Die Vorkriegsjahre bei Aston Martin: Wie alles begann

Die Namen Coal Scuttle, Bunny und Green Pea sind vielleicht nicht so bekannt wie Vantage, Virage und Vanquish, dennoch spielen sie eine bedeutende Rolle in der frühen Geschichte von Aston Martin. Wir drehen die Uhr zurück auf null und blicken zurück auf eine fast vergessene Ära.

 

Gegründet wurde Aston Martin vor Einhundert Jahren, also kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Auch wenn unter dem Begriff „Pre-War“ die Vorkriegszeiten beider Konflikte zu verstehen ist, entstanden die meisten Fahrzeuge zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Eine Zeit, in der etliche gescheiterte oder zerstörte Unternehmen wiederaufgebaut wurden. Teileweise unter neuem oder leicht verändertem Namen – aus Aston-Martin wurde etwa Aston Martin.

Doch immer der Reihe nach: Am 15. Januar 1913 beschlossen zwei Automobil-Enthusiasten, das Unternehmen Bamford & Martin Ltd zu gründen. In Henniker Mews in Chelsea sollte fortan ein leichter 1,5-Liter-Sportwagen mit Namen „Aston-Martin“ entstehen – mit dem Augenmerk auf Lionel Martins Erfolg bei einem Bergrennen in Aston Hill, nahe Aston Clinton. Das Resultat, das als „Coal Scuttle“ bekannt werden sollte, wurde 1915 registriert und nahm in der unmittelbaren Nachkriegszeit an Rennen teil.

 

Die Vorkriegsjahre bei Aston Martin: Wie alles begann
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In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war es verständlicherweise für junge Unternehmen hart, zu überleben. Robert Bamford verließ die Firma im Jahr 1920, während Graf Louis Zborowski immer wieder Geld ins Unternehmen steckte, um es irgendwie durch die frühen Zwanzigerjahre zu bringen. Es war jene Zeit, in der wohlhabende Sportsmänner wie Zborowski und Bertie Kensington Moir in Brooklands und beim Grand Prix von Frankreich in Aston-Martin-Rennwagen teilnahmen, bekannt unter den Namen „Bunny“, „Razor Blade“ und „Green Pea“.

 

Die Vorkriegsjahre bei Aston Martin: Wie alles begann

1925 meldete Bamford & Martin Ltd – mittlerweile beheimatet in der Abingdon Road (Kensington)– Konkurs an. Und das obwohl die Firma weitere Fördergelder von Lady Charnwood erhalten hatte. Lionel Martin verließ das Unternehmen und der berüchtige Bill Renwick, Augustus „Bert“ Bertelli und weitere Investoren (darunter auch wieder die stets großzügige Lady Charnwood) übernahmen das Steuer. Die Manufaktur zog erneut um, diesmal an den Standort des ehemaligen Werks Whitehead Aircraft Limited in Feltham (West London), und wurde umbenannt in „Aston Martin Motors“.

Bereits vor der Übernahme betrieben Bertelli und Renwick ein gemeinsames Business: Sie bauten einen Vierzylindermotor mit obenliegender Nockenwelle, den sie Serienherstellern anbieten wollten. Mit diesem Motor bauten Bertelli und Renwick zudem ein komplett eigenes Modell auf, das schon bald den Spitznamen „Buzzbox“ erhielt.

 

Die Vorkriegsjahre bei Aston Martin: Wie alles begann
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Aus dem effizienten 1,5-Liter-Motor in Kombination mit einem leichten Chassis entstanden im Laufe der Jahre dann die ersten Vorkriegs-Aston in Serie, wie etwa der S-Type Sports, der International, der Le Mans, der Mark II und, die begehrteste Variante, der legendäre „Ulster“.

 

Rennsport gehörte zur Tagesordnung der britischen Sportwagenschmiede. Regelmäßig traten wohlhabende Privatiers in Werksrennwagen bei Rennen in Brooklands und Le Mans, der Tourist Trophy und der Mille Miglia an. Unglücklicherweise steckte Aston Martin weiterhin in finanziellen Schwierigkeiten und war zwischen Anfang und Mitte der Dreißigerjahre angewiesen auf die Unterstützung von wohlhabenden Investoren wie Lancelot Prideaux-Brune und Sir Arthur Sutherland.

Die Vorkriegsjahre bei Aston Martin: Wie alles begann

Im Jahr 1937, als das britische Unternehmen wieder aktiv im Renngeschäft war, stellte es einen neuen Zwei-Liter-Motor in Kombination mit einem im Design modernisierten Wagen vor – mit dem Ziel, die immer noch teuren Sportwagen dank des nun stärkeren Motors besser verkaufen zu können. Das Resultat war der 15/98 in verschiedensten Karosserieversionen, etwa als viertürige Limousine, zweitüriger Tourer, 2/4 Sitzer oder Drop-Head-Coupé. Trotz des kommerziellen Erfolges wurde der Rennsport nie völlig vernachlässigt – die „Speed“-Modelle (A-, B- und C-Types) nahmen bis in die frühen 50er Jahre an Rennen teil.

Nur wenige Jahre nach der Einführung des 15/98 befanden sich Großbritannien und Deutschland im Krieg und die Arbeiten im Werk in Feltham wurden niedergelegt. Doch direkt nach dem Zweiten Weltkrieg kam ein weiterer „Weißer Ritter“ daher und rettete das Werk: Es war ein gewisser David (später Sir David) Brown, der ein ganz eigenes, unvergessliches Kapitel in der Geschichte von Aston Martin schreiben sollte...

 

Weiterführende Links

Aston Martin der Vorkriegszeit sind rar. Dennoch finden Sie eine feine Auswahl dieser historischen Sportwagen im Classic Driver Marktplatz.

 

 

Fotos: Aston Martin / Palawan Press