Kein anderes historische Rennmeeting ist mit Monaco Historique vergleichbar. Der Kalender ist zwar voll von Veranstaltungen mit historischem Flair – von der Mille Miglia über den Oldtimer-GP am Nürburgring bis nach Goodwood – aber hier, eingebettet zwischen dem Mittelmeer und dem Felsen von Monte Carlo, herrscht eine ganz eigene Atmosphäre. Weil der 3,337 Kilometer lange Stadtkurs seit dem ersten Rennen im Jahr 1929 Zeuge der größten Rennfahrer der Geschichte wurde. Es ist, als hätte jemand die Nadel von einer Schallplatte abgehoben, sie um viele Jahrzehnte zurückgesetzt, und sie dann einfach laufen lassen.


Die diesjährige Ausgabe hat uns einmal mehr vor Augen geführt, warum Kenner dieses Event für das schönste im gesamten historischen Motorsport halten. Als wir am Freitagmorgen durch das Fahrerlager gingen, vorbei an einer Reihe von Lotus 49, Maserati 250F und mehreren makellosen Cooper Bristol, spürte man diese besondere Atmosphäre. Das waren keine Museumsstücke hinter Glas, sondern sie waren startklar, betankt und bereit für ein Rennen.
Zu den Giganten des Sports, die das Fürstentum dieses Jahr beehrten, gehörte auch Jacky Ickx, fünffacher Monaco-Grand-Prix-Teilnehmer, Le-Mans-Legende und eine Persönlichkeit, deren bloße Anwesenheit im Fahrerlager die Veranstaltung aufwertete. Ihn an der Strecke zu beobachten, und wie er sich mit Mechanikern und Teambesitzern unterhielt, ließ die ungebrochene Verbindung zwischen der goldenen Ära seiner aktiven Karriere und der Gegenwart spüren.



Ein weiterer prominenter Ex-Profi, und ebenso wie Ickx mit einer Ferrari-Vergangenheit, war Jean Alesi, der dann für den wohl dramatischsten Zwischenfall des Wochenendes sorgte. Am Steuer eines Ferrari 312 von 1969, einem Formel 1 mit Dreiliter-V12-Power, aber erschreckender Zerbrechlichkeit, fühlte sich der Franzose am Casino-Platz und in der Mirabeau noch sichtlich wohl. Dann kam der Tunnel. Beim Verlassen desselben, nun im gleißenden Licht des Mittelmeers, traf der 312 auf eine Bodenwelle, kam auf den rechten Randstein und schleuderte mit voller Bucht nach links in die Leitplanken. Aufgrund der starken Blessuren am Vorderwagen schien das Wochenende für Alesi gelaufen. Doch was dann folgte, war pure Monaco-Magie.
Mit der für die Fahrerlagerkultur dieses Events typischen Hilfsbereitschaft und viel Goodwill zog das Team in die unterhalb des Yachthafens von Monaco liegende Lagerhalle für Riva-Boote – eine unterirdische Werkstatt von unerwarteter Brillanz, in der sich die Mechaniker an den Wiederaufbau des roten Renners machten. Und das scheinbar Unmögliche geschah: Alesi schaffte es noch rechtzeitig, auf die Strecke zurück – eine Geschichte, wie sie wohl nur Monaco schreiben kann.


Für viele war der emotionale Höhepunkt des Wochenendes Ferraris Corsa Clienti-Programm, das eine Parade von Formel-1-Wagen aus der V10- und V8-Ära durch die Straßen von Monte Carlo organisierte. Nicht mit Repliken oder Hommage-Fahrzeugen, sondern Original-Ferrari, in denen unter anderem Michael Schumacher dreimal den Grand Prix im Fürstentum gewann. Einen Ferrari-V10 aus dem Schwimmbadkomplex herausbeschleunigen zu hören – dessen Kreischen von den Wohnhäusern widerhallte – weckte beinahe Trauer um einen Sound, den der moderne Motorsport nicht mehr erzeugt.

Dies ließ den unvermeidlichen und, wie wir meinen, durchaus berechtigten Wunsch aufkommen, bei zukünftigen Ausgaben des Monaco Historic Autos aus den 1990er- und 2000er-Jahren stärker einzubeziehen. Das Event hat die Vorkriegs- und Nachkriegsepoche stets mit außergewöhnlichem Respekt gewürdigt. Doch da die Fahrzeuge von Schumacher, Häkkinen und Sennas unmittelbaren Nachfolgern selbst bald ins Oldtimer-Alter kommen, spricht einiges dafür, dass eine umfassendere Wiederbelebung dieser Epoche ihren Platz im Programm verdienen würde.


Bis dahin verlassen wir das Fürstentum wie immer: leicht sonnenmüde, die Ohren noch erfüllt vom Lärm vergangener Motoren und fest davon überzeugt, dass kein anderes Ereignis im Kalender dem zynischen Verstand so wenig abverlangt und dem romantischen Herzen so viel. Monaco Historique hielt wie immer alle Versprechen – und, ganz diskret, noch ein wenig mehr abseits davon.
Video by Emanuel Paliotta
Photos by Andrea Klainguti

































