Reborn to be wild: Die Chopper ist wieder da

Ein Chopper ist und bleibt der unverbesserliche Bad Boy unter den Motorrädern. Wer wollte damals nicht so cool rebellisch cruisen, wie die Herren Fonda, Hopper und Nicholson? Jetzt feiert ein Bildband den ur-amerikanischen Way of Ride.

Chopper, diese abgespeckten, lässigen Motorräder für die coolen Kerle der 1960er haben es gerade wieder einmal bis in die Nachrichten geschafft. Der Grund: Die Harley-Davidson namens „Captain America“, die im Kultfilm von Peter Fonda gefahren wurde, wechselte kürzlich bei einer Auktion in Kalifornien für über eine Million Euro den Besitzer. Genau genommen waren im Film gleich mehrere Modelle für Fonda im Einsatz. Ein unrestauriertes Exemplar soll sich in der Garage eines Texaners namens Gordon Granger befinden, der behauptet, sein Bike stamme der selben Quelle wie das Auktionsmodell – vom Schauspieler Dan Haggerty, der damals in Easy Rider eine kleine Nebenrolle hatte. 

Ikonen mit Schwalbenschwanz und Sternenbanner

Wie dem auch sei, die Ikonen mit dem Schwalbenschwanzauspuff, der Sternenbannerlackierung und dem tief montierten, gesteppten Sitz sind auf immer verbunden mit einem der grandiosesten Road Trips der Filmgeschichte: Die Weite des Westens, ein leerer, endloser Highway und Fonda, sein Kumpel Dennis Hopper und Sozius Jack Nicholson unterwegs von Los Angeles nach New Orleans. Merkwürdig ist dabei, dass ausgerechnet die Chopper zum Inbegriff von Freiheit und Abenteuer, zum Bike als Mittel der Erleuchtung geworden sind. Denn kaum ein Motorrad war je so unbequem, so unpraktisch und lies sich nur so widerwillig handhaben wie ein Chopper. 

Der radikale Look der Urform verdankt sie übrigens den „Bobbern“, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Armeebeständen abverkauft wurden und als Markenzeichen eben jenen „Bob“ hatten, den frechen Schwung am Ende des vorderen Schutzbleches. Der Bobber-Style prägte die 1950er, bis in den 1960er Jahren kleine kalifornische Werkstätten wie jene des legendären Arlen Ness in San Francisco den Rahmen und die Vordergabel in die Länge zogen, vorne schmale große Reifen und hinten dicke Walzen montierten. Und natürlich den unverschämt hohen Lenker, bekannt als „Ape-Hanger“. 

Von der Counterculture in den Mainstream

Die Premiere von Easy Rider im Jahr 1969 sorgte für eine riesige Nachfrage. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurden die Designs immer kühner und weltweit bildete sich eine kleine, verrückte Chopper-Szene. In den 1990er Jahren schließlich war aus dem mageren Rebellenbike eine Kunstform geworden, die auch reiche Sammler faszinierte. Vollends im Mainstream angekommen, gab es mit American Chopper sogar eine TV-Serie, die mit viel Slapstick verpackt die Geschicke der Teutul-Familie samt ihrem Bike-Shop „Orange County Choppers“ erzählte.

Eine der führenden Chronisten des Motorrads hat jetzt die Geschichte dieses Phänomens aufgezeichnet. Das Buch von Paul d'Orleans, das schlicht nur „The Chopper“ heißt, erzählt von der Rolle, die Custom Bikes in der Populärkultur und der jüngeren Geschichte gespielt haben. Es ist nicht nur eine ausführliche Auseinandersetzung mit diesem Genre, sondern spannend zu lesen. Nach der Lektüre ist eines klar: Chopper ordern, Highway und Sonnenuntergang suchen und in den Sattel schwingen.

Fotos: Gestalten Verlag

„The Chopper - The Real Story“, Paul d'Orleans und Robert Klanten, 288 Seiten, farbige Abbildungen, Preis: 49.90 Euro, erschienen im Gestalten Verlag. Weitere Informationen unter shop.gestalten.com.