Abenteuer in den Schottischen Highlands mit Amy und "Mayo the Mini", Teil 2

Letzte Woche hat Classic Driver-Fotografin Amy Shore von ihrem Road Trip durch die schottischen Highlands berichtet. Im abschließenden zweiten Teil geht die Reise am Steuer von „Mayo”, ihrem Mini Mayfair, Baujahr 1985, weiter. Inklusive wunderbarer Bilder.

Falls Sie den ersten Teil verpasst haben, können Sie ihn hier nachlesen.

Tag 5 - Der Drängler

Ich sitze hier und trinke Rotwein und esse ein Spinat-Wallnussbrot, dass auf einem Silbertablett serviert wurde, während das Hotel mich erstaunlicherweise mit einem Song von Enya beschallt. Dabei sind es nur drei Tage her, dass ich zu krachender Musik durch Glencoe gerast bin und die kurvigen Pässe mit einem glücklichen „Wheeeee” untermalt habe. Daran erinnern jetzt nur meine klobigen, schlammigen Stiefel in dieser Umgebung, in der alle polierte Schuhe und High Heels an den Füssen tagen. Ich habe zwei paar Schuhwerk eingepackt: Feste Wanderstiefel und, nun ja, noch ein paar feste Wanderstiefel. Dieser Abend feiert meine Rückkehr in die Zivilisation, die sich nicht nur in der Straßenbeleuchtung äußert, sondern auch in einem nervenden, drängelnden Subaru, der während der ganzen Fahrt auf der A9 an Mayos Heck hängt. Aber der Blick auf die Badewanne, als ich mein Zimmer betrat, hat mich für den Verdruss entschädigt.

Die heutige Etappe von Ullapool über Tongue nach Inverness war unglaublich nass und kalt, deswegen habe ich die meisten Bilder aus der kuscheligen Wärme des Autos geschossen. Während der Fahrt hat es mir ein kindliches Vergnügen bereitet, mit den Rädern die Pfützen zu streifen, und Spritzfontänen zu produzieren. Von Zeit zu Zeit habe ich mich bei den Pfützen verkalkuliert und die Windschutzscheibe heftig geduscht. Die Farbtöne, die mich auf meiner schlängelnden Reise zwischen Lochs und Weihern begleiteten, waren so kräftig und schön, dass ich meine leicht getönten Seitenfenster immer wieder öffnen musste, um sicher zu sein, dass dieses natürliche Farbschauspiel nicht durch den Filter entstanden war. Morgen steuere ich Edinburgh an, die Hauptstadt dieses faszinierenden Landes. Ich habe vor, lässig vor einer coolen Mini-Werkstatt vorzufahren. Aber nachdem sie auf meine E-Mails nicht geantwortet haben, muss ich wohl einfach so lässig vorfahren und Fotos machen. Ich werde mich auch auf die Suche nach einem Spa machen. Ich bin jetzt schon über 1.000 Meilen in einem 30 Jahre alten Auto unterwegs und die Schultern schmerzen.

Tag 6 - Der Mini-Flüsterer

Heute hatte ich es nach langer Zeit wieder mit Menschen zu tun, die nicht zum Hotelpersonal gehören oder kellnern. Ich habe einen Großteil des Vormittags und des Nachmittags auf der sehr nassen A9 damit verbracht, meinen Mayo durch die unwetterartige Gischt der vorausfahrenden Lastwagen zu lotsen. Mein Blickwinkel war stark eingeschränkt: Ich schielte abwechselnd nach vorne und nach rechts, weil das die einzigen Scheiben waren, bei denen sich das tropfende Kondenswasser abwischen ließ. Es war einfach nur noch langweilig. Das Highlight dieser Fahrt war, als ich ein Schlagloch in der Größe eines Swimmingpools erwischte und der linke Vorderreifen nicht platzte.

Mein Ziel war eine fantastische Werkstatt außerhalb von Edinburgh - die Mini Works. Simon restauriert dort seit 30 Jahren Minis und ist überzeugt, dass seine Kunden ohne Abstriche nur das Beste verdienen. Sein Berufsethos ist beeindruckend. Leider hat er deswegen auch kaum Zeit, an seinen eigenen Minis zu arbeiten. Wer die Dienste von Simon und seinem Team in Anspruch nehmen will, sollte viel Geduld mitbringen, denn die Warteliste für diese engagierte Werkstatt sehr lang. Ich habe mich selber davon überzeugen können, dass es sich auf jeden Fall lohnt. Morgen mache ich mich auf die Suche nach einigen bezaubernden und stillen Ecken von Edinburgh, um Mayo in Szene zu setzen. Danach fahre ich südwärts zum „Angel of the North”. Mein Abenteuer neigt sich allmählich dem Ende zu. Einerseits bin ich traurig, aber auch von der Reise beglückt. 

Tag 7 - Der Engel ruft

Ich habe heute einige bemerkenswerte Momente erlebt. Zum ersten Mal habe ich einen gewaltigen Schwarm von Staren am Himmel beobachtet und dann hat mir ein befreundeter Fotograf ein irgendwie surreales Bild von mir geschickt - nämlich davon, wie ich gerade in Edinburgh um die Ecke biege! Aber noch bemerkenswerter war meine Entdeckung beim Tanken: Der Liter kostete weniger als ein Pfund! Den Morgen habe ich damit verbracht, in Edinburgh auf der Suche nach Locations herum zu fahren. Ich hatte Hilfe von einem Freund, der wohl nicht mit dem heftigen Verkehr am Samstagmorgen gerechnet hatte. Ich saß im Stau, während das Kupplungsbein schmerzte. Aber mir gelangen einige hübsche Bilder von der Altstadt und den eleganten Wohnvierteln. Ach ja, und ein wenig gelungenes Bild des Minis vor dem berühmten Schloss der Stadt. An dieser Stelle seien alle Besitzer eines betagten Fahrzeugs vor dem Kopfsteinpflaster gewarnt. Es ist wie diese rüttelnden Power Plates aus dem Fitnessstudio. Nur, dass man danach nicht schlanker ist.

Meine letzte Tagesetappe führte mich zum Engel des Nordens, der mit einer Flügelspanne von 54 Metern die größte Skulptur des Königreichs ist. Das Foto, das ich mich vorgenommen hatte, würde Schnelligkeit und Geschicklichkeit von mir verlangen, denn Fußgängerwege zu befahren kommt nicht gut an. Ich kam an und es dämmerte bereits. Ich musste jetzt schnell sein. Der Parkplatz war ziemlich voll, also schnappte ich meine Kamera, um heimlich das Terrain zu erkunden: Ich wollte sehen, wo das Gras zu nass und glitschig ist, um bei einer möglichen Entdeckung einen raschen Getaway zu schaffen. Sollten da Poller sein, musste ich bei der Flucht auf der Hut sein.

Nachdem ich mir einen Aktionsplan zurecht gelegt hatte, wartete ich den idealen Zeitpunkt zwischen Touristenströmen ab. Ich gab Gas und los ging's auf dem Fußgängerweg. Eine scharfe Rechtskurve um die Informationstafel führte mich den Hügel hinauf zu den Riesenfüßen des Engels. Bei laufendem Motor griff ich meine Kamera, lief den Hang hinunter, vorbei an verdutzten Besuchern und machte schnell ein paar Aufnahmen bevor ich wieder auf den Hügel - weiter fotografierend -stürmte. Aus dem Rückwärtsgang machte ich dann bergab ein 180-Grad-Manöver - allerdings im Vier-Punkt-Stil der Fahrschule, ich bin nicht James Bond - und schoss an der Tafel vorbei (zwei lesende Touristen lächelten und winkten mir zu), um legal auf der Hauptstraße davon zu brausen. Mission erfüllt. Zugegeben, das war kein herausfordernder Stunt, aber für mich sehr aufregend.

Tag 8 - Eine emotionsgeladene Heimkehr

Dies ist mein letzter Eintrag ins Logbuch unserer Reise. Ich muss um fünf Uhr morgens aufstehen, weil ich ein Shooting habe. Aber wenigstens werde ich vom britischen Classic Driver-Chefredakteur in einem Aston Martin DB9 abgeholt. Worum es da geht, werden die Leser bald erfahren. Was mich besonders freut: Das Auto soll beheizbare Sitze haben. Jedenfalls habe ich heute eine kleine Pause in der sehr verregneten Stadt York gemacht, um noch ein paar letzte Bilder einzufangen. Ein schlecht gelaunter Einheimischer hat mich nach einem misslungenen Fotoversuch beschimpft, aber danach habe ich die Glocken vom Münster gehört. Ich musste dann auf schnellstem Weg nach Leicester, um gerade noch rechtzeitig beim „Last Night of the Autumn Proms” von De Montfort Hall zu sein. Ein fantastisches Konzert, und ich habe, wie sich das für eine Britin gehört, mein Fähnchen geschwungen.

Diese letzte Woche zählt zu den glücklichsten und lustigsten meines Lebens. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich jeden Moment mit meinem kleinen Auto genossen habe. Ich hoffe sehr, dass mein kleines Abenteuer andere inspirieren mag, ihren eigenen Road Trip voller Wunder zu unternehmen.

Fotos: Amy Shore für Classic Driver © 2015

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