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Dieser Ferrari verdient eine zweite Chance in Le Mans

Als letzter von 25 gebauten 512 BB LM wurde dieses Modell 1982 für einen Start in Le Mans nicht rechtzeitig fertig. Nach langer Standzeit in Museen darf es seit 2017 zwar bei historischen Events seiner Bestimmung nachgehen – nur noch nicht in Le Mans. Nun können Sie die verpasste Chance nachholen.

 

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Diese Michail Gorbatschow, dem Ex-Präsidenten der Sowjetunion zugeschriebene Warnung aus den letzten Tagen der DDR, traf wenn auch auf anderer Ebene auf diesen Ferrari 512 BB LM zu. Denn als letztes aus einer Serie von 25 bei Michelotto fertiggestellten Exemplaren wurde er Ende 1982 schlicht zu spät fertig, um im Folgejahr noch bei den 24 Stunden von Le Mans starten zu können. Dort gehörten die von Charles Pozzi oder N.A.R.T. eingesetzten BB mit ihren 470 PS starken Fünfliter-Zwölfzylindern und Langheck-Karossen von Pininfarina bis einschließlich 1982 zu den Stammgästen und feierten 1981 mit Platz fünf im Gesamtklassement ihren größten Erfolg.

1983 waren die 512er dann – zumindest in Europa – nicht mehr konkurrenzfähig und so blieb das an die Garage Francorchamps des belgischen Ferrari-Importeurs Jacques Swaters gelieferte Chassis 44023 bis auf ein paar Einsätze bei Ferrari Clubmeetings mit dem legendären belgischen Rennfahrer Jean Blaton („Beurlys") am Steuer zum Nichtstun verdammt. Nach Verkauf an einen amerikanischen Sammler landete der Ferrari von 1985 bis 1989 zunächst im für Fremdfabrikate offenen Henry-Ford-Museum in Detroit. Nach einer Auktion auf der Monterey Car Week von 1991 wechselte das Auto als nächstes für 719.000 $ in das japanische „Boxer"-Museum. Dessen Besitzer, Shigeru Kato, gönnte ihm bei zwei Clubrennen etwas Auslauf, halste dem italienischen Exoten aber ansonsten bis 1998 ebenfalls nur Standzeiten auf.

 

Die Rettung kam im Oktober jenes Jahres in Gestalt von Liebhaber Racing, als dessen Chef Richard Liebhaber die Zügel dieses Cavallino Rampante endlich lockerte und es zwischen 1999 und 2002 bei historischen Ferrari-Rennen in Sebring, Road Atlanta und Moroso Park galoppieren ließ. Ende 2017 ging das kontinentale Hin-und-her in die nächste und vorerst letzte Runde, diesmal zurück nach Europa, genauer gesagt zu den belgischen Ferrari-Experten von Gipimotor.

Nach einem ersten Publikumsauftritt auf der Retromobile 2018 spürte der von seinem neuen belgischen Besitzer eingesetzte Ferrari beim 76. Goodwood Members Meeting bei einer Demovorführung von Gruppe-5-Rennwagen und damit erstmals nach mehr als 15 Jahren wieder Rennstreckenasphalt unter den Reifen. Und durfte danach bei Rennen in Spa, Imola, Mugello, Estoril oder beim GP de l'Age d'Or in Dijon-Prenois regelmäßig und nun auch im Pulk mit anderen ernsthaft bewegt werden. Auch in diesem Jahr posierte er erneut auf der Retromobile, doch was ihm bis heute noch fehlt, ist der ihm damals verwehrte Start in Le Mans.

 

Doch dies dürfte das geringste Problem sein, ist dieser Maranello-Klassiker mit seinem göttlich tönenden „flachen" Zwölfzylinder-Sauger dank gültiger FIA-Papiere neben Le Mans Classic auch für Formate wie Masters Endurance Legends oder Rolex Monterey Motorsports Reunion startberechtigt, ja vielmehr hochwillkommen!

Nun steht dieser als Neuwagen nie bei einem Rennen eingesetzte 512 BB LM, zuletzt in französischem Besitz, bei Mécaniques Modernes & Classiques zum Verkauf. Sein neuer glücklicher Besitzer könnte nun einen lang zurückliegenden Traum wahr machen. In dem er das Auto endlich an jene Kultstätte bringt, an der es schon vor rund 45 Jahren hätte sein sollen.

 

 

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