Goodwood Revival 2013: Tage des Donners

Das Goodwood Revival gleicht einem Filmset mit zehntausenden Statisten. Doch trotz der mitunter grandios ausstaffierten Schauspieler in ihren Vintage-Kostümen sind die eigentlichen Stars des Spektakels doch die Automobile.

Schon beim Spaziergang durch die Boxengasse kann man die großen Sportwagenikonen der Automobilgeschichte im Dutzend erleben. So auch in diesem Jahr: Zum 50. Jubiläum von Jim Clarks erstem Formel-1-Titel in der Fahrerwertung fanden sich zahlreiche der früheren Freunde, Wegbegleiter und Bewunderer in Goodwood ein, um die Rennwagen des legendären Schotten in einer Ehrenrunde über die Rennstrecke donnern zu lassen. Zu sehen waren unter anderem der Siegerwagen von 1963, ein Lotus 25 F1-Rennwagen, sowie zahlreiche des von Clark so geliebten Lotus Cortina – darunter auch jener Wagen, mit dem er 1964 die British Saloon Car Champhionship gewann. Auch jener Lotus 38, mit dem er sich 1965 den Sieg in der Indy 500 sicherte, ging mit Clarks schottischem Indy-Kollegen Dario Franchitti an den Start. Dem seligen Lächeln vieler Teilnehmer nach zu urteilen, hätte sich die Anreise schon für dieses Spektakel gelohnt. Doch es ging noch weiter.

Ein Weltklasse-Line-Up im Renneinsatz

Andernorts wurde zu diesem Zeitpunkt bereits das nächste Weltklasse-Line-Up für den Renneinsatz präpariert. Da war ein wunderschöner Cisitalia 202 SMM (unseres Wissens nach der erste bei einem Revival Meeting), der im rasanten Madgwick Cup in der Unter-2-Liter-Klasse der Sportwagen antrat. In der Glover Trophy für 1,5-Liter-F1-Rennwagen war es der einzigartige Ferrari 1512 von 1965, dessen Gebrüll uns noch Stunden später in den Knochen saß. Einst hatte John Surtees das Formel-Biest über die Strecke gescheucht, beim Revival saß nun der amerikanische Ausnahmefahrer Joe Colasacco hinter dem Steuer des wichtigen Scuderia-Boliden.

Schnelle Schönheiten aus Maranello

Für Ferraristi natütlich nur ein Highlicht unter vielen – in der RAC TT Celebration startete neben den mythischen 250 GTOs auch der oftmals unterschätzte 250 LM, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Eine weitere Schönheit aus Maranello hatte sich RM-Auktionator Max Girardo angelacht – er lenkte Fangios ehemaligen Ferrari 860 Monza bei der Sussex Trophy über die Strecke. Ein besonderes Highlight ist für Classic Driver in jedem Jahr die St. Mary’s Trophy – wo sonst kann man kleine Minis im Duell mit gewaltigen Ford Galaxies erleben? Und auch die Aufstellung der diesjährigen Ausgabe hätte nicht besser sein können. Unser Favorit? Entweder der Alfa Romeo 1600 GTA, den Frank Stippler heldenhaft vom 14. auf den 2. Platz katapultierte, der Jackie Olivers wunderbarer BMW 1800 TiSA.

50 Jahre Ford GT40

Und natürlich wollen wir auch nicht die Ford GT40 vergessen – unglaubliche 27 Exemplare hatten die Organisatoren um Lord March zum 50. Jubiläums des legendären Rennprogramms von Ford nach Goodwood locken können. In der Whitsun Trophy  starteten die GT40s in allen erdenklichen Farb- und Karosserievarianten, den Anblick und vor allem den Sound dieser Zusammenkunft kann man nur schwer beschreiben. Unser Favorit war eindeutig jener einzigartige 1965 Roadster, dessen Steuer wir 2011 schon einmal in den Händen halten durften.

Harte Bandagen für teure Klassiker

Sie merken es bereits – die Vielfalt der Autos beim Goodwood Revival ist mehr als beeindruckend. Und fast noch erstaunlicher: Alle Klassiker, von den Voiturettes der Vorkriegsjahre bis hin zu den brutalistischen GT-Kolossen der 1960er, werden in Goodwood so hart herangenommen, als ginge es erneut um die Weltmeisterschaft. Wer dieses Schauspiel in diesem Jahr verpasst hat, sollte sich schon jetzt für 2014 ein großes rotes Kreuz in den Kalender malen.

Fotos: Steve Hall for Classic Driver © 2013