Zwischen Autos und Kunst – die Londoner Galeristin Juliette Loughran

Juliette Loughran kommt aus einer autoverückten Familie. Sie arbeitete im väterlichen Unternehmen und verkaufte exklusive Automobile, ehe sie sich mit einer eigenen Kunstgalerie in London selbständig machte. Mit Classic Driver sprach sie über Autos, Kunst und warum ihre Barbie einen Bizzarrini fuhr.

Als Tochter des angesehenen Luxusauto- und Klassikerhändlers William Loughran war es nur selbstverständlich, dass aus Juliette Loughran ein „Car Girl” wurde. Ihre früheste Erinnerung an ein Autoautomobil: Ein beneidenswerter Blick über den Dom der Motorhaube eines Viernockenwellen-Ferrari 275 GTB und ein begeistertes Quietschen, als ihr Vater den mächtigen V12 beschleunigte. Aber obwohl Juliette diese besondere Faszination für die automobile Magie nie verloren hat, war es die Faszination für moderne Kunst, die sie einen eigenen erfolgreichen Weg einschlagen ließ. Nachdem sie das Geschäft von der Pieke auf in der Firma ihres Vaters gelernt hatte, machte sie sich mit ihrem Lieblingsprojekt, einer Galerie in London, ihre ersten eigenen Schritte. Die Galerie bekommt von Fachkreisen viel Lob, vor allem für das Konzept, an immer wieder anderen Orten auszustellen. Sie versammelt zudem einige der bekanntesten Namen in der zeitgenössischen Kunst. Wir begleiteten Juliette auf ihrem morgendlichen Weg zum jüngsten Galerieort mitten im Herzen Chelseas - jedoch nicht, ohne zuvor in den kleinen Straßen Kensingtons noch ein paar Runden in ihrem geliebten Morris Minor Convertible zu drehen.

Morgens unterwegs in London

Was hat es mit dem Morris Minor auf sich?

Mein Vater kaufte den Morris Minor, als ich vier Jahre alt war mit dem Gedanken, ihn mir später zu schenken. Das Auto hat für sein Alter kaum Kilometer auf dem Tacho und ist vollständig original. Damals war ein Kunde auf der Suche nach einem Ferrari in den Showroom gekommen, mein Vater war aber ebenso interessiert am Morris Minor dieses Mannes. Irgendwie einigten sie sich dann auf einen Deal. Inzwischen wollen mir die Leute dauernd das Auto abkaufen. Aber ich werde mich nie davon trennen, weil es schon so lange ein Teil meines Lebens ist und einen großen emotionalen Wert für mich besitzt. Trotz der vielen Exoten, die herumstanden, machte mein Vater mit mir immer Spritztouren im Morris. Ich besitze so viele glückliche Erinnerungen, die ich als Kind und als Erwachsene mit diesem Auto verknüpfe.

Der Twisted Defender ist aber auch sehr cool..

Ich habe zwar Defenders immer geliebt, aber als ich zum ersten Mal am Steuer saß, war ich sehr enttäuscht. Ich habe nicht viel Kraft und empfand alles am Fahrzeug als schwergängig. Dann habe ich von den Twisted Defenders erfahren, die trotz ihrer Funktionalität luxuriöser und komfortabler sind. Außerdem sitzt die Firma in Yorkshire nicht weit von meiner ehemaligen Schule - das hat eine hübsche autobiographische Note.

Sie sind ganz offensichtlich ein "Car Girl" - warum haben Sie sich dann für die Kunst entschieden?

Das war der schiere Zufall. Denn ich war immer verrückt nach Autos - als Kind habe ich mir immer die Modellautos meines Vaters für meine Barbie-Spielszenen ausgeborgt. Als ich dann schon ein bisschen älter war und im Showroom meines Vaters mitarbeitete, legte ich mein Gehalt zurück, um Kunst zu kaufen, ein Stück nach dem anderen. Ich kaufte einen originalen Dave White und war danach fast pleite. Als ich mit der Zeit immer mehr sammelte, hängte ich die Bilder in meinem Büro auf. Irgendwann weckte das auch das Interesse der Kunden, die eigentlich bei uns ein Auto kaufen wollten. Manche hätten die Bilder und Objekte am liebsten direkt kaufen, aber ich wollte mich von nichts trennen. Stattdessen hatte ich die Idee, einen auf Motorsport spezialisierten Künstler, den ich kannte, zu vertreten. Was als kleine Seitenlinie meines damaligen Berufs begann, entwickelte Eigendynamik und ich beschloss, eine Schau in London zu organisieren. Ich mietete eine Garage in Notting Hill für eine Woche - wir reden hier von einem Ein-Auto-Raum mit Betonboden - und es lief wirklich gut. Ich hoffte, wenigsten ein Stück zu verkaufen, aber nach einer Woche war alles ausverkauft. Danach habe ich rund um London immer mehr Pop-Up-Shows veranstaltet, und so entstand diese Idee einer Roaming Gallery. Ich hatte wirklich nicht vor, die Autos zu verlassen!

London ist ein Zentrum sowohl für Automobile wie für die Künste. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?

Wenn man in einer Stadt, die wie London so reich an Kultur und Geschichte ist, herumwirbelt, dann findet man ständig Quellen der Inspiration. Egal, ob man von Autos fasziniert ist oder von anderen Themen: Hier entdeckt man immer etwas Aufregendes, das den Nährboden für weitere Ideen bildet. Jeder will hier sein. Entweder um hier zu wohnen oder bloß ein paar Tage zu verbringen. 

Welche Aspekte des Familienunternehmens sind ein Teil Ihrer eigenen Firma geworden?

Mein Vater besitzt ein unglaubliches Arbeitsethos, und ich hoffe, dass ich das von ihm übernommen habe. Für ihn ist es wichtig, dass der Kunde ein erfreuliches Kauferlebnis hat. Das ist mir auch im Kunsthandel ein Anliegen, denn dort geht es oft kalt und elitär zu. Selbst wenn jemand nur einen Druck für 400 Pfund ersteht, schenke ich ihm dieselbe Aufmerksamkeit, als ginge es um die Bestellung eines Rolls-Royce Phantom. Oft genug kauft man ja quasi nicht nur das Produkt, sondern auch die Persönlichkeit des Verkäufers mit. 

Können Sie uns als Insiderin die Synergien zwischen der Auto- und der Kunstwelt erklären?

Zunächst handelt es sich in beiden Bereichen letztlich um Luxusgüter, die man nicht wirklich braucht. Aber wenn es sich nur um diesen Aspekt handeln würde, dann hätte die Rezession vor wenigen Jahren beide Märkte hart getroffen. Das Gegenteil war der Fall. Ich glaube, der Grund dafür liegt in der emotionalen Bindung. Man kann sein Geld in Aktien anlegen, hat aber keine besondere Bindung dazu. Aber jedes Bild in meinem Haus erzählt eine persönliche Geschichte - ich weiß, wo ich es gekauft habe und was damals in meinem Leben los war. Ich mag es, wenn man diese Erinnerungen hat. Und so ist es mit Automobilen: Man trifft Menschen, die in ihrer Jugend von einem bestimmten Auto geträumt haben. Als sie es sich endlich leisten konnten, hatte dieses Modell für sie eine ganz spezielle Bedeutung, die ein anderer vielleicht nicht teilen kann.

Seit Sie 2012 starteten, setzen Sie auf wandernde Ausstellungen statt von einer permanenten Location aus zu arbeiten. Warum?

Als ich anfing, dachte ich nie, dass es von Dauer sein würde. Ich wollte keinen festen Ort, weil ich mir nicht sicher war, was ich langfristig machen wollte. Im Rückblick freue ich mich, dass es so passiert ist. Es ist so interessant in London unterwegs zu sein und diese ganzen spannenden kleinen Subkulturen hautnah zu erleben. Was im Kultstadtteil Shoreditch funktioniert, geht woanders nicht. Es gibt selbst zwischen dem Publikum in Chelsea und Belgravia große Unterschiede, obwohl sie nur durch die Sloane Street von einander getrennt sind. Was ich auch an dieser Idee einer Roaming Gallery liebe, ist die Freiheit, genau den Raum auswählen zu können, der für eine Ausstellung oder einen Künstler passt: Große Bilder beispielsweise eignen sich besser für luftige Industrieräumlichkeiten, kleine, komplexe arbeiten kommen in einem intimen Platz eher zur Geltung. In Zukunft werde ich sicherlich irgendwann einen permanenten Ort besitzen, aber er müsste schon ziemlich beeindruckend sein, damit ich mein Wanderkonzept aufgebe.

Könnte sich dieses Konzept auch eignen, um Autoklassiker zu verkaufen? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht?

Ich habe mir darüber definitiv schon Gedanken gemacht. Als ich vor ein paar Jahren Dave White bat, einen Jaguar E-Type zu bemalen, hatten wir schon mit dieser Idee, Autos und Kunst zusammenzuführen, experimentiert. Wir haben die Kunst zu den Autos geholt, also wäre wohl der nächste Schritt, die Autos in die Kunstszene zu integrieren. Die Location müsste aber zu beiden Welten passen - ich will ganz bestimmt nicht irgendein bliebiges Auto in einem Raum mit einer Menge beziehungsloser Kunst stellen. Es müsste eine Verbindung geschaffen werden, die Sinn ergibt. Außerdem müsste ich beide mögen, denn ich kann nichts verkaufen, von dem ich nicht selbst begeistert bin. Aber ich habe da noch was vor.

Wie entscheiden Sie, welche Künstler von Ihnen vertreten werden?

Von jedem Künstler habe ich eine Arbeit gesehen, die mir gefällt. Dann habe ich mich näher mit ihnen befasst und schließlich angefragt, ob sie an einer Zusammenarbeit interessiert wären. Ich muss als Galeristin die Arbeit der Künstler lieben und an sie glauben. Erfreulicherweise sind alle Künstler, mit denen ich von Anfang an gearbeitet habe, sehr erfolgreich geworden. Wir sind sozusagen organisch mit ihnen mitgewachsen. Der Wert von Dave Whites Stücken beispielsweise hat sich seit unserer Partnerschaft verdoppelt. Momentan zeigen wir Werke junger und aufstrebender, aber auch gut etablierter Künstler wie Piers Bourke, Frédérique Morrel, Nick Jeffrey, Dave White, Corinne Dalle-Ore und Damien Hirst.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich hätte gerne eine ständige Ausstellungsfläche in London und ich würde gerne Pop-Ups außerhalb von England eröffnen, zum Beispiel in Los Angeles oder in der Schweiz. Ich hätte auch gerne wieder mit Autos zu tun - sie fehlen mir sehr. Es wäre toll, wenn ich auf meine Art einen Weg fände, mit beiden Welten zu arbeiten.

Stellen wir uns als Gedankenspiel vor, Sie haben fünf Stellplätze, die in Ihrer Pop-up-Galerie für Automotive Art befüllt werden sollen. Welche Werke würden Sie zeigen?

Ich mag einen Mix, der unterschiedliche Leute anspricht - so wie wir das mit der Kunst umsetzen. Ich bin ein Ferrari-Mädchen, deswegen kommen da zunächst als persönliche Favoriten ein Ferrari 250 SWB und ein Daytona Spider. Dann hätte ich einen Jaguar XK120 und einen Mercedes 190 SL für das Girlie in mir. Und schließlich hätte ich nur zu gerne noch einen Aston Martin DB4 GT Zagato oder einen originalen Ford GT40. Aber jetzt läuft meine Vorstellungskraft auf und davon. Dasselbe gilt wohl auch für meinen armen Steuerberater!

Fotos: Amy Shore für Classic Driver © 2016

Weitere Informationen über die Loughran Gallery finden Sie auf der offiziellen Website.