

Ein Stück australischer Motorsportgeschichte
„Wie ein größerer, deutlich potenterer BMW M3“ – mit diesen Worten adelte Tourenwagen-Legende Jim Richards einst ein Modell, das aus europäischer Sicht oft im Schatten seiner prominenten Nachfolger steht. Während der Nissan Skyline GT-R das JDM-Postercar schlechthin ist, lag das eigentliche Fundament für Nissans Motorsport-Erfolge auf australischem Boden im Skyline HR31 GTS-R. Vom Werk als reines Homologationsmodell konzipiert, wurden für die Gruppe A gerade einmal 800 Exemplare der optisch eher schlicht wirkenden Limousine gebaut.
Ihr wahres Potenzial entfesselte jedoch erst die Truppe von Fred Gibson Motorsport. Aus dem kompakten Zweiliter-Reihensechszylinder kitzelten die Ingenieure mittels einer großen Turboschnecke brachiale Leistungswerte. Die Kraft wurde über ein eng gestuftes Fünfganggetriebe an die Hinterräder weitergeleitet. Trotz eines Gewichtsnachteils fuhr dieser Werks-Skyline 1989 im strömenden Regen von Winton zum Sieg und sicherte sich bei der legendären 1000-Meilen-Hetzjagd von Bathurst einen hart umkämpften vierten Platz gegen die damals übermächtigen Fords Sierra RS500.
Nach einem Abflug beim Stadtrennen in Wellington verschwand der Bolide für Jahre in der Versenkung. Erst eine minutiöse Restaurierung brachte ihn zurück in den Originalzustand – inklusive des dazugehörigen Sechszylinders, den man durch Zufall in einer Sammlung aufspürte.


Straight outta Affalterbach (feat. Tokyo-Style)
Der Mercedes SL der Baureihe R129 strahlt eine ruhige Autorität aus. Der große Stern im Grill signalisiert Status, die perfekten Proportionen und die breite Spur eine gewisses Dominanz. Wenig überraschend also, dass der deutsche Roadster in den Neunzigerjahren zu den Lieblingen der Hip-Hop-Szene gehörte und es noch immer tut, man denke nur an das Exemplar auf dem Cover des 1992er Klassikers „Mecca and the Soul Brother" von Pete Rock & C.L. Smooth. In jüngerer Zeit setzte Joey Bada$$ der V8-Version mit dem Song „500 Benz" ein musikalisches Denkmal.
Genau so ein V8-Modell bildete die Ausgangslage für dieses Exemplar, das ursprünglich in Arktikweiß mit blauem Leder für den US-Markt ausgeliefert wurde. Kurz darauf gelangte der Wagen nach Japan, wo erst die Veredelung bei AMG das volle Potenzial der Basis ausschöpfte, auch wenn ihn schon allein die Optik in der goldenen Ära des Genres als Star jedes Hip-Hop-Videos prädestiniert hätte. Die Ingenieure bohrten den Fünfliter-Achtzylinder auf sechs Liter Hubraum auf und steigerten die Leistung von 322 auf 381 PS. Den unverwechselbaren Auftritt früher AMG-Umbauten für den japanischen Markt komplettieren dreiteilige Aero-III-Räder mit in Wagenfarbe lackierten Sternen, ein Heckspoiler sowie ein edles Interieur mit reichlich Holz, weiß hinterlegten Zifferblättern und einem im Armaturenbrett integrierten Panasonic-Fernseher.
Nach dieser ersten Phase in Fernost wurde der seltene SL im September 1995 nach Kalifornien reimportiert, wo er knapp drei Jahrzehnte verblieb. Während seiner Zeit in den USA spendierten ihm die Spezialisten von RENNtech in Florida eine umfassende mechanische Restaurierung. Nun kommt das perfekt dokumentierte Sammlerstück aus der begehrten Pre-Merger-Ära bei der Broad-Arrow-Auktion im Rahmen von The Quail unter den Hammer.


Zu schnell für die britische Mittelklasse
Der Opel Omega und sein britischer Bruder Vauxhall Carlton waren in ihrer ursprünglichen Form nicht gerade für ihr ausgesprochenes Temperament bekannt – dies galt allerdings nur, bis Lotus die beiden Modelle der oberen Mittelklasse in die Hände bekam. Die britische Sportwagenschmiede machte das Duo zu den schnellsten Limousinen der frühen Neunziger, die zwar durchaus schnittig aussahen, gleichzeitig aber noch ausreichend dezent blieben, um Auto-Laien auf der Autobahn oder dem Motorway in Staunen versetzen zu können.
Unter der Haube steckt der Reihensechszylinder von General Motors mit 24 Ventilen und zwei obenliegenden Nockenwellen, dessen Hubraum die Ingenieure aus Hethel mithilfe einer Kurbelwelle mit längerem Hub und geschmiedeten Mahle-Kolben auf 3,6 Liter vergrößerten. Zwei Garrett-T25-Turbolader steigerten die Leistung auf 377 PS. Die Kraftübertragung erfolgte über eine Sechsgang-Handschaltung aus dem Hause ZF, die auch in der damaligen Corvette ZR-1 zum Einsatz kam – so rannte die aerodynamisch fortschrittliche Limousine stolze 283 km/h und sprintete in nur 5,4 Sekunden von Null auf Hundert.
Für einen Großteil der britischen Öffentlichkeit war das damals schon zu viel des Guten – die Performance-Limousine hatte ein fast schon skandalöses Image, was auch daran lag, dass Ganoven sie schnell als Fluchtwagen zu schätzen lernten. Insgesamt fertigte Lotus nur 950 Stück – rund 70 Prozent entfielen dabei auf den linksgelenkten Omega, was den rechtsgelenkten Carlton zur noch selteneren Variante macht. Dieses vom Händler mit dem passenden Namen „Fast Classics" angebotene Exemplar wurde im August 1993 in Lichfield ausgeliefert und hat seitdem nur 35.000 Meilen (rund 56.000 Kilometer) abgespult. Ende 2020 wurde das Auto behutsam wieder in Betrieb genommen, im Zuge dessen erhielt es auch neue Bremsen.


Der Gipfel von Porsches Handschalter-Purismus
Der Porsche 911 GT2 RS der Generation 997 kann getrost als einer der absoluten Höhepunkte des analogen Sportwagenbaus angesehen werden. Weltweit entstanden lediglich 500 Exemplare des kompromisslosen Sportgerätes, von denen vermutlich nur 24 Stück neu in das Vereinigte Königreich ausgeliefert wurden. Im Heck arbeitet das legendäre Mezger-Triebwerk mit 3,6 Litern Hubraum und zwei Turboladern, das gewaltige 620 PS an die Hinterräder schickt. Gekoppelt an ein klassisches Sechsgang-Schaltgetriebe bleibt dieses Modell bis heute der stärkste Serien-Porsche mit Handschaltung.
Dieses betont dunkel gehaltene britische Exemplar besticht mit seinem Understatement. Der Erstbesitzer verzichtete bewusst auf das Clubsport-Paket und wählte stattdessen die seltene Komfort-Spezifikation. Damit tarnt sich eine der anspruchsvollsten Fahrmaschinen ihrer Ära optisch fast schon als zurückhaltender Alltags-Elfer.
Das vom Händler Romans International angebotene Sammlerstück begeistert zudem durch seine flexible Sitzkonfiguration. Neben den nachgerüsteten Carbon-Vollschalen gehört das originale Gestühl zum Lieferumfang, womit der künftige Besitzer die freie Wahl zwischen kompromisslosem Rennstrecken-Feeling und dem originalen Komfort behält.


Kalifornischer Schlangenleder-Futurismus
Ein Kampfjet auf vier Rädern, getaucht in extravagantes Amethyst-Lila und garniert mit einem exzentrischen Interieur: Der 1993 präsentierte Vector Avtech WX-3R Roadster Prototype straft jedes traditionelle Sportwagen-Design Lügen. Wo andere Marken auf dezente Eleganz setzten, zelebrierte Gründer Jerry Wiegert – von dem auch das Bild vom Kampfjet stammt – den kalifornischen Futurismus der Neunzigerjahre mit Scherentüren, einer extrem flachen Silhouette und wilden Recaro-Einzelsitzen im Schlangenleder-Look. Das Ergebnis ist ein automobiles Spektakel, das bis heute aussieht, als wäre es geradewegs einem Science-Fiction-Film entsprungen.
Doch hinter der schrillen Optik verbarg sich kompromisslose Luft- und Raumfahrttechnik. Als geplante Evolutionsstufe des W8 erhielt der Roadster einen 6,0-Liter-Rodeck-V8 mit zwei Turboladern direkt hinter dem Cockpit, der den offenen Zweisitzer auf über 320 km/h katapultieren sollte – die Kraft floss dabei über eine stark überarbeitete GM-Automatik. In Genf rief Vector 765.000 Dollar auf. Zu einer Serienfertigung kam es nach der feindlichen Übernahme durch Megatech und einem langen Rechtsstreit jedoch nie – der Roadster blieb einer von nur zwei je gebauten WX-3-Prototypen.
Mehr als ein Vierteljahrhundert hielt Jerry Wiegert sein Meisterwerk selbst in Privatbesitz, bevor es 2019 in eine amerikanische Sammlung überging. Nach einer 116.000 Dollar teuren mechanischen Überarbeitung bei Miller Motorcars wird der wahrscheinlich wildeste US-Supersportwagen seiner Ära nun bei der Pebble-Beach-Auktion von Gooding Christie's versteigert.































