Ein extrem seltener und geheimnisvoller Hai taucht vor Monterey auf

Selbst bei den verwöhnten Enthusiasten der Monterey Car Week dürfte sich ein Raunen bemerkbar machen: Der überaus seltene und aufregende Monteverdi hai 650 F1 gibt bei The Quail ein Gastspiel. Peter Monteverdis Supercar war zugleich der Schwanengesang einer einmaligen Schweizer Marke.

Beunruhigende Nachrichten, falls Sie planten, bei der morgigen Eröffnung von The Quail Ihren ganz persönlichen Hochkaräter zu enthüllen. Vermutlich dürfte Ihnen das Erscheinen in letzter Minute einer der seltensten, spannendsten und geheimnisvollsten Supersportwagen aus der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts die Schau stellen. Dank einer Kooperation zwischen dem spezialisierten Schweizer Händler Andreas Wüest und Morton Street Partners wird in Pebble Beach der außerordentliche Monteverdi hai 650 F1 zu bewundern sein.

Der extreme und üppig geschwungen gezeichnete hai sollte sich als Schwanengesang der gleichnamigen Marke des verstorbenen Schweizer Entrepreneur Peter Monteverdi herausstellen und verkörperte dessen Ehrgeiz, ein Formel 1-Team zu besitzen – wenn auch nur kurze Zeit. Monteverdi kaufte 1989 die Onyx Squad von dem finanziell klammen Vorbesitzer, musste aber im darauffolgenden Jahr bereits wieder die Segel streichen nachdem man an nur 10 der 16 Rennen der Saison 1990 teilnahm. 

So kurz dieses Gastspiel in der höchsten Klasse des Motorsports auch gewesen sein mag, es motivierte Monteverdi, noch einmal sein Glück im Automobilbau zu versuchen. Das Ergebnis nach einer achtjährigen Pause war sogar noch atemberaubender, als es schon der mit Mittelmotor ausgerüstete Ferrari-Kontrahent hai 450SS gewesen war, der 1970 für Furore beim Genfer Autosalon gesorgt hatte. Wieder entschied sich Monteverdi für den beziehungsreichen Namen hai, aber diesmal sollte der Sportwagen der ultimative Prädator für den Trackday sein und ausgelegt nach den Konzepten der F1. So tauchte 1992 der komplett neue hai auf, ausgestattet mit „einem Bienenwaben-Sandwich aus Karbonfaser und Aluminium“ – eine Karbon- und Glasfaser-Karosserie, Formel 1-Aufhängung, AP-Motorsportbremsen aus Karbon-Keramik und vor allem einem brüllenden 3,5-Liter-V8-F1-Motor von Cosworth, der 650 Leistung bei wahnsinnigen 11.000 Umdrehungen/Min produzierte.

Mit einem Gewicht von nur 850 Kilo soll der hai 650 F1 die Marke von 200 Stundenkilometern in nur acht Sekunden erreicht haben und die Tachonadel dann bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 335 Stundenkilometer schieben. In den Unterlagen zur Premiere war auch Rede von einem weniger leistungsstarken Aggregat als Option „für Nutzung auf der Straße“. Monteverdi kalkulierte einen hohen aber durchaus nicht komplett unvernünftigen Preis von 850.000 Schweizer Franken, was doppelt so viel war als der zeitgleiche Ferrari F40 und 45.000 US-Dollar mehr als ein McLaren F1. Die Produktion sollte auf zwölf Exemplare limitiert sein. Es sollten dann aber nur drei Autos gebaut werden: Ein weiterer roter hai und ein drittes, silberfarbenes Versuchsfahrzeug – beide werden in Luzern im Verkehrshaus der Schweiz gezeigt. Es sollten die letzten Monteverdi-Modelle werden, die das Licht der Welt erblickten. 

Obwohl dieser hai 650 F1 unter den beiden einsatzbereiten Exemplaren die meiste Fahrzeit verbuchen konnte, belief auch sie sich nur auf erstaunliche fünf Stunden. Die meiste Zeit verbrachte er als statisches Ausstellungsstück. Er trägt sogar noch dieselben Pirelli P-Zero-Reifen, die seinerzeit im Werk aufgezogen worden waren. Allerdings gab dieser hai ein „dynamisches“  Gastspiel anlässlich von Peter Monteverdis 60. Geburtstag 1994 – vier Jahre vor seinem Tod – und außerdem umrundete er 2006 den Kurs von Dijon beim Monteverdi Trackday und wurde 2017 beim Genfer Autosalon zum 50. Jubiläum der Marke ausgestellt.

Wir erreichen Andreas Wüest irgendwo in der Nähe der Golden Gate-Brücke bei San Francisco, nur wenige Tage bevor der Hai 650 F1 sein sensationelles Erscheinen bei The Quail machen soll. Er erzählte uns von den stürmischen Vorbereitungen zu dieser plötzlichen transatlantischen Reise. „Ich wollte eigentlich schon immer bei der Monterey Car Week dabei sein, aber die Gelegenheit hatte sich nie ergeben. Ich war jedenfalls gerade dabei, den Hai 650 F1 mit meinen Kontakten bei Morton Street Partners zu besprechen. Am nächsten Tag riefen sie zurück und sagten: Bringe ihn zu The Quail! Die ganze Sache war so plötzlich und unerwartet, dass wir alles unglaublich schnell organisieren mussten. Zum Zeitpunkt der Einladung wusste ich nicht einmal, ob das Auto fahrbereit war, aber wir hatten da schon ein Fotoshooting mit dem Hai auf einem Schweizer Flugfeld arrangiert, dass die Fotos von Roger Gloor und Carl Wagner im Monteverdi-Buch nachbilden sollte.

"Wir hatten so wenig Zeit, dass wir uns damit abgefunden hatten, keine Fahraufnahmen machen zu können. Aber beim zweiten Versuch sprang er an. Unglaublich. Als das abgeschlossen war, mussten wir das Auto in ein Flugzeug bekommen – per Schiff hätte es viel zu lange gedauert. Zugleich mussten wir sehen, dass wir in die USA einreisen konnten, schwer genug mit den Covid-Beschränkungen.“ Wüest löste diese logistische Herausforderung, in dem er nach Mexiko flog, wo er und sein Kollege 15 heiße und schwüle Tage in Quarantäne verbrachten, ehe sie die Grenze in die USA passieren durften. Schließlich waren sie mit dem hai 650 F1 in San Francisco in einem Zolllager wieder vereint. „Es waren aberwitzige drei Wochen“, erzählt Wüest, „aber endlich in Monterey zu sein und dann noch dieses Auto auszustellen, ist für mich die Erfüllung eines Traums. Wir erwarten große Aufmerksamkeit, weil er so selten und geradezu exotisch ist. 

„Wenn es Peter Monteverdi gelungen wäre, den hai 650 F1 tatsächlich in Serie herzustellen, sogar in seiner limitierten Produktion, dann wäre dieses Modell so berühmt wie der F40 oder sogar der McLaren F1. Es ist interessant, wie er Elemente aus anderen Autos in das Design integrierte: Die Lenkradstellung ähnelt sehr stark der des F40 und die Gestaltung des Interieurs wurde vom Bugatti EB110 inspiriert. Es ist ein Privileg, dieses Auto zu besitzen und mehr noch eine Ehre, es im Rahmen von The Quail zeigen zu dürfen. Ich kann das alles noch nicht so richtig glauben. Jetzt hoffen wir, dass sich alle Besucher der Monterey Car Week diesen hai nicht entgehen lassen. Dann wird es zum nächsten Flugzeug gebracht und nach Hause in die Schweiz transportiert. Das bereitet dann hoffentlich weniger Stress als die Anreise Hals-über-Kopf!“

Eine ganz große Frage steht im Raum: Kann man den Hai 650 F1 nun tatsächlich kaufen? „Offiziell ist er nicht verkäuflich“, verrät Wüest. Aber wie alles im Leben hat wohl auch der hai einen Preis…

Photos: Rémi Dargegen © 2021 

Sie finden den außerordentlichen Monteverdi hai 650 F1 sowie andere faszinierende Sammlerautos, die von Andreas Wüest angeboten werden, im Classic Driver Markt.
Dieser gesponserte Beitrag wurde produziert und veröffentlicht als Teil einer bezahlten Partnerschaft mit der Andreas Wüest. Classic Driver ist nicht für Inhalt und Information des Beitrags verantwortlich.