Ist es an der Zeit, einen Porsche 914 zu kaufen?

Porsche hat in den Siebzigern binnen sechs Jahren weit über 100.000 Exemplare des 914 verkauft. Während einige Sammler über diese Masse noch immer die Nase rümpfen, haben andere bereits erkannt, dass der Mittelmotor-Porsche ein echter Klassiker für kleines Geld ist. Wir sprachen mit Experten.

Es ist merkwürdig, dass Porsches einst bestverkauftes Auto von einigen noch immer als größter Reinfall gesehen wird. Schon damals wurde er als untermotorisiert, überteuert und optisch zu weit weg vom typischen Porsche-Look abgewertet. Der Porsche 914 war das Ergebnis der Marketingstrategie, einen Sportwagen zu kreieren, der ein perfektes Joint Venture zwischen Porsche und VW verkörperte. Einer, der auf den ersten Blick weder als Porsche, noch als VW identifiziert werden sollte. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob der 914 denn wirklich wie ein reines Porsche-Projekt ausgesehen hätte, wären etwa Designmerkmale des Porsche 904 eingeflossen. Vielleicht. Doch der außergewöhnliche Look des 914 ist genau das, was ihn heute ausmacht.

Balance geht über Schönheit

Und natürlich sein Handling! Das meint auch Guy Netwon vom britischen Auktionshaus Coys: „Der Porsche 914 bietet von allen Autos, die ich gefahren bin, eines der besten Handlings. Jeder, der den 914 bisher übersehen hat, sollte ihn einmal fahren!“ Als einer der wenigen Mittelmotor-Porsche für die Straße, die damals von Porsche entwickelt wurden (obwohl sich diese Formel im Rennsport sehr bewährt hatte), erhielt der 914 zudem eine neue Hinterradaufhängung und wog unter 1.000 Kilogramm. In Kombination mit dem Sechszylindermotor – und sogar mit dem späteren 2,0-Liter-Vierzylinder (wie beim hier gezeigten Porsche 914) – bot der 914 überzeugende Performance. Was der kleine Motor auf der Geraden nicht brachte, konnten gute Fahrer in so mancher Kurve wieder aufholen. Dennoch wurden im Laufe der Geschichte zahlreiche Exemplare in der privaten Garage leistungsoptimiert. Zum Beispiel wurden 2.7-RS-Motoren nachträglich eingebaut, und das Chassis wurde nach dem Vorbild des 914-6 GT, der beim einzigen Auftritt der Modellreihe in Le Mans einen Klassensieg holte, modifiziert.

Die anderen Qualitäten

Gutes Handling, unorthodoxer Look und günstiger Preis sind jedoch nicht die einzige Gründe, die den Porsche 914 interessant machen, sagt Harry Utesch von DLS Automobile: „Der 914 ist leichtfüßig, agil, gibt eine saubere Rückmeldung, ja. Aber er bietet mit zwei Kofferräumen auch viel Stauraum und dank seines Targadachs echtes Cabriofeeling. Und er besitzt eine solide Technik, die – ordentlich gewartet – zuverlässiger ist als bei den meisten damaligen Konkurrenten.“ „Jeder, der einen 914 erwirbt, ist geradezu verrückt nach ihm“, fügt Newton hinzu. „Auch wenn diese speziellen kleinen Sportwagen in der nahen Vergangenheit bereits dramatisch an Wert zugelegt haben, bieten sie immer noch großes Wertsteigerungspotenzial. Und ich denke, das ihr außergewöhnliches Design seiner Zeit voraus war.“

Diese Sichtweise mag subjektiv klingen, zweifelsohne aber war die Technik des Porsche 914 mehr als nur zeitgemäß. Porsche hat jüngst angekündigt, dass die nächste Generation des Porsche Boxster – als Mittelmotorsportwagen ein seelenverwandter des 914 – auch mit einem Vierzylinder erhältlich sein wird. Wenn das nicht überzeugend klingt.

Fotos: Coys

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