Abenteuerliche Reise zum Polarkreis im Porsche 924 „Winter Camper“

Indem er mitten im tiefsten Winter seinen abgehalfterten Porsche 924 Baujahr 1978 für eine epische 7.500-Kilometer-Rallye von Hamburg zum Nordkap und zurück nannte, entdeckte der Fotograf und Filmemacher David Zu Elfe mehr durch Zufall den perfekten Überland-Abenteuer-Sportwagen...

 „Wenn uns Leute nicht sagen, dass wir verrückt sind, mit einem solchen Auto solch einen Trip zu wagen, dann ist unsere Idee wohl tatsächlich noch nicht verrückt genug“, witzelt der 27-jährige deutsche Fotograf und Filmemacher David Zu Elfe, wenn er an sein letztes Abenteuer zurückdenkt. 

Anfang des Jahres, als das Coronavirus die Welt noch nicht zum Stillstand gebracht hatte, nahmen Zu Elfe und sein Schwager an der Baltic Sea Circle Rallye teil. 7.500 nahezu GPS-freie Kilometer in 16 Tagen, von Hamburg bis zum Nordkap und dort zurück durch Russland und das Baltikum. 

Und das Auto, mit dem er diese Langstreckentour bei Tiefkühltemperaturen absolvierte? War ein Porsche 924 Baujahr 1978, der Zu Elfe als tägliches Transportmittel diente, ehe er das Auto unter einer Plane verstaute und 2019 gegen einen umgebauten klassischen Range Rover tauschte. „Furchtlos“ ist Zu Elfes zweiter Vorname. 

„Nachdem wir von unserem letzten Trip mit dem Range Rover zurückgekommen waren, elektrisierte mich dieses Instagram Posting des Superlative Adventure Club, der von einer Winterrallye berichtete, von der ich zuvor noch nie gehört hatte. Ab da war ich Feuer und Flamme!“, erinnert sich Zu Elfe. 

Bis auf einen unstillbaren Durst nach Öl, befand sich Zu Elfes 924 – bis heute sein dritter – in guter Verfassung. Bis sich wenige Tage vor dem Datum, an dem 400 Kilometer entfernt der speziell angefertigte Dachgepäckträger montiert werden sollte, der Motor verabschiedete. „Das war an einem Donnerstagabend. Gleich am Freitagmorgen rief ich einen benachbarten Spezialisten auf seinem Handy an und fragte, ob er einen Motor herumliegen hätte, den wir bis zum Mittag abholen könnten. Und kaum zu glauben, aber gegen 15 Uhr am nächsten Morgen war der neue Motor installiert und lief wie am Schnürchen.“ 

Jetzt noch das Fahrwerk ein wenig höhersetzen, einen Satz hochwertiger Winterreifen und die obligatorischen Hella Fernscheinwerfer montieren sowie den Innenraum in ein rollendes Hotelzimmer (mit besonders starker Heizung und eingebautem Kühlfach) umwandeln – und abfahrbereit war der 924. Auch wenn sein Auto das älteste und unpraktischste aller 60 Teilnehmer war – abschrecken ließ sich Zu Elfe keineswegs. 

„Weil das Teilnehmerwelt so vielfältig war – von einem Unimog bis zu Audi Allroads aus den 90er-Jahren – und die Route in Abhängigkeit von dem Schwierigkeitsgrad, den jeder bereit war auf sich zu nehmen, flexibel war, konnten uns die Organisatoren nicht direkt gegeneinander antreten lassen. Daher folgten wir den Anweisungen, die für jeden Tag eine Mindestdistanz vorschrieben und lösten auch eine lustige Aufgaben, wie zum Beispiel das Auffinden des alten und irgendwo abgestellten Tourneebusses von ABBA. Um es kurz zu sagen: Man musste nicht Rennen fahren, doch trieben wir uns schon mehr an, als wenn wir ganz allein nur für uns gefahren wären.“ 

Der 16-Tage-Trip startete und endete in Hamburg und führte Zu Elfe durch Schweden zum Polarkreis und dann zu Europas nördlichstem Punkt, dem Nordkap mit Blick auf die Barents-See. Die Rückfahrt ging durch Russland, Finnland, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Polen. 

Obwohl die Quecksilbersäule in den Nächten bis auf minus 22 Grad fiel, übernachteten Zu Elfe und sein Schwager in zwölf von 15 Nächten im Auto. Und beendeten die Rallye, ohne sich auch nur einmal festgefahren zu haben oder wegen technischer Probleme liegengeblieben zu sein. Wobei sich Zu Elfe beeilt zu betonen, dass dies weniger Folge seines Fahrtalents sondern der außergewöhnlichen Robustheit des Autos zu verdanken gewesen sei. 

„Es war schon fast langweilig, weil einfach nichts kaputt gehen wollte. Wir litten kaum mal – die Heizung ist 40 Jahre alt, und wir konnten trotzdem bei minus 20 Grad Schokolade schmelzen. Und was den Schlafkomfort angeht, muss ich bedauerlicherweise zugeben, das er höher war als unter dem Dachzelt des Range Rover. Man kann sich nicht vorstellen, wie komfortabel und warm es da ist – ich bin 1,80 Meter groß und konnte bequem schlafen. Mit halb offenem Schlafsack, bollernder Heizung und einem Spalt geöffnetem Fenster, um etwas frische Kaltluft hereinzulassen, war es wundervoll. 

Dazu kommt, dass nichts von innen beschlägt, weil die Scheiben keine Wärmedämmung haben. Und da insgesamt die Dämmung so schlecht ist, hielt die von unten eindringende Luft unsere Nahrungsmittelvorräte frisch – keine Gefahr, dass die Butter am Morgen matschig sein würde! Es war absolut zufällig, dass alles so perfekt zusammenpasste – wir haben so unbeabsichtigt den idealen Abenteuer-Sportwagen entdeckt. Alles, was der 924 noch bräuchte, wäre ein Sperrdifferential und ein paar Zusatz-PS.“ 

Zu Elfe war so beeindruckt davon, wie sich dieser weitgehend serienmäßige Einstiegssportwagen der Stuttgarter (mit Audi-Motor) bei diesem Winterabenteuer schlug, dass er jetzt darüber nachdenkt, mit einem 924S eine Wüste zu durchqueren, im Paris-Dakar-Stil. Und zum Teufel, warum nicht? Hoffen wir nur, dass die Klimaanlage dann so gut funktioniert wie die Heizung! 

Fotos: David Zu Elfe © 2020 

Sie können David Zu Elfes epische Überland-Abenteuer über den Only a Roadtrip Away Instagram Kanal oder über seine Website mit Click hier verfolgen. 

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