Regenwassergekühlte Porsche-Ikonen beim Britischen Debüt von Luftgekühlt

Bei den Events von Luftgekühlt in Los Angeles strahlt meist die kalifornische Sonne. Nun feierte das Porsche-Treffen seine Premiere in Großbritannien – und wurde von sintflutartigen Regenfällen begrüßt.

In der britischen Automobilszene hat sich Bicester Heritage in den vergangenen Jahren als idealer Spielplatz positioniert, an dem man seine Wochenenden verbringen und mit Gleichgesinnten seine Autoliebe ausleben kann. Viermal im Jahr wird bereits zum „Sunday Scramble“ auf den alten Militärflughafen in Oxfordshire geladen – nun war es Zeit, dem englischen Klassikerdorf ein wenig kalifornische Lässigkeit einzuhauchen und die erste Ausgabe des berühmten Porsche-Fanfests Luftgekühlt in Bicester zu feiern. Nach der Hitzewelle der vergangenen Monate freute sich die britische Sammlerszene, ihre luftgekühlten Porsche bei einer hochsommerlichen Gartenparty zu versammeln – doch stattdessen wurden die Besitzer und ihre Autos von einem dramatischen Temperatursturz und selbst für englische Verhältnisse starken Regengüssen begrüßt.

Die Gäste nahmen’s gelassen und hielten sich – wie man es auf der Insel eben tut – unter ihren Regenschirmen scherzend bei Laune, in dem sie der Veranstaltung alternative Titel verliehen: Wassergekühlt? Oder vielleicht gleich Wheels & Waves? Doch Spaß bei Seite, tatsächlich gelang den Organisatoren um Gründer und Le-Mans-Rennfahrer Patrick Long, dem Debüt von #LuftGB einen ganz eigenen Geist einzuhauchen: Die Auswahl der Autos war so beeindruckend wie ihre liebevolle Inszenierung auf dem gesamten Gelände von Bicester Heritage. Ein Fest für Fotografen, Regen hin oder her. 

So schlenderte man über das alte Flugfeld und zwischen den historischen Gebäuden umher, bewunderte die Raritäten – und stand plötzlich vor einem echten Porsche 911R, der sich mit dem breitschultigren, von Hand zusammengeflickten Prototypen des Singer DLS ein Blickgefecht lieferte. Im Innenren des neuen Sports-Purpose-Gebäudes standen derweil jene offenen Rennwagen vom Rang eines Porsche 550RS, die besser nicht mit Regenwasser volllaufen sollten – darunter auch jenes berühmte Exemplar mit dem gewaltigen orangefarbenen Flügel, der in diesem Jahr schon zahlreiche Events geadelt hat, unter anderem das Goodwood Festival of Speed vor zwei Wochen.

Zudem war es dem Team von Luftgekühlt GB gelungen, gleich zwei Porsche 904 GTS nach Oxfordshire zu locken – das dunkelgrüne Exemplar mit dem Nummernschild „You 4“ wurde vom Markenguru Lee Maxted-Page aufgebaut und erst kürzlich von Classic Driver vorgestellt. 

Die Motorsport-Fraktion bewunderte derweil auch jenen schwarz-orangenen Kremer Racing Porsche 911 2.8 RSR, der nach dem Sieg in der Europäischen GT-Meisterschaft 1973 die offiziellen Rennsportplakate von Porsche schmückte. Dann waren da noch ein Porsche 911 3.0 RS, ein 934 von Jägermeister Racing und ein beachtliches Aufgebot von Elfern, die gerne als „Heiliger Gral“ bezeichnet werden – vom urpsrünglichen 2.7 RS über den 964 RS bis zum 993 GT2 Evo.

Natürlich durften auch die Porsche 356 nicht fehlen. Neben den Zeitmaschinen im Originalzustand und den Hot-Rod-Variationen sorgte ein Speedster mit kalifornischen Kennzeichen für ein wenig Sommerfrische. Und während gleich mehrere Restomod-Porsche mit ihrem Umbauten um die Aufmerksamkeit der Gäste buhlten, siegte für uns einmal mehr der buntgestreifte Porsche 911, den Paul Smith für den eklektischen Sammler James Turner entworfen hatte. Wie sagte Dolly Parton einst so schön? Wenn Du einen Regenbogen haben willst, musst Du auch den Regen aushalten.

„Das Wetter hat sicherlich einige Besucher abgeschreckt“, sagt Fotograf Robert Cooper, der Luftgekühlt GB für Classic Driver mit der Kamera eingefangen hat. „Dennoch finde ich es unglaublich, was für die Premiere dieses Treffens auf die Beine gestellt wurde. Den Organisatoren gebührt mein Respekt. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe.“

Text: Robert Cooper / Jan Baedeker   Fotos: Robert Cooper for Classic © 2018