Wiesmann Roadster MF3 Final Edition: Bring back the sun

Ach, Sommer! Verweile noch ein wenig. Gib uns Wärme, gib uns Licht! Denn wir haben das passende Gefährt: den Wiesmann Roadster MF3 Final Edition. Und der will raus. Auf den warmen Asphalt: Kurven räubern, Sonnenstrahlen jagen und Strecke machen.

Sobald morgens eine funkelnde Schicht Tau das Cabriolet-Verdeck benetzt, ist klar: die Nächte werden wieder kälter und der Sommer geht vorüber. Ab jetzt zählt jeder Sonnentag doppelt. Da kommt der knackige Wiesmann Roadster gerade recht. Denn der holt den Sommer noch einmal flink zurück. Schon die ersten Sonnenstrahlen neben einem die Entscheidung ab: "Heute ist Wiesmann-Wetter!" Die Fahrertür wird mit dem Schlüssel noch manuell aufgeschlossen. Federleicht schwingt sie auf. Schnell die Persenning zurück geworfen. Mit einem galanten Dreh aus der Hüfte lässt man sich in den ledernen Fahrersitz fallen und umfasst das kleine Lenkrad. Die Zündung ein. Und den Motor per Knopf gestartet. Kehlig und durchtrainiert wacht der 343 PS starke Frontmittelmotor aus der BMW M-Motorenmanufaktur auf. Ja, das ist er! Der legendäre Reihensechszylinder mit dem eisernen Sound, famos seidigem Lauf und seiner zupackenden Natur. Jenes M-Aggregat, welches vitrinenweise Awards und Trophäen sammelte.

 

Wiesmann Roadster MF3 Final Edition: Bring back the sun
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Dieser Motor wird seinem Ruf immer noch gerecht. Mit einem Punch schlägt das Eisenherz den MF3 auf die Straße. Dort fängt ihn die erste Kurve des Asphaltbandes ein. Die Lenkung geht links und genauso zackig pariert der Vorderwagen. Und auch gleich das Heck. Nichts läuft hier nach oder bricht aus. Der knapp 1,2 Tonnen schwere Roadster ist so schlagartig rechtwinklig ums Eck, wie andere Fahrzeuge wohl nur bei einem Leitplankeneinschlag die Richtung wechseln. Der Wiesmann klebt förmlich auf den kurvigen Strecken des Niederrheins. Dabei haben die Straßen sicherlich nicht die Asphaltmischung einer Rennstrecke. Hier rumpeln seit Jahrzehnten auch Ackerschlepper drüber. Den Wiesmann stört das nicht. Er bleibt einfach haften. Das Gecko als Maskottchen ist zurecht gewählt. Rechter Haken, linker Haken. Das kann der 3,86 Meter kurze Wiesmann MF3 in beeindruckender Weise.

 

Und spurten. In nur 4,9 Sekunden rennt der Zweisitzer 100 km/h. Die Schaltdynamik des sequenziellen Sechsgang SMG II Getriebes lässt sich dabei variieren. Schaltwippen am Lenkrad warten alternativ auf spontane Befehle. Wer mag, dem haut es dabei kräftige Schläge ins Kreuz. Das Getriebe kann aber auch die sanfte Gangart. Es schaltet dann mit fühlbarer Schonungspause. Daran muss man sich in Zeiten von Doppelkupplungsgetriebe einfach wieder gewöhnen. Sei es drum: das Leistungsgewicht des MF3 notiert bei bemerkenswerten 3,44 Kilogramm pro PS. Bis zu 255 km/h schiebt der 3.246 ccm messende Motor an. Dabei sorgt ein kleiner Power-Knopf für die Entfesselung der letzten 50 PS. Den zusätzlichen Kraftschub spürt man sofort. Damit wird der Wiesmann zum Porsche-Schreck.

 

Wiesmann Roadster MF3 Final Edition: Bring back the sun
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Die Kräfte wirken, weil sie gebändigt und auf den richtigen Punkt geleitet werden. Als einziges Modell wird der Roadster MF3 auf Basis eines in der hauseigenen Schlosserei handgeschweißten Gitterrohrrahmens aufgebaut. Dieser Rohrrahmen besteht aus über 300 Einzelteilen, die lackiert und verzinkt das rostfreie Grundgerüst des MF3 bilden. Die Bauweise wurde bereits für den allerersten Wiesmann Sportwagen im Jahre 1988 konstruiert und ist seitdem immer weiter entwickelt und optimiert worden. Und dieses Rückgrat ist enorm verwindungssteif, Aluminium beplankt und mit einem stabilen Seitenaufprallschutz versehen. Die Karosserie selbst wird aus hochwertigem glasfaserverstärkten Verbundwerkstoff gefertigt. Das alles gibt eine Einheit, die wie aus einem Guss erscheint. Nicht klappert. Alles sitzt auf Maß. Und verliert auch bei extremen Fahrsituationen nicht die Fassung. Schnell wird klar, warum der MF3 den Ruf der "Manufaktur für Individualisten" gefestigt hat. Zu meckern gibt es wenig. Ein Airbag ist zwar nicht an Bord, doch den hatten klassische Healey-Roadster auch nicht. Das Heck mit den Einzellampen betört und der Kofferraum fasst tatsächlich mehr als nur einen Cabin-Trolley. An der 100-Oktan Säule der Tankstelle werde ich von einem rüstigen Mercedes Fahrer auf der Suche nach dem zweiten Frühling prompt gestellt: "Mensch, sieht der aber noch klasse aus - haben Sie den selbst restauriert?" Nun, also, nicht wirklich. Ich habe ihn ja gerade erst im Wiesmann-Werk abgeholt.

 

 

Wiesmann Roadster MF3 Final Edition: Bring back the sun
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Der klassische Look wirkt hier ausgesprochen zeitlos. Der erste Wiesmann Roadster huschte schon 1993 über die Straßen. Von Anfang an bestach er dabei durch seine vollkommen scheinenden Proportionen und reduzierten Details, welche ihm die Namensgeber Friedhelm und Martin Wiesmann verordneten. Auch im Interieur setzt sich das Prinzip des Purismus fort. Die stilvollen klassischen Elemente und Rundinstrumente sind im Cockpit elegant angeordnet. Feine Leder sind in der gesamten Kanzel ist in reiner Handarbeit gearbeitet. Die Grenzen setzt allein der Kundenwunsch. Bis zum Ende der Produktion entstanden dann 900 Fahrzeuge - in jeweils über 350 Stunden Handarbeit. Die letzten davon in der neuen Manufaktur in Dülmen. Dabei stellte die Final Edition sicherlich eine der extravagantesten Varianten dar. Das Designteam von Sieger erdachte 18 Farbkombinationen. Manche eher klassisch anmutend wie die Varianten "Oxford", "Swiss Blue" oder "Rocket". Andere eher grell und schrill wie etwa "Urban Jungle" oder eben dieser violett orange "Sieger", ein Unikat. Ab rund 103.000 Euro schlugen diese höchst individuellen Fahrmaschinen zuletzt zu Buche.

 

 

Wiesmann Roadster MF3 Final Edition: Bring back the sun
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Die Vergangenheitsform im letzten Absatz ist richtig gewählt. Denn wie beim verstreichenden Sommer, so gilt auch bei einem Wiesmann irgendwann: Tempi passati! Längst schon ist der Reihensechser-Motor beim BMW ausgemustert. Wiesmann sicherte sich zwar die Restbestände und bestückte damit fleißig die MF3 Roadster, doch auch dieses Kontingent ist nun endgültig aufgebraucht. Damit ist der MF3 als Neuwagen Geschichte. Und endgültig ein moderner Klassiker. Ein Sportwagen für Individualisten, die nicht auf den Sommer warten müssen, sondern ihm und der Sonne einfach hinterher jagen.

 


Fotos: Axel Steel / Mathias Paulokat

Weitere Informationen unter: www.wiesmann.com

Wiesmann Modelle finden Sie auch im Classic Driver Classic Driver Markt.