prototyp holte immerhin 1965 (mit Rindt/Gregory) Ferraris letzten Sieg in Le Mans. Und seine von Pininfarina gezeichnete und bei Scaglietti gebaute Karosserie ist in unseren Augen sogar noch besser proportioniert als die seines Frontmotor-Vorgängers. 

Aus den 1970er Jahren...

Enzos eiserner Glaube an das Frontmotor-Prinzip – das Pferd soll halt den Karren ziehen und nicht umgekehrt – konnte nicht ewig gelten. Exakt gesagt bis 1971, dann da stellte Ferrari seinen ersten Straßensportwagen mit Mittelmotor vor – den 365 GT4 Berlinetta Boxer. Sein Design wurde inspiriert durch Pininfarinas aufsehenerregende Studie P6 Berlinetta Speciale von 1968. Und wich radikal ab zu den (im positiven Sinne) altmodischen, aber irgendwann eben auch veralteten Frontmotor-Vorläufern. Wir finden, dass der „BB“ mit den Jahren noch attraktiver geworden ist – allein die drei Auspuffendstücke sind ein treffliches Bespiel für den für die 70er Jahre so typischen Überschwang – ausgelebt auf zeitlose Art und Weise...

Aus den 1980er Jahren...

Nicht einmal Ferrari konnte in den 80ern das neue Phänomen der Turboaufladung ignorieren. Nachdem man - durchaus zögerlich - die Zwangsbeatmung zuerst bei den Formel 1-Wagen eingeführt hatte, nutzte Ferrari die dort gemachten Erfahrungen zum Bau des für eine Sportwagenserie nach Gruppe B konzipierten 288 GTO. Wie wir wissen, blieb diese leider eine Totgeburt. Nicht jedoch der 288 GTO, der es, wenn man ihn respektvoll behandelt, auch noch heute mit fast jedem modernen Sportwagen aufnehmen kann. 200 Einheiten waren für die Homologation nötig, doch schon vor Produktionsstart im Jahr 1984 waren 272 verkauft. Ob man ihn nun als Nachfolger des unsterblichen 250 GTO oder als Urahn der Ferrari Supersportwagen-Dynastie einordnet – der 288 GTO bleibt einer der großen Ferrari.

Aus den 1990er Jahren...

Viele Hersteller rühmen sich, in ihren Straßensportwagen Formel 1-Technik zu verbauen. Doch nur selten halten diese Behauptungen einer näheren Betrachtung stand. Nicht so beim Ferrari F50. Hatte er doch in der Tat einen Motor, der von Alain Prosts Formel 1 der Saison 1990 abgeleitet und an seiner hinteren Schottwand direkt angeflanscht war. Das Design mag viel Kritik provoziert und das Auto insgesamt nicht die Popularität des Vorgängers F40 erreicht haben. Doch steht der F50 für ultimative und vor allem analoge Performance. Ein bis in den letzten Winkel ausgereiztes Kraftwerk, doch gleichwohl tief in der Tradition Ferraris verwurzelt. Enzo wäre stolz auf ihn gewesen.....  

Aus dem neuen Jahrtausend...

Wir könnten fortfahren mit der Vorreiterrolle, die der Ferrari 360 Challenge Stradale – die rennstreckenlizensierte Variante des serienmäßigen 360 Modena – bei der Popularisierung des „Special Track-Day“-Konzepts spielte. Doch wenn Sie jemals das Glück hatten, einen Stradale im maximalen Angriffsmodus zu erleben, werden Sie wissen, dass das die Seele berührende Heulen des V8 sein hervorstechendster Wesenszug ist. 

Fotos: Tom Shaxson und Rémi Dargegen für Classic Driver, RM Sotheby's.

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