Totaler Realitätsverlust bei den Classic Days Schloss Dyck 2016

Ein Besuch der Classic Days auf Schloss Dyck ist der beste Weg, der Realität kurzzeitig zu entfliehen – und das ganz ohne schädliche Nebenwirkungen. Ein Wochenende lang war das Wasserschloss die Bühne für ein großartiges Automobil-Festival, dass auch international für Aufsehen sorgte.

Auf dem Weg zum Eingang der Classic Days auf Schloss Dyck steht das Ortsschild „Classic Days“ und darunter, mit einem roten Querstich durchgestrichen, „Real World“. Sie verlassen jetzt die Realität! Ein nettes Detail – und doch lässt sich ein Besuch des Klassikerfestivals nicht besser zusammenfassen. Denn was in diesem Jahr auf der Rundstrecke und dem weitläufigen Gelände geboten wurde, war absolut erstklassig und auf internationalem Niveau.

Rennlegenden und ein großes Comeback

Im „Neuen Fahrerlager“ wurde den Rennsportbegeisterten ein Einblick in die Welt des historischen Motorsports geboten. Man konnte beispielsweise den Rennmechanikern von Audi Tradition über die Schulter schauen, wie sie den legendären Audi S1 Sport Quattro für den Demolauf vorbereiteten. Es herrschte geschäftiges Treiben, denn hier im Fahrerlager kam man mit den ganz großen Rennlegenden ins Gespräch. Beim Schlendern durch die Zeltgasse hörte man etwa, wie sich ein Besucher mit dem siebenfachen deutschen Rallye-Meister Matthias Kahle über die Fahreigenschaften des Skoda 130 RS unterhielt oder sah Rallyelegende Walter Röhrl beim Fachsimpeln mit Fans der ersten Stunde.

Doch der eigentliche Publikumsmagnet auf und abseits der Rundstrecke waren die orangefarbenen Rennwagen des legendären Jägermeister Racing Teams. Unter dem Titel „72 Stagpower - The Spirit of Jägermeister Racing“ feierte Eckhard Schimpf, Teamchef und Gründer von Jägermeister Racing, ein fulminantes Comeback. Mit insgesamt neun ehemaligen Rennwagen des Stalls – darunter Ford Capri RS , Kremer Porsche 935 K3 und dem Stuck-March-F1 – lud das historische Rennteam zu einer Zeitreise in eine der spannendsten Epochen des Motorsports ein. Den ersten offiziellen Aufritt des „Team Orange“ wollten sich natürlich auch die ehemaligen Piloten aus der Zeit nicht nehmen lassen: Hans-Joachim Stuck, Prinz Leopold von Bayern, Jochen Mass, John Fitzpatrick und Mario Ketterer setzen sich wieder ans Steuer ihrer ehemaligen Rennwagen.

Die Automobil-Gartenparty

Beschaulicher und etwas eleganter ging es bei der riesigen Gartenparty auf dem weitläufigen Schlossgelände zu. Wer nach einem Picknick neben seinem mitgebrachten Klassiker die großen Kunstwerke des Automobilbaus zu Gesicht bekommen wollte, konnte dies bei einem Spaziergang auf der Orangerie-Halbinsel tun. Unter dem Motto „Jewels in the Park“ waren seltene Originale von Delage bis Mercedes-Benz zu sehen – das vor einer märchenhaften Kulisse. Absolut zu empfehlen war auch ein Spaziergang durch den Bambuspark. Zwischen meterhohen Gewächsen präsentierten sich Clubs mit liebevoll restaurierten, aber auch taktvoll erhaltenen Klassikern. Unweit der Rennstrecke wurde zudem den US-Car-Enthusiasten etwas geboten: Vom Diner oder einer Dragrace-Strecke gab es hier das Beste aus der illustren US-Automobilgeschichte zu sehen, präsentiert von Rockabillies und Damen in Petticoats.

Auf Augenhöhe

Die Classic Days auf Schloss Dyck haben spätestens mit ihrer neuesten Ausgabe bewiesen, dass die Veranstaltung sich auf Augenhöhe mit anderen internationalen Festivals befindet. Man darf gespannt sein, welche Attraktionen im nächsten Jahr für den Verlust der Realität sorgen werden.

Fotos: S. Sieger / Agentur R65 / F. Becker / P. Singhof / S. Müller