Goodwood Festival of Speed 2012: Auf und davon

Ein Hügel in der lieblichen Landschaft von Südengland gibt den alljährlichen Hauptdarsteller. So auch wieder vergangenes Wochenende beim 18. Festival of Speed. Alle wollen nur das eine: mit Vollgas hinauf - mit Rennwagen, Rallye-Boliden, Oldtimern, Supersportwagen, Motorrädern.

Die britische Nationalhymne, intoniert mit dem V8-Motor eines aktuellen Formel-1-Rennwagens, ist vermutlich der treffendste Auftakt, den man sich für das diesjährige Festival of Speed auf dem Anwesen von Lord March hat ausdenken können. Und so kam es denn auch: Nicht ganz tonsicher, dafür aber unüberhörbar laut, spielte am Vorabend des ersten Festtages ein Formel-1-Lotus die erste Strophe von "God save the queen" vor rund 350 geladenen Gästen. Die Melodie wurde nur durch die Motordrehzahl bestimmt. Momente später nur donnerten aktuelle und klassische Lotus-Renn-, Rallye- und Tourenwagen durch die von einem Feuerwerk illuminierte Nacht. Über allem wachte die spektakuläre, 28 Meter hohe Skulptur, die der Künstler Gerry Judah einmal mehr für's Festival geschaffen hatte. Sie fand ihren Platz wie jedes Jahr unmittelbar vor dem Goodwood House. Rennwagen-Ikonen aus 60 Jahren Lotus-Geschichte fuhren scheinbar Loopings. Genauso stellt man sich einen Auftakt eines "Speed-Meetings" in Goodwood vor.

 

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Tags darauf ging es nicht mehr rund, sondern nur noch bergauf. Sprichwörtlich. Denn die Übung eines jeden Festival of Speed ist bekanntlich der Hillclimb. Jene knapp zwei Kilometer (1,16 Meilen) kurze und kurvenreiche Strecke, die am Goodwood House vorbei durch "Molecomb" und "Corner" hinauf zum "Flintwall" führt und auf der bewaldeten Hügelkuppe ihr Ziel findet. Ob Vorkriegsrennwagen ab 1903 wie Sunbeam oder Fiat S 74, Alfa Romeo Tipo B oder Mercedes-Benz W125, spätere Formel-Renner aus Ställen von Brabham, BRM, Connaught, Cooper und Porsche oder klassische Rallye- und Tourenwagen wie Jaguar XK 120, Jaguar C-Type, Mercedes-Benz W194 300 SL oder auch Ferrari 250 MM - alles drängte nach oben. Der Berg rief auch für Boliden wie Shelby Daytona Coupé oder Ford GT 40. Nascar-Fahrzeuge durften ebenso wenig fehlen wie neuzeitliche Rallye-Gerätschaften. Dazu gab es Akustik und Optik vom feinsten aus der legendären Gruppe C. Reichlich Motorräder, Renn-Karts, aktuelle Formel-1-Rennwagen und mehrere Dutzend Supersportwagen, die sich auf das schnelle Stelldichein einließen.

 

 

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Gerade die aktuellen Supersportwagen begeisterten das Publikum, welches am gesamten Festivalwochenende die 150.000-Besucher-Marke überschritten haben dürfte. Vom Arash AF-10 LM, über Aston Martin V12 Zagato, Bugatti Veyron Grand Sport und Vitesse, Ferrari FF, GTA Spano, Gumpert Apollo, McLaren MP4-12C, Noble 600M, Pagani Huayra, Spyker C8 Aileron Spyder bis hin zum Wiesmann GT MF5 reichte das Spektrum. Ihre Publikumspremiere feierten zudem der neue Aston Martin Vanquish, ein getarnter Jaguar F-Type, der Bentley Continental GT Speed der zweiten Generation. Premieren auf vier Rädern gab es überdies auch. Aston Martin debütierte mit dem Vanquish, Bentley zeigte erstmals das neue Conti Speed Modell, Jaguar setzte den F-Type in Szene und Mercedes präsentierte einen wagemutigen CLS Shooting Brake. Wir fuhren mit einem aktuellen Lotus Exige S das enge Asphaltband hinauf. Den Rekord von Nick Heidfeld aus dem Jahr 1999, der den Climb in einem gut präparierten McLaren MP 4/13 Formel-Renner in nur 41,6 Sekunden einstellte, konnten wir nicht ganz parieren. Dennoch schoss der grüne Brite nur so um die Ecken. Und duellierte sich beinahe mit dem brandneuen Renault Alpine. Eingebremst wurde das Feld vom Road-Marshall, der es sich nicht nehmen ließ, mit einem aktuellen Rolls-Royce aus Goodwood-Produktion den Hügel zu erklimmen.

 

 

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Genauso namhaft wie die Fahrzeuge und Hersteller sind in Goodwood die Piloten, Helden und Haudegen, die hier Präsenz zeigen. Die Teilnehmerliste eines jeden Festivals liest sich wie das Who is Who des ewigen Rennkalenders; garantiert weltweit einmalig. Wir konnten mit Sir Stirling Moss und Derek Bell plaudern. Emerson Fittipaldi berichtete von seinen zwei WM-Siegen und der glorreichen Zeit der Formel 1. Sebastian Vettel und Jenson Button waren beim Earl vor Ort. Genauso wie Jochen Mass, John Surtees und Sir Jackie Stewart. Auch Alain Prost meldete sich beim 18. Festival an.

 

 

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Und als ob das alles nicht schon genug wäre: Das Festival of Speed bietet jedes Jahr mehr. Nämlich alles, was irgendwie schnell ist und fasziniert. Zukünftige Sportwagen mit Elektro-Antrieb. Oder Rallye-Wagen die auf "Stage" gehen und auf lehmigen Pisten durch den Wald knallen. Und natürlich die Red Arrows, die Kunstflugstaffel der Royal Air Force, welche die Mittagspause auf der Strecke nutzten, um den Himmel zu bespielen und die Gartenparty richtig rund zu machen. Im Cartier "Style et Luxe" Paddock stand derweil das diamantene Thronjubiläum ihrer Majestät im Vordergrund. Alles, was einmal im königlichen Fuhrpark bewegt wurde, rollte über den Rasen: vom Land Rover über Daimler- und Rolls-Royce-Repräsentationslimousinen bis hin zu Botenfahrzeugen des königlichen Haushalts. Bemerkenswerter Höhepunkt auf der Strecke wiederum waren die zahlreichen Lotus-Sonderläufe und -klassen, die vornehmlich von Clive Chapman, dem Sohn von Lotus-Gründer Colin Chapman, und seinem Team Classic Lotus bestritten wurden. Als weitere Attraktion zündete bereits am Freitag die Bonhams-Auktion, welche mit zahlreichen Sammlungsauflösungen aufwartete und ein enormes Ergebnis erzielte. 11,1 Millionen Pfund erzielte der Birkin Blower Bentley aus der Daniels Collection. Auch die Lotus Olaf Glasius Collection fand ihre Käufer. Damit ist eindeutig belegt: Wenn in Goodwood der Hügel ruft, geht es bergauf!

 

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Fotos: Roger Dixon / Newspress / Lotus

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