Guy Ligiers Vermächtnis ist dieser JS2 mit Maserati-Motor

Die Geschichte des Ligier JS2 liest sich wie ein Roman: Sie erzählt von Tragik, aber auch vom Durchhaltevermögen, vom schieren Willen und vom Erfolg des Guy Ligier. Straßentaugliche Exemplare sind sehr selten. Als dieses Modell im Classic Driver Markt auftauchte, mussten wir es einfach kennenlernen.

Als Jo Schlesser 1968 beim Großen Preis von Frankreich ums Leben kam, war sein alter Freund Guy Ligier so erschüttert, dass der französische Rennfahrer sich kurzfristig vom Motorsport zurückzog, um eine neue Aufgabe zu suchen: Er wollte als Hommage an den langjährigen Weggefährten einen eigenen Sportwagen bauen. Weil sich das Projekt auch irgendwann im Rennsport bewähren sollte, war es notwendig, sowohl für die Homologation, wie auch die Finanzierung ein Straßenmodell zu entwickeln.

Und so fing alles an...

Stolz trug der Ligier  JS2 die Initialen des großen Rennfahrers Schlesser im Namen, als er 1970 auf dem Autosalon von Paris debütierte. Bereits zuvor hatte es einen sehr einfachen Prototyp mit der Bezeichnung JS1 gegeben. Ursprünglich sollte Ford die Motoren liefern, doch der Hersteller zog wegen anderer Motorsport-Verpflichtungen im letzten Augenblick zurück. Ligier wandte sich an seine Landsleute bei Citroën, die gerade Maserati übernommen hatten. Die Franzosen konnten mit Alfieris Maserati-V6 aus dem SM aushelfen, der quasi mit dem Schuhlöffel ins Heck des JS2 eingepasst werden konnte.

Geduld zahlt sich aus

In der Sportwagen-Weltmeisterschaft waren die von Maserati angetriebenen Rennversionen des JS2 drei Serien lang von chronischen Motorproblemen geplagt. Erst 1974 schien das Blatt sich zum Besseren zu wenden, nachdem Ligiers in Vichy beheimatete Firma erhebliche Modifizierungen am Motor und an der Aerodynamik vorgenommen hatte. Bei der Tour de France Auto im selben Jahr holten sich dann Gérard Larrousse, Jean-Piere Nicolas und Johnny Rives noch vor den Teamkollegen Bernard Darniche und Jacques Jaubert den Sieg - der einzige Doppelsieg des JS2. Guy Ligier musste eine bittersüße Pille schlucken, als in der nächsten Saison ein JS2, der nun wieder mit einem Ford-DFV-Antrieb ausgerüstet war, in Le Mans den zweiten Platz in der Gesamtwertung einfuhr.

Durch und durch durchdacht

Mit einem Design, das größtenteils von Frua stammte, war die Straßenversion des JS2 nicht im klassischen Sinne schön. Aber der tiefe, lauernde Auftritt zusammen mit der Gürtellinie und dem wohl proportionierten Hüftschwung der hinteren Kotflügel kompensiert optisch die etwas ungeschickt wirkende Kabine. Allerdings hat dieses Glashaus durchaus seine Berechtigung, denn von Anfang an wollte Ligier, dass seine Schöpfung auch praktisch sein sollte: weitaufschwingende Türen und eine riesige Windschutzscheibe für gute Rundumsicht gehören ebenso zum Konzept wie ein mit gestepptem Leder ausgekleideter, geräumiger Kofferraum. Ähnlich großzügig ist auch das Interieur, das neben einladenden Ledersitzen auch viel Raum bietet. Für den Fall, dass ein Fahrer die Provenienz des Triebwerks vergessen könnte, prangt der Dreizack Maseratis unterhalb der A-Säule auf dem Armaturenbrett - ein Ort, der wie maßgeschneidert für dieses legendäre Emblem wirkt. 

Die Vision eines Mannes

Wie viele Straßenversionen des Ligier JS2 tatsächlich in Vichy hergestellt wurden, ist nicht bekannt. Die Behauptungen zur Stückzahl variieren zwischen 77 und 300 Exemplaren. Sie sind jedenfalls so selten, dass sie kaum auch außerhalb von Frankreich zum Verkauf angeboten werden. Dieses Modell aus der letzten Serie von 1975, an seinen Kippscheinwerfern und den Fünf-Bolzen-Rädern für Kenner leicht zu identifizieren, wird derzeit vom Schweizer Classic Driver-Händler Pfenninger Autos angeboten - eine seltene Gelegenheit, sich diesen gallisch-italienischen Flitzer zu sichern. Der außergewöhnliche Guy Ligier, der leider im letzten Jahr verstorben ist, setzte Frankreich wieder auf die Motorsport-Karte. Der JS2 war seine Vision und der Tribut an eine Freundschaft - er besitzt deshalb eine ganz besondere Bedeutung.

Photos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2015

Dieser Ligier JS2 wird derzeit von Pfenninger Autos im Classic Driver Markt angeboten.