Die Tour Auto 2019 rollte wie Donnergrollen durch Frankreich

Die Tour Auto Optic 2000 rollte am letzten Wochenende wie Donnergrollen durch nord- und mittelfranzösische Lande. Zum Glück war unser Mann Mathieu Bonnevie der weltweit härtesten historischen Straßenrallye immer hart auf den Fersen, sodass Sie nichts von der herzstoppenden Action verpassen...

Fünf Tage, über 2200 Kilometer, vier Rundkurse und zehn Sonderprüfungen – mit Fug und Recht kann man sagen, dass eine Tour Auto für die Teilnehmer so kräftezehrend wie spektakulär ist. Die historische Straßenrallye wurde 1992 von Patrick Peter als moderne Neuauflage der zwischen 1899 und 1986 ausgetragenen Tour de France Automobile aus der Taufe gehoben. In den seitdem vergangenen 26 Jahren hat sie einen festen Platz im Eventkalender zementiert und tausende der weltweit schönsten historischen Rennwagen angelockt – gesteuert von sehr kundigen Amateur- und Profi-Piloten/innen. 

Die Strecke der diesjährigen Ausgabe führte diesmal nicht wie üblich von Paris in Richtung des glitzernden Südens, sondern blieb im ländlichen und hügeligen Nord- und Mittelfrankreich. Die rund 240 Starter bewegten eine große Bandbreite außergewöhnlicher Fahrzeuge – von bescheidenen Minis bis zu flammenspuckenden BMW M1 Procar. Der Weg führte sie von Paris via Dijon, Lyon, Vichy und Tours bis zum Ziel im mondänen Deauville an der normannischen Kanalküste. Neben der Fahrt über einige der spektakulärsten und malerischsten Straßen, die Frankreich zu bieten hat, standen Prüfungen auf den berühmten Rennstrecken Dijon-Prenois, Magny-Cours, Charade und Le Mans auf dem Plan. 

Wir haben schon zahllose Automobil-Events im Pariser Grand Palais miterlebt, aber der Eintritt in das weiträumige und luftige Atrium macht uns noch immer sprach- und atemlos – speziell dann, wenn man mit einer farbenfrohen Welt fabelhafter alter Autos konfrontiert wird. Am Montag herrschte bei der Vorstellung der Wagen und der technischen Abnahme eine regelrechte Partystimmung – womit schon die Tonlage für die ganze Woche vorgegeben wurde. Zugleich bot sich hier auch eine gute Gelegenheit, ein Auge auf die Konkurrenz zu werfen. Weniger wichtig für die Starter in der Gleichmäßigkeits- als für jene in der beinharten Competition-Wertung. 

Von verführerischen Alfa Romeo und scheinbar endlosen Reihen von Porsche 911 in unzähligen Lackierungen (wie cool ist nur der Le Grand BazarRSR?) bis zu bootsähnlichen Jaguar Mark 2 sowie bulligen Shelby Cobra und Ford GT40 bietet die Tour Auto für jeden Fan das Passende. Welchen Wagen man nennen will, hängt, so vermuten wir, davon ab, wie stark der Siegeswille ausgeprägt ist. Und wie sehr man sich im Laufe des Rennens bereit ist zu quälen. 

Peter Auto wählt für jede Auflage der Tour Auto ein spezielles Thema. In diesem Jahr ging es um vergessene englische Marken wie Austin-Healey oder Frazer Nash. So kamen denn auch einige sehr schöne Modelle zusammen. Speziell die Frazer Nash entpuppten sich in den Gleichmäßigkeits-Prüfungen als besonders geschickt.

Auf der Straße ragten für uns sehr schnell einige Fahrzeuge heraus. Allen voran der Gruppe 4 BMW M1 Procar von Nicolas Leroy-Fleuriot und der Ligier JS2 mit kreischendem Ford DFV-Motor, gesteuert von Adrien Audibert und längst ein Tour-Stammgast. Aber auch das BMW 3.0 CSL „Batmobile“ von Basso/Verber oder der Toblerone-Porsche Carrera von Didier und Barbara Denat waren Publikumsmagneten. Wir sind aber sicher nicht die einzigen, für die James Cottinghams und Andrew Smiths Carreras Columbia Cobra der Star der Show von 2019 war. Nicht zuletzt wegen des lateinischen Spirits, den die beiden im Überfluss verbreiteten, und das trotz der mechanischen Kobolde, die sie regelmäßig ärgerten. Es machte so viel Spaß, dieses Duo während der Woche zu verfolgen und daher hoffen wir, dass sie nächstes Jahr wiederkommen, mit passenden Schnauzbärten! 

Der Sonnenschein und die wärmenden Temperaturen der Côte d’Azur mag man diesmal vermisst haben, doch in Bezug auf die Locations bot auch die diesjährige Tour Auto viele Leckerbissen. Wie das Château de Chazeron in der Auvergne - einer von mehreren aufregenden Mittagsstopps – das Art Nouveau-Zentrum von Vichy oder die ungemein grüne Weinregion des Beaujolais. Gebirgszüge waren schon immer ein fester Bestandteil der Tour. Und auch wenn wir es diesmal nicht bis in die Alpen oder Pyrenäen geschafft haben, so war es doch ein großes Erlebnis, den Mont Pilat (1432 Meter am Ostrand des Zentralmassivs) und den Puy de Sany, mit 1885 Metern die höchste Erhebung des Zentralmassivs, vom Auto aus zu erleben. 

An dieser Stelle müssen wir auch einmal auf die außergewöhnlichen Witterungsbedingungen während der Woche eingehen. Die ersten beiden Tage von Paris über Dijon nach Lyon fühlten sich wie der Frühling an: Nebel am Morgen, doch nach Auflösung desselben sehr schnell warm und hell. Doch ab dann war es nur noch sehr kalt, nass und windig. Als wir am Samstag nach Le Mans fuhren, hörten wir, dass die Strecke von Dijon-Prenois, wo wir drei Tage zuvor waren, unter einer geschlossenen Schneedecke lag! Zum Glück saßen wir in unserem modernen BMW-Pressewagen warm und trocken, doch für die Fahrer und Fahrerinnen in ihren alten Kisten muss es weitaus ungemütlicher gewesen sein. 

Doch an diesem Punkt wird die Tour Auto noch mehr als die Summe ihrer Einzelteile. Es dreht sich halt alles um die Atmosphäre. Straßen in Städten und Dörfern sind von Menschen gesäumt, die herausgekommen, um den Teams zuzujubeln. Ähnliche Szenen an den Sammelpunkten vor dem Start der Sonderprüfungen oder im Parc Fermé am Ende eines Tages. Von Anfang bis Ende scheint es keine fünf Minuten zu geben, in denen die Teilnehmer/innen nicht von enthusiastischen Zuschauern bejubelt werden. Es geht regelrecht zu Herzen, so viel Appetit auf klassische Autos mitzuerleben. 

Es war auch eine Freude, Zeuge der Kameradschaft untereinander zu sein. Obwohl die Rallye so intensiv und kräftezehrend ist, hilft man sich bei aller Müdigkeit doch so gut es geht. Sei es in Form einer Anschiebehilfe oder eines Ersatzteiles. Ein Großteil der Starter sind schon Tour Auto-Veteranen und freuen sich, wenn ihre alten Kumpel erfolgreich sind. Doch die wahren und stillen Helden sich die Mechaniker. Hier fahren alte Autos, die nicht daran gewöhnt sind, jeden Tag mit zum Großteil voller Kraft 320 Kilometer zurückzulegen. Die Arbeit der Schrauber beginnt, wenn die Fahrer am Ende eines langen Tages Feierabend haben. Es ist nicht ungewöhnlich, Mechaniker mitten in der Nacht unter einem Wagen liegen zu sehen, um einen Motor oder ein Getriebe zu wechseln. 

Nach einer intensiven Woche überquerten die Schweizer Raphaël Favaro und Yves Badan in ihrem kleinen Lotus Elan 26R die Ziellinie in der windigen Normandie zum zweiten Mal infolge als Gesamtsieger der Tour Auto. In den Schoß fiel den Eidgenossen der Erfolg jedoch nicht. Denn der Zweikampf zwischen dem kleinen Lotus und dem weitaus stärkeren Ford GT40 der Briten Chris Wilson und Nigel Williams war lange Zeit offen. Auf den Sonderprüfungen war der Elan 20 Sekunden schneller, auf den Rundstrecken hingegen lag der GT40 40 Sekunden vorn! Am Ende brachte dann eine späte 30-Minuten-Zeitstrafe den GT40 um alle Chancen. In der Regularity-Klasse ging der Sieg an Eric Hamoniau und Edouard Lotthe in ihrem wunderschönen Ferrari 250 GT Lusso. 

Herzlichen Glückwunsch an alle Sieger und ein großes Dankeschön dafür, dass uns diese Tour Auto wohl noch lange im Gedächtnis bleiben wird.  Auf ein Neues 2020!  

Fotos: Mathieu Bonnevie für Classic Driver © 2019