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Dieses Auto hat BMW fast ruiniert – und ist trotzdem zur Design-Ikone geworden

Kaum ein Auto der deutschen Nachkriegszeit verströmte so viel Glamour wie der BMW 507. Dass der Roadster kommerziell floppte, tut dem Legendenstatus keinen Abbruch. Dieses Exemplar wurde in Deutschland restauriert und wartet in all seiner ikonisch-klassischen Grandezza auf den nächsten Besitzer.

 

Ein Traumsportwagen aus dem Deutschland der Fünfziger- und frühen Sechzigerjahre, entworfen vom deutschen Designer Albrecht Graf von Goertz und erst auf maßgebliches Einflüstern von Max Hoffman realisiert, dem New Yorker Importeur exotischer europäischer Sportwagen, der schon Porsche zum US-Import des 550 Spyder überredet hatte. Das alles trifft auf den BMW 507 zu, der zusammen mit dem Mercedes 300 SL DAS Traumauto der frühen Bundesrepublik war. 1955 verzückte der mit optionalem Hardtop lieferbare zweisitzige Roadster das Publikum der Frankfurter IAA.

Dass der 507 zu einem Riesenverlustgeschäft geriet (pro Auto verlor BMW 12.000 DM) und erst der kleine BMW 700 die Münchner vor dem sicheren Konkurs retten musste, konnte da noch niemand ahnen. Doch auch das gehört zur Wahrheit – was bis heute nicht im Geringsten am Kultstatus des 507 rütteln kann. Denn der Glamour-Faktor ist unübertroffen – allein schon wegen jenes Exemplars, das Elvis Presley während seiner Zeit als GI in Deutschland fuhr und das später auf einem Schrottplatz in Kalifornien wiedergefunden und bei BMW Classic zu alter Schönheit restauriert wurde.

 

Angetrieben wurde der 507 von jenem 3,2-Liter-V8, der auch den berühmten „Barock-Engel" BMW 502 befeuerte – unsterblich gemacht als Polizeieinsatzwagen in der im München der frühen Sechzigerjahre spielenden Fernsehserie „Funkstreife Isar 12". Die Produktion des 507 lief von Herbst 1956 bis Sommer 1959, insgesamt entstanden nur 252 Exemplare. Die ersten 34 (gebaut vor März 1957) gelten als Serie I, die folgenden 218 als Serie II. Letztere sind zu erkennen am in den hinteren rechten Kotflügel verlegten Tankeinfüllstutzen, an einem neuen Armaturenbrett mit integriertem Lautsprecher und an einem größeren Handschuhfach.

Nur 252 Exemplare – das war schon sehr ernüchternd, verglichen mit immerhin 3.258 Coupés und Roadstern, die Mercedes vom 300 SL absetzte. Dieses eine Mal hatte sich Max Hoffman, der gebürtige Österreicher und geniale Verkäufer, verkalkuliert. Er bestellte 5.000 Autos, doch am Ende wurden nur 34 in den USA verkauft. Das Problem war der exorbitante Preis von knapp 9.000 Dollar – mehr als doppelt so viel wie für eine Corvette oder einen Jaguar XK und deutlich mehr als für einen 300 SL Flügeltürer, der bei 6.820 Dollar lag. Schuld waren die hohen Produktionskosten; allein der Bau der bei Baur in Stuttgart gefertigten Alu-Karosserie dauerte bis zu 20 Tage. Dazu war der 507 trotz eines Gewichts von 1.230 Kilo mit seinen 150 PS keine Rakete: 0 bis 100 km/h in 11,1 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h zeugten von einer eher komfortablen als sportlichen Grundcharakteristik. Anders als einen „Gullwing" bekam man einen 507 bei den Motorsportveranstaltungen jener Jahre nie zu sehen.

 

Laut BMW-Classic-Zertifikat handelt es sich bei dem jetzt als Privatverkauf von RM Sotheby's angebotenen Exemplar um ein im Oktober 1957 fertiggestelltes Serie-II-Modell. Es wurde nur wenige Monate später in die USA an seinen dortigen Erstbesitzer Abraham Eckert aus Langhorne, Pennsylvania, geliefert. Nach vielen Jahrzehnten fand es den Weg zurück nach Europa, ab 1995 zunächst in die Niederlande und 2013 dann nach Deutschland, wo es Ulrich Berberich-Martini, Besitzer der in Heilbronn ansässigen Martini Garage, erstand – und mit Kosten von rund 350.000 Euro in den Jahren 2014/15 in der Farbkombination Graphitgrau Metallic über beigem Interieur restaurierte.

Nach Abschluss der Arbeiten kehrte das Schmuckstück in die USA zurück, wobei der neue Besitzer seinen BMW 507 nur sporadisch bewegte und ihn auch nur einmal öffentlich zeigte – 2017 beim Pinehurst Concours d'Elegance in North Carolina.

 

Bereits 2016 gelangte der 507 dann in den Besitz seines aktuellen Eigentümers. Er präsentiert sich weiterhin in einem fantastischen Zustand und ist in seiner zeitlosen Eleganz und mit seiner sinnlichen Linienführung eine Designikone par excellence – mit einer Langzeitwirkung, die sogar den im Jahr 2000 erschienenen BMW Z8 inspirierte.

Bei Auktionen erzielen BMW 507 aufgrund ihrer Seltenheit regelmäßig Ergebnisse knapp unter- oder oberhalb der Drei-Millionen-Dollar-Marke. Den bisher höchsten Preis erzielte das mit Rennsportteilen veredelte Auto von Formel-1-Rennstallbesitzer John Surtees: umgerechnet fünf Millionen US-Dollar. Das ist – Stand heute – der Allzeitrekord für diesen unsterblichen Münchner Klassiker.

Fotos: Karissa Hosek für RM Sotheby's

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