Instagram Takeover - Hinter der Kamera mit Tim Scott

Seit über zehn Jahren fotografiert er klassische Autos und ist dafür in der ganzen Welt unterwegs — vom Goodwood Revival bis zu den Bonneville Salt Flats. Tim Scott ist ein Spezialist im Einfangen mitreißender Bewegung...

Wenn man durch Auktionskataloge blättert oder die Webseiten der Händler studiert, fallen uns immer wieder ein paar außergewöhnliche Aufnahmen auf, die den fotogenen Schönheiten durch Profitricks wie Ausleuchtung, Location und speziellen Perspektiven noch einen zusätzlichen Wow-Effekt verleihen. Bewundernd verweilt man bei diesen Bildern. Tim Scott hat diese Technik gemeistert und schafft es immer und immer wieder, diese Autos perfekt zu inszenieren.

Wie würden Sie Ihre besondere Handschrift beschreiben?

Ich denke, man könnte meine „Handschrift” als clean und aufgeräumt beschreiben — diese Autos sind so wundervolle Objekte, dass ich bemüht bin, die ganze Aufmerksamkeit auf sie zu fokussieren. Je mehr desto besser. Das bedeutet aber auch, dass ich mehr Zeit damit verbringe, ausgewählte Locations zu finden, als Stangen und Saugstative für Bewegungsbilder zu montieren!

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Ich werde jedes Mal angeregt, wenn ich Fotografien im Internet betrachte. Das digitale Format erlaubt Menschen mit ihren Methoden und Stilen zu experimentieren, ohne dabei an die Kosten der Entwicklung denken zu müssen — es ist eine aufregende Zeit für dieses Medium. Als Inspirationsquelle aus der Vergangenheit ist für mich Klementaski unerreicht. Für statische Bilder verdanke ich viele den Arbeiten von Tim Wren und Richard Newton für das Magazin Supercar Classics. David Perry und Peter Vincent liefern beide grandiose Fotos ab, beispielsweise der US-amerikanischen Hot Rod-Szene. Diese Dokumentationen haben mich erst angeregt, Bonneville zu besuchen — viele Abenteuer sollten folgen.

Warum haben Sie angefangen, Autos zu fotografieren und welches Auto tauchte als erstes vor Ihrem Objektiv auf?

Klassische Autos sind eine Leidenschaft, die mich schon das ganze Leben begleitet. Die Fotografie hat mir die Möglichkeit geschenkt, mich unter ihnen zu bewegen und ihre Schönheit so einzufangen, wie ich es persönlich sehe.

Gregor Fisken gab mir 2005 die erste Chance, denn er gab mir einen Maserati A6GCS, den ich fotografieren sollte. Und damit sprang ich ins kalte Wasser und war verloren!

Beschreiben Sie Ihr bemerkenswertes Shooting.

Ein guter Tag ist, wenn die ganz Planung passt, einem das Wetter gewogen ist und das Auto auf den Punkt stimmt. Als Peter Wallman von RM Sotheby´s Fangios ehemaligen Ferrari 290 MM, Chassisnummer 0626, für eine Auktion in Kommission nahm, wurden diese legendären Räder für eine der anspruchsvollsten und aufregendsten Erfahrungen meiner Karriere in Gang gesetzt. Zunächst kam eine Studioaufnahme mit einer aufwändigen Totalen von ganz oben unterm Dach; dann wurde ein Bild von Enzo mit dem Auto vor dem ehrwürdigen Tor von Maranello nachgestellt, wobei Sohn Piero in die Rolle seines Vaters schlüpfte. Der Höhepunkt dieser Serie war dann noch ein „Action”-Tag im Autodrom von Modena und als die Sonne unterging schließlich die unvergessene Einladung des Besitzers, ein guter Freund, mich selbst ans Steuer zu setzen.

Mit dieser außergewöhnlichen Maschine auf ihrem Heimatkurs Runden zu drehen und dazu das Röhren des Auspuffs im Ohr zu haben, bleibt als Erlebnis in einem alten Auto einfach perfekt.

Auf welches Stück Equipment aus Ihrer Kameratasche könnten Sie auf keinen Fall verzichten?

Mein verstorbener Vater schenkte mir meine erste, richtige Spiegelreflexkamera, eine Fuji S2 Pro. Sie war für ihre Zeit fantastisch und führte mich zu Nikon, die Fujis Linsen verbauten. Jetzt habe ich drei Nikon-Gehäuse, darunter die D5, die ich vor allem für Außenaufnahmen einsetze. Auf mein 85mm-Objektiv mit Festbrennweite könnte ich gar nicht verzichten.

Welche Bildbearbeitungs-Software nutzen Sie und warum?

Ich habe weg von Photoshop und hin zu Lightroom entwickelt. Ich finde, dass Bildbearbeitung meist nervig ist, aber es muss sein und Lightroom ist eine gute Lösung.

Beschreiben Sie uns Ihr Traum-Shooting.

Dieses Shooting würde sich um Zeit, Ort und Licht drehen — genug Zeit, um den Auftrag zu erledigen, ein guter Ort, um die Arbeit umzusetzen und früher Morgen oder das „goldene” Licht des Frühabends. Dass alle drei Faktoren zusammentreffen, kommt leider selten genug vor!

Fotos: Tim Scott / Fluid Images © 2017

Sie finden mehr Informationen über Tim Scott Fotografie auf seiner Website und natürlich können Sie hier seinem Instagram Account folgen.