1972 Maserati Indy

Summary

  • Year of manufacture 
    1972
  • Car type 
    Coupé
  • Lot number 
    58
  • Drive 
    LHD
  • Condition 
    Used
  • Location
  • Exterior colour 
    Red

Description

DOROTHEUM Herbstauktion auf der Classic Expo Salzburg / Autumn Sale at Classic Expo Salzburg
Klassische Fahrzeuge / Classic cars
Samstag, Oktober 16, 2021 / Saturday, October 16, 2021
Messegelände Salzburg, Halle 1 / Salzburg exhibition center, hall 1
Online-Katalog/ online catalogue: https://fahrzeuge.dorotheum.com/de/a/80971/

Lot 58 V
1972 Maserati Indy 4700

In Wien ausgeliefert
Weitgehend im Originalzustand
Über 30 Jahre bei einem Besitzer
Umfangreich mechanisch revidiert
Wohl originale 73.313 km Laufleistung
Matching Numbers

Mit dem Quattroporte, den Maserati 1963 präsentierte, läutete man in Modena eine neue Ära ein. Nicht nur, dass man die schnellste Limousine der Welt auf Räder gestellt hatte, neu war vor allem das, was unter der Haube für reichlich Vortrieb sorgte: ein Leichtmetall-V8 mit 4,2 Litern Hubraum und vier obenliegenden Nockenwellen, der Tipo 107. Aus acht Zylindern hatten bislang nur die paar Handvoll Besitzer des Überautos 5000 GT schöpfen dürfen. 1966 folgte mit dem von Giugiaro für Ghia gezeichneten Ghibli ein hinreißend schönes Coupé als neues Topmodell, für den der Hubraum auf 4,7 und später gar auf 4,9 Liter erweitert wurde. Am Automobilsalon in Turin zeigten dann Ghia und Vignale jeweils einen Entwurf eines 2+2-sitzigen Gran Turismos, letzterer war der, der dann im Jahr darauf in Serie gehen würde. Weil neben der neuen Achtzylinder-Reihe auch noch die alten Sechszylinder-Maseratis zu haben waren, sorgte das für reichlich Durcheinander und Überschneidungen im Modellprogramm. Nach der Übernahme 1968 begann Citroen schnell damit aufzuräumen.

Maserati taufte den Neuankömmling auf den Namen Indy, wohl nicht nur um an die zwei Siege beim 500-Meilen-Rennen in Indianapolis aus geraumer Vorzeit zu erinnern, sondern weil man ganz auf den großen Absatzmarkt jenseits des Atlantiks hoffte. Um Platz für zwei weitere Passagiere zu schaffen, hatte man den Radstand des Ghiblis um fünf Zentimeter verlängert, ansonsten vertraute man weitgehend auf die bewährte Technik, etwa das 5-Gang-Getriebe von ZF oder die starre Hinterachse. Die hübschen Karosserien waren in Sachen Windschlüpfrigkeit sogar besser als jene des Topmodells, weshalb sich die Kundschaft im Indy vorerst mit dem 4,2-Liter-Motor begnügen musste, damit der Ghibli weiterhin der schneller bleiben würde. Der Markt, vor allem in Übersee, verlangte aber auch im Indy nach der größeren Maschine und als der Ghibli SS (Super Sport) mit 4,9-Liter-Triebwerk kam, folgte für den Indy das Upgrade auf 4,7 Liter. Damit einher ging der Namenszusatz America, der noch deutlicher zeigte, woher der Wind am Markt wehte. Als 1973 das Topmodell von einst am Auslaufen war, durfte der Indy gar auch den ganz großen Motor bekommen. Gleichzeitig hielt damit auch die Citroen-Hydraulik Einzug, wie man sie aus Bora, Khamsin & Co kannte. 1.104 verkaufte Indys waren für Maserati-Verhältnisse durchaus als Erfolg zu bezeichnen, der 4700 America kam dabei auf 364 Exemplare.

Wer sich in Österreich anno dazumal einen Maserati leisten wollte und konnte, der musste nach Wien in die Walfischgasse 13, wo seit den 1960er die Familie Steinbacher die Marke mit dem Dreizack vertrieb. Nachdem damit kaum noch Geld zu verdienen war, war man froh zum Jahreswechsel 1970/71 mit Ugo Cividino einen Nachfolger gefunden zu haben, der nicht nur die Vertretung, sondern gleich auch den ganzen Standort übernahm. Cividino war eigentlich ein begnadeter Musiker, der sich bei einem Wien-Engagement in die Tochter eines Szene-Italieners auf der Wieden verschaut hatte, und dem sein Faible für Sportwagen aus seiner italienischen Heimat ein paar glücklose Jahre als Concessionario bescherte. Eben dort in Walfischgasse hatte sich Ing. Herbert E. Schifter im Juni 1972 seinen neuen Maserati Indy 4700 America in Rosso Cordoba mit beigem Lederinterieur abgeholt. Seine neue Heimat fand der Sportwagen in Grinzings Höhen in der Langackergasse, bis er im Mai 1979 zu einem zweiten Besitzer in den Wienerwald übersiedelte. Schon im Juli 1981 kam der Maserati Indy in den Linzer Zentralraum zu jenem Besitzer, bei dem er für über drei Jahrzehnte bleiben sollte. Die meiste Zeit davon allerdings abgestellt in der Garage, denn schon im November 1983 hatte Dr. Martin Örtl seinen Indy abgemeldet. Insofern gibt es auch an den gut 73.000 Kilometern, die der Tacho zeigt, wenig Grund zu zweifeln. Mit Alfred Furtner hatte sich noch ein Meister seines Fachs um des Indys Wohlergehen gekümmert. Jedenfalls schlummerte der Maserati über viele Jahre, bis er schließlich zum Einbringer zurück zu seinen Wurzeln nach Wien kam. Der schickte sich an, den Sportwagen behutsam wieder zum Leben zu erwecken. Das Interieur und das Blechkleid, dessen Lackierung vor vielen Jahren einmal erneuert worden war, blieben unberührt und original erhalten, während die Mechanik von vorne bis hinten eine Überholung vom Fachmann spendiert bekam. Im Mai 2017, nach gut 35-jährigem Dornröschenschlaf, begann das zweite Leben dieses Maseratis, dessen einmalige Geschichte ein neuer Besitzer nun weiterschreiben darf.

Chassis: AM116/47*1400*
Motor: AM107/1*1400*
Aufbau: 200328
Produktion: 1742
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung