Morgan Plus 4: Good Morgan!

Roadster-Fahren in Reinkultur: der knorrige, leichte und dennoch kraftvolle Morgan Plus 4 ist das ideale Fluchtauto für den Alltag. Klassischer Look und moderne Motortechnik machen ihn zu einem aufregenden wie verläßlichen Begleiter für freie Sonnenstunden, Tage oder Wochenende. Komfortverzicht ist hier eine Tugend. Seine Direktheit begeistert. Genügsamkeit beim Verbrauch und Werterhalt überzeugen.

Roadster-Leben: Dieser Morgan Plus 4 ist wie geschaffen dafür. Er wirkt verwegen und sportlich, erscheint schon im Stand als Fahrmaschine. Tief kauert der Brite auf dem Basalt. Matt lackierte Farbpartien und schwarze Speichenfelgen erzeugen einen verwegenen Vintage-Look. Der Plus 4, Jahrgang 2009, wirkt viel älter, als er tatsächlich ist. Cool! – diese Beschreibung trifft bei diesem Zweisitzer ehrlich zu. Lederpartien in kräftigem Orange bewirken einen energiegeladenen Kontrast. So wenigstens der erste Eindruck an diesem frühen Morgen.

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Auch das Interieur zeigt "Burnt Orange". Dazu gibt es ein Armaturenbrett mit Kohlefaserdekor, klassischen Rundinstrumenten, metallischen Kippschaltern und ein griffiges 13-Zoll-Moto-Lita-Lenkrad mit Wellenadapter. Ein pfiffiges Detail sind die Lenkstockschalter aus Edelstahl. Sie ersetzen die üblichen Hebel aus Kunststoff und komplettieren den wertigen Eindruck. Ein sinnvolles Gimmick im Innenraum ist die nachgerüstete Sitzheizung, welche die Saison des Offenfahrens deutlich verlängert oder – so wie bei uns – früher beginnen läßt. Das Radio mit Fernbedienung ist versteckt unterhalb des Armaturenbretts verbaut. Ein auffälliger Badge anläßlich des 100-jährigen Jubiläums der Marke Morgan vervollständigt links vom Steuerrad den Gesamteindruck im Interieur. So wirkt auch der Innenraum stimmig.

In der Außenansicht wirkt der noch junge Morgan bereits wie ein gereifter Klassiker. Hierzu tragen neben der ungewöhnlichen Lackierung das traditionelle Verdeck (Old Type Hood) in Stoff, eine Low Line Gepäckbrücke mit Morgan-Logo und rustikale Stoßstangenhörner statt der üblichen Stoßstange bei. Chassis-Abdeckung und Verdeckspannhebel wurden auf das Fahrzeug abgestimmt. Auch das Tonneau ist aus Stoff und mit zusätzlichen Reißverschlüssen gefertigt. Die schwarze Roadster-Persenning unterstreicht im geschlossenen Zustand die flache Schulterlinie des Fahrzeugs und erfüllt zudem einen praktischen Zweck: Der Fahrtwind greift deutlich weniger stark ins Cockpit und macht auch eine offene Fahrt bei knapp über dem Gefrierpunkt möglich – die passende Kopfbedeckung nebst Handschuhen und Fliegerjacke mit Schafsfellkragen vorausgesetzt. Ein weiteres Detail: Das Plus 4 Abzeichen am Heck ist nicht wie üblich in Chrom gehalten, sondern ebenfalls in Burnt Orange. Konsequent!

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Auch die Fahrzeugtechnik erhielt kleine Erfrischungen. Unter der Motorhaube sorgt ein KN-Sportluftfilter für besseren Durchsatz. Die Morgan Park Sidepipe Auspuffanlage erinnert an den Morgan Aero 8 und verstärkt diese Wirkung. Sie bietet zudem einen kraftvolleren Sound. „Der Wagen brummt bereits im Leerlauf tiefer und bietet beim Hochziehen im zweiten oder dritten Gang einen echten Wohlklang“ schwärmt Eigentümer Dirk Suhl aus Schleswig-Holstein über diese Änderung.

Davon wollen wir uns überzeugen. Mit dem für einen Morgan typisch metallischen „Flapp“-Geräusch fällt die leichte und niedrige Tür ins Schloß. Schnell ist der Sitz in Position gebracht. Der Griff nach dem Gurt reicht weit zurück und wirkt aufgrund des niedrigen Anschlags oberhalb der Rückenlehne etwas umständlich. Morgan-Fahrer kennen das. Und schmunzeln darüber. Intuitiv greifen die Hände nach dem Lenkrad. Das paßt. Los geht die Fahrt. Vorher noch eine kurze Pedalkontrolle im engen Fußraum. Ist hier das Gas? Nein, es ist die Bremse. Aha! Der Schlüssel mit dem langen Bart verschwindet im Schloßkasten hinter dem Lenkrad. Die Handbremse fliegt nach vorne und mit einem kernig-kehligen Bellen erwacht der 145 PS starke Motor des Plus 4. Die ersten Meter Rangierarbeit verlangen umsichtige Blicke. Hat man sich aber erst einmal an die klaren Begrenzungen des Morgan gewöhnt, gelingt auch das Rangieren auf engstem Raum. Das kleine Lenkrad verlangt dabei nach beherztem Zugriff. Servolenkung? Fehlanzeige. Die braucht es auch nicht, denn der knapp 900 Kilogramm leichte Wagen trägt den Motor weit hinter der Vorderachse. Rollen die Räder frei, ist zackiges Einlenken kein Problem.

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Der Motor verteilt seine zwei Liter Hubraum auf vier Zylinder. Sehr zügig spurtet der Roadster auf 100 km/h. In nur 7,5 Sekunden hat der Morgan die Marke erreicht. Jede Sekunde davon beschert neue Glücksgefühle. Das Beschleunigen, der zunehmende Fahrtwind, das Kurshalten am Volant. Die Lenkung ist wie eh und je direkt. Zwar läuft der Vorderwagen der ein oder anderen Längsrille hinterher, mit kleinen Korrekturen sind diese Attitüden indes schnell pariert. Die nach vorne zulaufende Motorhaube, die Kotflügel mit den Positionsleuchten weisen den Weg voraus und zittern scheinbar vor Freude, wenn die nächste Kurve näher fliegt. Allmählich hat auch der Abgasstrang seine Betriebstemperatur erreicht. Bis 3.000 Touren wummert es sonor unter dem Auto, bei höheren Drehzahlen schwillt das Volumen an. Kernig, dann metallisch laut. Oberhalb von 5.000 Umdrehungen trompetet die Sidepipe eine Drehzahlarie. Furios! Allzu gerne nimmt man das Gas zurück, um dem Morgan beim nächsten Kurvenausgang erneut die Sporen zu geben.

Erfreulich ist bei dem aktuellen Plus 4 zudem das Niveau der Verarbeitung. Kaum etwas klappert, schlägt oder wirkt flatterig. Das Auto klingt und fühlt sich solide an. So wünscht man sich das. Als Zugabe schenkt der Morgan Plus 4 einen Verbrauch, der die Geldbörse schont. Gerade einmal knapp über fünf Liter auf 100 Kilometer hat der Vierzylinder-Einspritzer aus dem Tank gezogen. In Relation zur Fahrfreude ist das ein geradezu sensationeller Wert und mehr als zeitgemäß. Ich beende den Morgan-Drive und ziehe Bilanz: Der Plus 4 ist eine kompromißlose Fahrmaschine, die jeden Kilometer ernst nimmt und mit großem Fahrspaß belohnt. Es muss nicht unbedingt der stärkere Morgan Roadster oder der potente Morgan Aero Supersports sein. Was kann man hier noch verbessern ohne den urtümlichen Charakter des Wagens zu verwässern? Meiner Meinung nach nichts. Der Morgan Plus 4 ist ein britischer Roadster par excellence.

Text & Fotos Mathias Paulokat