Gasoline and Magic - Wie Amateurfotografen den Rennsport dokumentierten

Auf jeden Profi-Fotograf bei einer Motorsportveranstaltung kommen zahlreiche Amateure, die den Streckenrand säumen. Solche Aufnahmen können sich durchaus sehen lassen, wie ein neuer Bildband mit hunderten von bislang unveröffentlichen Aufnahmen aus der goldenen Zeit des Motorsports demonstriert.

„Motorsport, insbesondere die Formel 1, steht niemals still“, schreibt Anthony Carter im Vorwort eines umfangreichen neuen Bildbands mit dem Titel "Gasoline and Magic", der im Verlag Edition Patrick Frey erschienen ist. Ein wahres Wort, wie wir finden. Denn auch wenn wir gerne die rosarote Brille aufsetzen und in nostalgischen Erinnerungen an die guten alten Zeiten schwelgen, sollten wir nicht vergessen, dass der Motorsport sich enorm weiterentwickelt hat, insbesondere in punkto Sicherheit. Und dafür sollten wir dankbar sein. Niemand wird es uns aber verdenken, wenn wir uns beim Blick zurück an die romantische Renn-Atmosphäre vergangener Zeiten erinnern - vor allem angesichts der Konzernmaschinerie, von der der Rennsport heute beherrscht wird.

"Gasoline and Magic" enthält Fotos aus den Archiven von Thomas Horat, einem Schweizer Filmemacher, der jahrelang Motorsport-Amateurfotos aus aller Welt sichtete, sammelte und archivierte. Unter den Aufnahmen, die für dieses Buch zusammengestellt wurden, befinden sich zahlreiche bislang unveröffentliche Fotos. Die Bilder illustrieren die Geschichte des Motorsports von den 1950er Jahren – mit Helden wie González und Moss – bis zum Turbo-Chaos der 1980er Jahre. Auch wenn der Amateur-Finger am Auslöser unverkennbar ist, wurden die Fotos mit Sinn und Verstand zusammengestellt und das Resultat ist faszinierend. 

Damals war Motorsport noch mehr als „nur“ Sport: Es war auch Mode, Kunst und Populärkultur. Neben dem Fahrer-Talent stand die Persönlichkeit im Vordergrund. Die Piloten von damals waren echte Charaktere, jeder mit seinen unverkennbaren Marotten sei es Coolness (wie Paul Newman), Sorglosigkeit (wie James Hunt), oder Schüchternheit außerhalb des Autos, aber gnadenlose Härte am Steuer (wie Gilles Villeneuve). Viele waren Abenteurer, die im Motorsport Ruhm, Reichtum und schöne Mädchen suchten (und auch fanden). 

Dass Nico Hülkenberg an seinem Formel-1-freien Wochenende bei den 24 Stunden von Le Mans im Juni aufs Siegertreppchen fuhr, mag für heutige Verhältnisse ungewöhnlich sein, aber in den 1950er und 1960er Jahren waren solche Dinge an der Tagesordnung. Schauen Sie sich nur Jim Clarks epische Karriere an, der in fast allen Disziplinen des Motorsports Trophäen erntete, sei es bei Rallyes, Sportwagenrennen, Indy Car Races oder in der Formel 1.

Die Tage des fast ungehinderten Zugangs zur Strecke, in denen Zuschauer den Sport hautnah miterleben konnten, sind vorbei. Aber die ungeschminkten Fotos vermitteln einen anschaulichen Eindruck von dieser Zeit. Carters Anekdoten über seine Erlebnisse auf diversen Rennstrecken sind ebenfalls sehr lesenswert, zum Beispiel als er beim Erkunden der Dörfer um Rouen 1968 zufällig auf die Matra Formel-1-Werkstatt stieß. Carter musste natürlich einen Blick riskieren und seine Neugierde wurde fürstlich belohnt, als Jean-Pierre Beltoise den bulligen Matra-V12 anwarf und die wenigen Kilometer zur Rennstrecke auf öffentlichen Straßen zurücklegte. Gleich zweimal lief Carter auch ein in feinen Zwirn gehüllter Juan Manuel Fangio auf dem Nürburgring über den Weg, nachdem er gerade den Grand Prix von Deutschland gewonnen hatte: „Ich hatte das Gefühl, als kannte ich diesen Mann“, resümierte Carter. Und wann haben Sie zum letzten Mal einen Mann in kurzen Hosen und Schlappen gesehen, der kurz vor dem Start eines Formel-1-Rennens noch schnell die Start-/Ziellinie auf die Strecke pinselt? 

Kein Wunder also, dass die Bildergalerie von "Gasoline and Magic" einen faszinierenden Einblick in die Kindertage des Motorsports ermöglicht. Zusätzlich zu dem Buch präsentiert Horat eine Auswahl seiner Archivfotos im Rahmen der Ausstellung „Vrooooaaammm“, die noch bis zum 8. November 2015 im Museum im Bellpark im Schweizerischen Kriens zu sehen ist.

Fotos: www.motorsportfriends.ch

"Gasoline and Magic" von Hilar Stadler und Martin Stollenwerk ist im Verlag Edition Patrick Frey erschienen und kann zum Preis von 68 Schweizer Franken im Webstore des Verlags bestellt werden.

Waren Sie mit Ihrer Kamera in den 1950er, 1960er, 1970er oder 1980er Jahren am Nürburgring, in Brands Hatch oder in Monza dabei? Dann schicken sie uns Ihre Schnappschüsse aus der goldene Ära des Motorsports mit einer Kurzbeschreibung sowie Ihrem Namen, Ihrer Adresse und dem Betreff "Gasoline and Magic" an die Emailadresse [email protected]. Die besten Fotos werden mit einer von drei Ausgaben von "Gasoline and Magic"prämiert und mit etwas Glück auch bei Classic Driver veröffentlicht.