Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!

Wer meint, automobile Exklusivität endet mit einem Rolls-Royce aus dem Verkaufsprospekt, der irrt. Denn seit geraumer Zeit sorgt bei der traditionsreichen britischen Marke das hauseigene "Bespoke"-Programm für nochmalige Verfeinerungen mobiler Fortbewegung.

Thomas Jefferson ist dieser Tage ein viel beschäftigter Ratgeber. Schließlich haben die in der Folge getroffenen Entscheidungen jahrzehntelange Auswirkungen. Leder in "Oatmeal" oder doch besser in "Safran"? Rosenholz mit oder ohne Intarsien? Falls ja, welche Intarsien, welche Größe und Platzierung? Außenfarbe Two-Tone oder doch lieber uni? Fragen über Fragen beschäftigen den gebürtigen Amerikaner. Fragen von Kunden, die einen ganz besonderen Rolls-Royce bestellen wollen. Thomas Jefferson ist Leiter des Bespoke-Programms, der Maßabteilung von Rolls-Royce Motor Cars im südenglischen Goodwood. Und er hat gut zu tun. Denn tatsächlich erfreut sich das Programm seit seiner Einführung äußerst reger Nachfrage. Und erst im vergangenen Jahr hat Rolls-Royce den Umfang von Bespoke erweitert.

 

Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!
Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!

Wofür aber steht "Bespoke" eigentlich? Der Begriff hat eine Jahrhunderte lange Tradition und ist in der britischen Schneiderkunst entstanden, wie Jefferson erläutert: "Damals suchten Dukes, Lords oder auch Könige die Schneider ihres Vertrauens auf, um sich neue Maßgarderobe zuzulegen. Der Schneider nahm die persönlichen Maße, half bei der Auswahl der Stoffe und man einigte sich per Handschlag - have been spoken for etablierte sich als Redewendung für ein mündlich vereinbartes Geschäft." Hieraus wiederum entstand die Abkürzung "Bespoke", die bald generell als Synonym für hochwertige Einzelanfertigungen stand. "Bei Rolls-Royce war das kaum anders", erklärt Jefferson weiter. "Vor rund einhundert Jahren war praktisch jedes Fahrzeug eine Einzelanfertigung - insbesondere bei Rolls-Royce, wo individuelle Konfigurationen neben der Ingenieurkunst praktisch den Markenkern ausmachten. Diesen Begriff haben wir vor einigen Jahren mit dem neuen Phantom wieder aufgegriffen und neu interpretiert. Die Rolls-Royce Philosophie geht davon aus, dass sich unsere Kunden nicht gleichen und alle sehr individuelle Ansprüche haben."

 

 

Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!

Dies lässt sich auch daran festmachen, dass heute praktisch jeder Phantom Elemente von Rolls-Royce Bespoke beinhaltet. Dies liegt daran, dass die Definition bei Rolls-Royce so ausgelegt ist, dass jede Maßnahme, die über den normalen Serienumfang hinaus geht, ein Element von Bespoke darstellt. Besondere Pipings an den Sitzen beispielsweise, Intarsien oder auch Stickereien in den Kopfstützen gelten dabei als "Bepoke light". Doch auch aufwendigere Dinge wie neue Materialien, eine neue zusammengestellte Individualfarbe, zusätzliche Funktionen im Interieur sind machbar und besonders reizvoll. "Bespoke Reserve" ist hierfür die Begrifflichkeit. "Viele unserer Kunden haben sehr konkrete Vorstellungen, was Sie an Bord Ihres Rolls-Royce wünschen", berichtet Thomas Jefferson. Hierbei sei auffällig, dass die anspruchsvollsten Kunden möglichst einmalige Details schätzen und die individuellen Lösungen lieber im Automobil verstecken, als offensichtlich zu präsentieren.

 

 

Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!
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Das blaue Phantom Drophead Coupé aus dem Jahr 2008 ist ein Vertreter dieser Stilrichtung. Gleichzeitig zeigt sich hier die Vorgehensweise beim Schaffen eines Bespoke Rolls-Royce. Sein Eigentümer sei vor Jahrzehnten als Kind in klassischen Rolls-Royce Fahrzeugen groß geworden, berichtet Jefferson. Im Corniche- oder in Shadow-Modellen beispielsweise. Für den neuen Auftrag traf man sich zum Design-Briefing in der Library von Goodwood, einem modern wirkenden Studio im Seitenflügel des Werksgebäudes, um ein Erstgespräch zu führen. Das Auto wurde dabei von außen nach innen geplant.

 

Jefferson präsentiert Fotografien des fertigen Automobils. Auf den ersten Blick wirkt das Cabriolet sehr konservativ und seriennah. Doch die Finesse steckt in den Details: Der Farbton stammt aus den 1950er Jahren. Es handelt sich hierbei um "Ming-Blue", welches sich bei einem Klassiker in der Sammlung des Kunden wiederfindet. Das Interieur präsentiert sich in Leder "Tan" mit Dekoren in Walnuss. Die Instrumente aber sind in Perlmutt ausgeführt und zudem mit Elementen der Exterieur-Farbe versehen. Bei genauem Hinsehen verteilt sich Perlmutt über das gesamte Interieur des Fahrzeugs - eine beeindruckende Detaillösung. Qualität sei ein objektiver Maßstab, sagt Jefferson, Design eher subjektiver Natur. Ideal, wenn sich beides in perfekter Weise zusammenfügt.

 

Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!
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In dem Design-Briefing wurde aber auch die überwiegende Nutzung des Fahrzeug besprochen. Es sollte ein Auto fürs Wochenende werden. Für Wandertouren, zum Picknick-Ausfahrt oder zur morgendlichen Birdwatching-Exkursion. Entsprechend fielen die Detaillösungen aus: Das Auto hat zwei in Rolls-Royce-Leder geschlagene Thermoskannen, die jeweils in den beiden Türen fest arretiert sind. Eine sichere wie formschöne Lösung. Für die Vogelkunde ist je ein Fernglas in einem separaten, neu geschaffenen Fach in den Seitenwangen unter gebracht. Auch das offensichtlich keine Lösung von der Stange: "Einer unserer Meistertischler hatte hierfür die passende Idee; ein furniertes Kabinett. Unsere Designer haben diese Idee in erste Entwürfe überführt und unsere Ingenieure entwickelten daraufhin einen Prototyp, um die Funktionalität zu testen. Erst danach entstand die finale Lösung, die ebenfalls Elemente aus Perlmutt zeigt", erklärt Thomas Jefferson.

 

 

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Der Kofferraum des Royce widmet sich der Picknick-Kutur. Er ist in Leder, mit Teakholz und mit einem farbenfrohen Tartan ausgeschlagen, der an schottische Provenienz erinnert. Tatsächlich aber ist das Karomuster ein individueller und einmaliger Entwurf, den ein Schneideratelier der Savile Row im Auftrag von Bespoke umgesetzt hat. Leder und Tartan finden sich zudem an den Picknick-Utensilien, um sie mit dem Fahrzeug zu verbinden. Der Picknick-Koffer ist selbstredend auch ein Unikat. Im Kofferraumdeckel sind zudem Hiking-Stöcke untergebracht. Solche Spezialisierungen haben ihren Preis und kosten Zeit. Die Produktion eines neuen Rolls-Royce benötigt von der Bestellung ungefähr drei Monate. Elemente, die aus dem "Bespoke light"-Umfeld hinzu kommen, verlängern die Produktionszeit um rund einen Monat. "Bespoke Reserve" bedeute noch einmal ein Plus von einigen Monaten. Das blaue Drophead Coupé benötigte beispielsweise acht Monate von der ersten Idee zur Fertigstellung. Das "Pricing" sei dabei ein fairer und transparenter Prozess, in welchen man den Kunden von Anfang an einbinde.

 

 

Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!
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Die Begrenzung von Bespoke soll laut Rolls-Royce möglichst nur in der Vorstellungskraft des Kunden liegen. Wie aber geht man in Goodwood mit einem nicht realisierbaren Wunsch oder aber einer geschmacklich mehr als fragwürdigen Bestellung um? "Schönheit liegt in den Augen des Betrachters", antwortet Thomas Jefferson diplomatisch. Doch sei das Abschlagen einer Bitte tatsächlich eine hohe Kunst. Die Spirit of Ecstasy beispielsweise sei tabu. Ebenso der Kühlergrill oder Änderungen an Aggregat und Antriebsstrang. Und alles, was die Sicherheit des Fahrzeugs und seiner Insassen betrifft. Jeder zehnte Wunsch trifft eine dieser Kategorien und Thomas Jefferson bemüht dann ein besonders freundlich besorgt klingendes "Well Sir, you please need to understand that we would not do it, because of ...", um den Kunden klar zu machen, dass sie sich ihre Idee besser aus dem Kopf schlagen.

 

 

Rolls-Royce Bespoke: Your wish is their command!

Unter dem Strich gebe es zwei Gruppen von Kunden: Zwei Drittel wüssten genau, wie Ihr Rolls-Royce aussehen sollte. Das übrige Drittel habe eine vage Vorstellung, die man heraus arbeiten müsse. Wenig Interesse bestehe bei Rolls-Royce-Kunden generell an sogenannten Business- oder Entertainment-Lösungen. Dies gelte nicht nur für die Phantoms, sondern auch die kleineren Ghost-Modelle. Die Kunden behandelten ihr Fahrzeug als ihr Heiligtum, wo sie zur Ruhe kommen könnten, so Jefferson. Nach dem Design-Briefing folgen Gespräche im Konfigurations-Raum, wo Leder, Hölzer, Farbmuster, Inlays und Onlays, Garne und Beschläge ausgestellt sind, um sie nach Vorstellung zu kombinieren und die Wirkung zu beurteilen. Das Auto selbst wird nach Verabschiedung des Projektes in den von Licht durchfluteten Produktionshallen gebaut. Insbesondere im Woodshop und in der Lederabteilung umfängt dabei einem die Atmosphäre der unverfälschten Handwerkskunst. Denn am Ende aller Vorstellungskraft sind es Menschenhände, welche die Vision eines Bespoke-Rolls-Royce Wirklichkeit werden lassen. Und das macht die ganz besondere Faszination eines jeden Bepoke-Details aus.

 


Fotos: Rolls-Royce

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