Diese 20 Autos haben in den letzten 20 Jahren das Rad neu erfunden

Die 2010er Jahre sind bald vorbei und die Autoindustrie erlebt einen Paradigmenwechsel. Grund genug, einen Blick zurück auf die 20 Autos zu werfen, die in den letzten 20 Jahren wirklich innovativ, provokativ und wegweisend waren. Für uns sind sie zugleich Ikonen des neuen Jahrtausends.

Obwohl die folgenden 20 Autos sich stark voneinander unterscheiden, haben sie doch alle den Stand der Dinge in der Autowelt auf ihre Art beeinflusst. Manche haben eine neue Messlatte in den Bereichen Höchstgeschwindigkeit, Leistung oder Preis gesetzt, aber haben neu definiert, was technologisch möglich ist oder die globale Autokultur fundamental verändert. Sie alle bilden in ihrem jeweiligen Bereich die Avantgarde und haben als Pioniere eine Bresche für andere geschlagen.

Es ist interessant, zu beobachten, wie die frühen 2000er Jahre durch die Entfaltung und das Wachstum der Luxusmarken bestimmt waren. Viele wurden von Großkonzernen einverleibt und konnten aber dadurch die Technologie, das Knowhow und die bestehenden Plattform-Architekturen nutzen, um ihr Portfolio zu erneuern und erweitern. Bis zur Finanzkrise 2008 gelang es den wichtigsten Herstellern, jede noch so winzige Nische mit Modellen wie einem Sport Activity Vehicle, viertürigen Coupés und Shooting Brakes zu besetzen. 

Zu diesem Zeitpunkt fand die eigentliche technologische Innovation und sozioökonomische Disruption ganz wo anders, jenseits der in dieser Hinsicht eher komfortablen Filterblase der Autoindustrie statt. Zwar gelang es Apple nie, sein beinahe mythisches iCar auf die Straße zu bringen, aber Silicon Valley-Akteure wie Uber und eine ganze Armada von Carsharing-Startups wetteten darauf, dass Autos nicht länger als die umjubelten Garanten der individuellen Mobilität fungieren würden und, dass gerade die Millenials keine Lust mehr aufs Auto hatten. Die meisten großen Hersteller setzten weiter auf fossile Kraftstoffe und ihre Bestseller, die von ihnen angetrieben wurden. Andere wagten sich vorsichtig mit ersten Elektromobilen in diese neue Welt. Nicht zuletzt, weil sie den Petrolheads im Aufsichtsrat und der Welt zeigen wollten, dass sie die Zeichen der Zeit verstanden hatten. Surren statt dröhnen.

Wir haben das 21. Jahr von Classic Drivers Bestehen zum Anlass genommen, die Spur zurück zu verfolgen, quasi durch das Weitwinkelobjektiv der Autoarchäeologie zu blicken, um die Autos zu benennen, welche als „Game Changer” einen Paradigmenwechsel eingeläutet haben. Natürlich ist diese Liste so subjektiv wie sie unvollständig ist. Warum besuchen Sie uns nicht auf Instagram oder Facebook und hinterlassen uns einen Kommentar? Wir würden gerne hören, welche Autos Ihrer Meinung nach das noch junge Millenium nachhaltig geprägt haben. Wir sind sehr gespannt!

BMW X5 von 1999

Fraglos ist das SUV seit zwei Dekaden die alles beherrschende neue Spezies in der Welt der Autos – und dieser Siegeszug nahm mit dem BMW X5, der zu Beginn des Jahrtausends Premiere feierte, seinen Anfang. Bisher hatten Geländewagen wie die kastenförmigen Gebrauchsautos, die sie ja darstellen sollten, ausgesehen. Der X5 hingegen hatte die vergrößerte Form eines Sportwagens und belegte damit, dass Proportionen im Autodesign auch überbewertet sein können.  BMW machte es vor und alle folgten bekanntlich diesem Beispiel.

Mini MINI von 2000

Während Apple 1998 mit dem iMac zeigte, dass ein Computer bunt und fröhlich sein konnte, war der Mini seinerseits das erste echte Lifestyle-orientierte Auto, dessen clevere Marketingstrategie auf eine junge, hedonistische und vorwiegend weibliche Klientel zielte. Er zwar nicht so klein wie das Original, aber dafür hatte er dieses charmante Retrogesicht. Weil die Menschheit damals die drohende Y2K-Apokalypse überlebte – Sie erinnern sich -, war er zum geliebten Protagonisten des hippen und urbanen, Latte Macchiato trinkenden, Chihuahua besitzenden Jet Set gekürt worden. 

Ferrari Enzo von 2002

Zwischen 1999 und 2004 dominierte Ferrari die Formel 1 wie nie zuvor. Da man zum einen nie Scheu hatte, sich selbst zu feiern und zum anderen immer erpicht war, Motorsporterfahrung in die Entwicklung von straßenzugelassenen Autos fließen zu lassen, baute die Marke einen Supersportwagen für die Straße, der Formel1-Technologie wie eine Karbonfaser-Karosserie und ein elektrohydraulisches Schaltmodul nutzte. Die von Ken Okuyama entworfene Form ließ keine Zweifel an der Formel 1-Herkunft dieses Ferrari aufkommen. Aber der Nachfolger der legendären Modelle F40 und F50 ließ alle rätseln, wie man ihn rufen sollte. Handelt es sich um den „Ferrari Enzo Ferrari”, um den „Enzo Ferrari” oder aber den „Ferrari Enzo”? Damit war ein anderer Trend des jungen Jahrtausends geboren: verwirrende und mysteriöse Autonamen. 

Bentley Continental GT von 2003

Im Jahr 2003 wurde Volkswagen zum alleinigen Besitzer von Bentley und diese Übernahme wurde mit einem Paukenschlag gefeiert. Der neue Bentley Continental GT war nicht nur das erste Volumenmodell, das unter dem vornehmen Emblem des „Fliegenden B” produziert wurde. Das sinnliche und betörend geformte Coupé eröffnete ein neues Luxussegment für den GT eines modernen Gentleman.  Gleichzeitig erreichte die Marke damit auch neue, vermögende Kunden, die wie mancher Fußballspieler oder Rapper den Mercedes-Benz und den Lamborghini gegen einen Bentley tauschten.

Lamborghini Gallardo von 2003

Entworfen vom kreativen Luc Donckerwolke und stark auf Audis Technologie, Knowhow und Geld basierend, sorgte dieser „Baby-Lamborghini” nicht nur für Stabilität und Cashflow in Sant´Agata Bolognese, er ermöglichte auch den Einstieg in die bis dahin exklusive Welt der Supercars. In den folgenden zehn Jahren flogen viele Autojournalisten regelmäßig rund um die Welt, um die jüngste Generation der limitierten Mittelmotormodelle von Lamborghini, Ferrari und McLaren zu testen. In der Rückschau wirkt der Gallardo im Gegensatz zu seinen Rivalen immer noch als puristischer, schöner und kompromissloser Vertreter seiner Art.

Rolls-Royce Phantom von 2003

Anfang der 2000er Jahre wurde klar, dass eine neue Liga in der globalen Verteilung des Reichtums auf sich aufmerksam machte. Milliardäre in China, Indien, Russland und im Mittleren Osten kümmerten sich wenig um Diskretion und bescheidenes Auftreten. BMW erkannte, dass klassisches britisches Understatement keine Zukunft hatte und entwarf den Rolls-Royce Phantom. Er war ungefähr so subtil wie ein mobiler Tresor und galt als Symbol des überschwänglich gelebten Luxus der Ultra-High-Net-Worth-Individuals, ehe die Party mit der Finanzkrise 2008 vorbei war und alles wieder bei diesem Monopoly auf Anfang gesetzt wurde.

Bugatti Veyron von 2005

Zwar hat der Bugatti Veyron als erster die Eine-Million-Euro-Barriere durchbrochen und damit das Genre der siebenstelligen Preise für ein Hypercar erschaffen, doch längst sind dadurch auch diese astronomischen Höhen Teil des Mainstreams. Dabei offenbaren sich die wahren Leistungen dieses Super-Supersportwagens nur promovierten Ingenieuren. Unerbittlich bis zur Produktionsreife von Ferdinand Piëch durchgesetzt, war der Veyron ein Wunderwerk jener im Ausland bewunderten deutschen Ingenieurskunst. Er belegte auch, was sich in den Bereichen Höchstleistung und Höchstgeschwindigkeit ausreizen ließ. Vielleicht verkörperte er auch das letzte Auftrumpfen des olympischen Mottos citius, altius, fortius, das seit den Pioniertagen des Automobils Konstrukteure über sich hinauswachsen ließ.

Nissan GT-R von 2007

Nicht nur Kinder lieben Märchenhelden. Welches Auto hat in den letzten 20 Jahr so sehr die Rolle des Underdogs, der den Riesen besiegt, gespielt wie der Nissan GT-R? Als Nachkömmling der kultigen Skyline-Dynastie, heimste dieser japanische Sportwagen Rennsiege und Preise ein und sicherte sich bald global Fans aus der Generation PlayStation. Er ist tatsächlich zu einer Ikone der Autokultur der 2000er Jahre avanciert.

Tesla Roadster von 2008

Man kann sich heute kaum vorstellen, dass vor 2008 elektrische Fahrzeuge eine obskure Ecke des Autouniversums bewohnten, die nur von Rebellen und Bastlern aus kooperativen Kommunen genutzt wurden, um jede Woche die selbstgemachten Waren am örtlichen Flohmarkt feil zu bieten. Dann betrat ein kalifornisches Startup namens Tesla die Weltbühne mit etwas, das letztlich ein batteriebetriebener Lotus Elan war, und behauptete, dass Zero Emission tatsächlich auch Spaß machen darf. Einstige Petrolheads fielen zu Tausenden vom wahren Glauben ab. Der Rest ist Geschichte – und sie ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

BMW Gina von 2008

Undenkbar, dass dieses ganz spezielle Auto mit diesem ganz speziellen Namen in der Ära der #MeToo-Bewegung präsentiert werden könnte. Aber statt in den sozialen Medien einen Shitstorm der Harvey Weinstein-Klasse zu entfesseln, wurde die von Chris Bangle entworfene BMW Gina bei ihrer Enthüllung 2008 frei von Hintergedanken als ein mutiges, experimentelles und erotisches Concept Car ohne Gleichen gefeiert. Gefertigt aus einem elastischen, wasserdichten und mit Polyurethan beschichten Spandex, dass sich entlang der Mitte der Front auch noch auf eine durchaus suggestive Weise öffnet. „Gina” verkörperte eine faszinierende Verschmelzung  von Automobildesign und Modeschaffen. Zugleich dürften seit dem Jaguar E-Type wenig Autos Freudianer dermaßen beschäftigt haben.