Red Rose Antiques in Paris feiert die goldene Ära des Reisens

Die Welt der Antiquitäten ist schon längst nicht mehr verstaubt und altmodisch. Mit klassischen Jukeboxen, Tischkickern aus den 1930er-Jahren und Vintage-Gepäck von Louis Vuitton bis Goyard beweist die Pariser Vintage-Expertin Rose Grun, dass schöne alte Dinge auch ziemlich cool sein können.

Rose Grun hatte eigentlich keine andere Wahl: Als Kind wurde sie von ihrer Mutter in einem kanariengelben Mustang-Cabrio aus Kalifornien durch Paris chauffiert. Mit ihrer Tante und deren beeindruckendem historischen Gepäck unternahm sie erste Reisen. Es war also nur folgerichtig, als sich Rose für eine Karriere entschied, die sie auf der Suche nach wunderbaren alten Koffern, Taschen und Sammlerstücken um die ganze Welt führen sollte. Wir besuchten die Frau mit den flammenroten Haaren in ihrem Geschäft Red Rose Antiques im Pariser Village Suisse, um zu erfahren, wie sie zu einer der weltweit führenden Spezialistinnen für Vintage-Reisegepäck geworden ist.

Was war Ihre erste Begegnung mit klassischem Reisegepäck?

Ich muss etwa 14 Jahre alt gewesen sein. Meine Tante hatte eine Sammlung von Vintage-Objekten. Wenn wir mit ihr zusammen waren, hatten wir das Gefühl, in einer anderen Zeit zu leben. Einmal, bei einer Kreuzfahrt, hatte sie eine ganze Sammlung von alten Gepäckstücken dabei: Hutschachteln, Koffer und einen Schrankkoffer nur für ihre Schuhe!

War Ihnen immer schon klar, dass Sie in dieser Marktnische arbeiten wollten?

Nachdem ich die Universität mit einem Abschluss in International Business verlassen und meinen Masters in Englisch gemacht hatte, wusste ich noch nicht so richtig, welchen Beruf ich ergreifen wollte. Dann begann ich mit meinem Ehemann Antiquitäten zu kaufen. Durch den Umgang mit Kunden, beim Besuch von Ausstellungen und Museen und durch die vielen Reisen lernte ich mein Handwerk!

Als Sie Red Rose Antiques gründeten, wussten Sie da schon, dass Sie sich auf Vintage-Gepäck spezialisieren würden?

Zu Beginn von Red Rose Antiques haben wir überhaupt kein Reisegepäck verkauft. Unser Spezialgebiet waren britische Möbel der Jahrhundertwende. Ich habe zusammen mit meinem Ehemann viele Antiquitätenmessen besucht, und einmal entdeckten wir ein Reiseset, das dem meiner Tante glich. Wir haben es spontan gekauft. Einen Tag nachdem wir sie im Geschäft ausgestellt hatten, wurden die Stücke an eine berühmte amerikanische Modemarke verkauft, die Merchandising mit altem Gepäck betrieb. Dann bestellte die Marke noch mehr Gepäck bei uns – mein Mann und ich machten uns also auf die Suche, um noch mehr zu finden. So kam es, dass sich Red Rose allmählich auf Vintage-Gepäck konzentrierte. Wir kauften immer mehr Stücke, und nach ein paar Jahren bestand die Hälfte unseres Inventars aus Gepäck in jedem erdenklichen Stil – Koffer und Taschen aus Leder und Aluminium, klassische und sehr ungewöhnliche Teile, Modelle von berühmten und wenig bekannten Herstellern. Heute sind wir darauf stolz, die größte Auswahl an Gepäck von Louis Vuitton in ganz Paris anbieten zu können.

Wie unterscheidet sich Red Rose von anderen Spezialisten, die mit Vintage-Gepäck handeln?

Wir bieten die größte Bandbreite an altem Luxusgepäck in Paris, außerdem sind unsere Teile in ausgezeichnetem Zustand, da wir höchste Ansprüche beim Ankauf stellen. Ein anderer großer Unterschied ist, dass wir daneben auch klassische italienische Lampen, alte Tischfußballsets, Safes und Jukeboxen offerieren. Es kommt vor, dass ein Kunde wegen eines Schrankkoffers oder einer Truhe vorbeikommt und dann mit etwas völlig anderem das Geschäft verlässt.

Gibt es viel Wettbewerb in Ihrem Segment?

Eigentlich nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall – wir sind allesamt Kollegen. Man kennt sich und wir schicken einander Kunden, die etwas sehr Spezifisches suchen und beim jeweiligen Händler nicht fündig wurden.

Gefälschte Luxuslederwaren sind ein brisantes Thema bei neuen Produkten. Gilt das auch für die Vintage-Branche? Und wie können sich Käufer vor solchen Kopien schützen?

Leider tauchen auch immer wieder gefälschte Louis Vuitton-Koffer auf. Sie zu entdecken ist aber relativ leicht, weil die Qualität wirklich miserabel ist. Der einzige Rat, den ich geben kann, ist der, von anerkannten Händlern zu kaufen – Spezialisten mit einem echtem Geschäft, mit einem attraktiven Angebot und die auch in der Lage sind, eine echte Rechnung auszustellen.

Wer sind Ihre Kunden und was machen sie mit dem Gepäck?

Wir haben ganz unterschiedliche Kunden. Einige Kunden  nutzen die Stücke – vor allem Handgepäck – tatsächlich für Reisen, andere erwerben sie als Dekoration für zuhause, denn die großen Koffer eignen sich als Tische im Wohnzimmer, als Schreibtische oder als elegantes Staumöbel am Fußende eines Bettes. Zu unseren Kunden zählen auch Sammler von Louis Vuitton und Goyard, die bei uns mit dem Sammeln begonnen haben und jedes Jahr zurückkehren, um ihre Kollektion zu erweitern. Wir stellen fest, dass unsere französischen und ausländischen Kunden sehr treu sind!

Wie wichtig ist die Marke  zum Beispiel Louis Vuitton oder Goyard  für den Wert von klassischem Gepäck?

Marken spielen in unserer Welt eine ganz wichtige Rolle, denn sie stehen für Topqualität, Expertise und guten Geschmack. Mitte des 19. Jahrhunderts haben viele kleine, begabte Werkstätten versucht, die großen Namen zu kopieren – aber sie waren letztlich nicht erfolgreich damit. Goyard erlebt derzeit eine wunderbare Renaissance am Markt – nicht zuletzt wegen des heutigen Besitzers Jean-Michel Signoles und seinem Engagement. Aber als Luxusmarke ist es immer noch eher ein Geheimtipp. Louis Vuitton hingegen ist auch einem breiteren Publikum bekannt. Jedes dieser Häuser hat ein spezielles Klientel. Mitarbeiter von Vuitton besuchen uns regelmäßig, ebenso Monsieur Signoles, mit dem wir eine ausgezeichnete Beziehung pflegen.

Haben Sie auch eine persönliche Vintage-Sammlung?

Ich habe tatsächlich meine eigene kleine Sammlung. Und wissen Sie was? Es sind die Gepäckstücke meiner Tante, die sie mir vermacht hat, weil sie wusste, das sie bei mir in guten Händen sein würden. Für mich besitzen diese Teile vor allem den Wert der Erinnerung.

Was ist das beeindruckendste und ungewöhnlichste Stück in Ihrem Bestand?

Eine Kommodentruhe der amerikanischen Marke Hartmann. Diese Reisekofferform ist sehr ungewöhnlich, weil sie auf einer Scheibe mit Rollenlager ruht. Somit konnte man sie drehen, um Zugang zu ihrem Innenleben zu bekommen. Sie besitzt eine Dressingabteilung auf der einen Seite und eine Reihe von Tablettfächern auf der anderen. Das Exemplar wurde aus Pergament gefertigt und ist einfach wunderschön. Aber was wirklich aufregend ist: Es gibt da ein paar Buchstaben und eine aufgemalte Stadt – M.M. und Hollywood – sowie einige Rennstallstreifen. Manchmal träume ich davon, dass diese beiden Buchstaben für Marilyn Monroe stehen.

Was wird Ihrer Meinung nach das nächste große Sammlerstück werden?

Alle riesigen Schrankkoffer, die zwischen 1860 und 1950 hergestellt wurden – vor allem jene, von denen nur Kleinserien entstanden. Das wird das kommende Must-Have der Sammler. 

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2017