Wie Jack Heuer die Carrera erfand - und Uhrengeschichte schrieb

Es gibt wenige Uhren für Autofahrer, die berühmter sind als die Heuer Carrera. In Basel wurden nun zwei Neuauflagen vorgestellt, die sich am Original aus den 1960er Jahren orientieren.

Ein erstaunliches Comeback

Erstaunlicherweise tragen beide Retro-Carrera nicht den modernen TAG-Heuer-Schriftzug, sondern tatsächlich nur das klassische Heuer-Logo. Dem Original am nächsten kommt jedoch die neue Carrera Telemeter, eine Uhr mit 39 Millimetern Durchmesser, silbernem Zifferblatt und kontrastierenden schwarzen Chronographen-Anzeigen, die Erinnerungen an die legendäre Referenz 3647 aus den 1960er Jahren weckt. Der ebenfalls vorgestellte Carrera Chronometer, eine einfache Uhr mit drei Zeigern und Calibre-6-Uhrwerk besticht derweil mit ihrem Preis von rund 3.500 Euro.

Alles beginnt in Sebring

Für alle, die im Uhrenunterricht nicht aufgepasst haben: Die Geschichte der Carrera beginnt im Jahr 1963, als Jack Heuer – Urenkel des Firmengründers Edouard Heuer –  das 12 Stunden Rennen von Sebring besucht. Die großen Stars des Rennens sind die Brüder Ricardo und Pedro Rodriguez, die für Ferrari antreten und in Mexiko als größte Rennfahrer aller Zeiten verehrt werden. Natürlich waren auch die Eltern der Rodriguez-Brüder nach Sebring gereist – und in der Boxengasse kamen sie mit Jack Heuer ins Gespräch. Vater und Mutter schwärmten nicht nur von der Leistung ihrer Söhne, sie berichteten auch begeistert vom berühmtesten Rennen ihres Landes, der Carrera PanAmericana. Obwohl 1954 die letzte Fahrt des berühmten Langstreckenrennens ausgetragen worden war, ließ sich Heuer von der Begeisterung anstecken – und entschied, den Namen „Carrera“ wieder aufleben zu lassen. 

Carrera hier, Carrera dort

Er entschied, seinen nächsten Chronographen nach dem legendären Rennen zu benennen und sicherte sich umgehend die Rechte, um die Uhr entsprechend zu benennen. Wie das Schicksal wollte, erwarb Porsche fast zur selben Zeit die Namensrechte für einen Sportwagen mit dem Modellnamen Carrera – doch das ist eine andere Geschichte. Schon im Dezember 1963 war die Heuer Carrera bereit zur Markteinführung. Der Fahrer-Chronograph verfügte über ein Stahlgehäuse mit 36 Millimetern Durchmesser, ein manuelles Valjoux-72-Uhrwerk und die Referenznummer 2477D. Wegen ihres 12-Stunden-Messers auf der Sechs-Uhr-Position als „Carrera-12“ bekannt, wurde die Uhr in den USA für 98 Dollar und 45 Cent angeboten. Bald hatten nicht nur professionelle Rennfahrer, sondern auch zahllose automobilbegeisterte Amateure eine Carrera am Handgelenk.

Am Arm zahlreicher Rennlegenden 

Über die Jahre erschien der Carrera-Schriftzug auf zahlreichen Heuer-Uhren; die  Palette reichte von simplen Zeitmessern bis hin zu Automatik-Chronographen mit doppelter Zeitzone und Datumsanzeige. In all ihren Ausführungen blieb die Carrera jedoch eine funktionale und kaum zu verwüstende Einsatzuhr für Automobilisten. Zwei Jahrzehnte lang wurde die Heuer Carrera produziert, zu ihren berühmtesten Trägern zählten Rennsport-Legenden wie Bruce McLaren, Jo Siffert, Ayrton Senna, Niki Lauda und Clay Regazzoni.

Ein Erfolgsmodell kehrt zurück

Anfang der 1980er Jahre wurde das Erfolgsmodell eingestellt. Doch die Fangemeinde ließ nicht locker – und so kehrte die Carrera 1998 im Rahmen einer „Classics“-Serie, die an die ersten Modelle aus den 1960er Jahren erinnerte, zurück auf die Rennstrecken der Welt. Die Retro-Carrera wurde erneut zum Erfolg. In den vergangenen 15 Jahren trugen wieder zahlreiche TAG Heuer den berühmten Schriftzug. Unserer Meinung nach haben jedoch nur wenige andere Remakes den Geist der ersten Heuer Carrera so glaubwürdig in die Gegenwart getragen, wie die beiden in Basel vorgstellten Neuauflagen. 

Fotos: Tag Heuer

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