Erinnerungen an 50 Jahre Alpina mit Burkard Bovensiepen

50 Jahre ist es her, dass Burkard Bovensiepen sich entschied, nicht in die Schreibmaschinenproduktion seiner Familie einzusteigen, und stattdessen seine eigene Tuning-Werkstatt gründete. Heute ist Alpina fest in der Markenwelt von BMW verankert. Wir haben mit dem Markengründer gesprochen.

"Schon in jungen Jahren habe ich mich für Automobile begeistert", blickt Burkard Bovensiepen zurück. "Ins Schreibmaschinengeschäft meiner Familie einzusteigen, dass war eigentlich nie eine Option für mich. Mir gelang es allerdings, meinen Vater davon zu überzeugen, mir ein kleines Gebäude auf dem Firmengelände zur Verfügung zu stellen. Dort begann ich zunächst damit, meinen eigenen BMW 1500 zu modifizieren. Der Motor war gut, er hatte aber nur einen kleinen Solex-Vergaser, also ersetzte ich ihn durch einen Weber-Doppelvergaser, der meinen BMW drei Sekunden schneller beschleunigen ließ, als das Serienmodell." Doch von der kleinen Hinterhof-Werkstatt zum Stammplatz im Werk von BMW war es ein langer Weg. Wir fragen, wie dieser unglaubliche Erfolg gelingen konnte. "Ich hatte Glück - und auch das Timing war gut", erinnert sich Bovensiepen. 

Glück und gutes Timing

Als BMW die 1500er Reihe herausbrachte, folgte kurz darauf die Version mit 1,8 Litern Hubraum. "Die ersten Käufer waren enttäuscht, sie hätten gerne noch ein bisschen auf die 10 PS mehr gewartet," erklärt Bovensiepen. "Mir gelang es, ein Treffen mit dem Vertriebsleiter von BMW zu organisieren und ihn davon zu überzeugen, diese Autos nachträglich aufzurüsten - wenn nur die Originalgarantie erhalten bliebe. Das war mir sehr wichtig. " Stolz legt der Alpina-Gründer uns die offiziellen Anerkennungs-Dokumente aus dem Jahr 1964 vor, auf denen der Erfolg der Firma basierte. Seit den 1980er Jahren, als Alpina als Hersteller offiziell anerkannt wurde, werden die Modelle in der Produktionsstraße von BMW montiert. Zuvor hatte Alpina seine Umbauten als Tuninghaus durchgeführt - allerdings mit einem völlig anderen Ansatz, als Zeitgenossen wie Koenig oder Gemballa. "Den meisten Tunern ging es damals nur darum, den stärksten Motor zu haben. Oft war das Gesamtergebnis aber wenig harmonisch. Uns interessierte schon damals das komplette Paket - und so ist es bis heute. Wir entwerfen Autos, die man über das ganze Jahr als Daily Driver nutzen, am Wochenende aber auch als echte Sportwagen ausfahren kann."

Ein Klassensieg

Doch warum BMW? War es die geografische Nähe, die zu der Zusammenarbeit führte? Oder gab es andere Gründe, sich auf die Münchner Modelle zu spezialisieren? "Zunächst habe ich mich auf dem Markt nach verfügbaren Tuning-Teilen umgesehen" erinnert sich Bovensiepen. "Ich kaufte einen Fiat und fuhr zum italienischen Tuning-Spezialisten Nardi in Turin. Doch auf dem Rückweg verlor der Motor an Leistung und ich musste die gesamte Strecke nach Italien zurückfahren, um den Defekt reparieren zu lassen. Damit war mir klar, dass wir qualitativ hochwertige Teile benötigten, um uns von den Tunern abzusetzen. Mercedes-Benz hatte kein sportliches Image und war deshalb keine Option. Dann zeigte BMW in Frankfurt seine Neue Klasse - sie war die perfekte Plattform für unsere Pläne." Der Rest ist Geschichte - viele Alpina-BMW gelten als Ikonen des Automobilbaus. Bleibt die Frage, ob Burkard Bovensiepen ein Modell aus den letzten 50 Jahren besonders am Herzen liegt. "Mein Favorit ist wahrscheinlich unser B10 Bi-Turbo auf Basis des BMW 5er der E34-Serie. Er entwickelte 360 PS aus einem Reihensechszylinder und erreichte Höchstgeschwindigkeiten jenseits von 290 km/h. Er fuhr sich wie ein Ferrari Testarossa, sah aber aus wie eine unscheinbare Limousine. Selbst Paul Frère erklärte, der B10 sei der beste Viertürer, den er je gefahren habe. Wir haben ein Exemplar in unserer Sammlung - und ein- oder zweimal im Jahr schnappe ich mir die roten Nummernschilder und entführe ihn für ein Wochenende. Sogar für heutige Standards ist er verdammt schnell."

50 Jahre später...

Es ist jedoch nicht nur Burkard Bovensiepen, der mit Stolz auf die Geschichte blickt - die ganze Marke ist ihrer Tradition und Philosophie bis heute treu. Auf dem Genfer Autosalon im März zeigte Alpina zwei Jubiläumsmodelle der "Edition 50", die alle wichtigen Markenwerte von Alpina repräsentieren: Ein subtiles Styling, grenzenloses Drehmoment und eine Verarbeitung, die an die Qualität eines Bentleys heranreicht. Mit weniger als 2.000 produzierten Exemplaren pro Jahr ist ein Alpina zudem exklusiver als ein Rolls-Royce. Nicht schlecht für eine Marke, die ihre Geschichte vor einem halben Jahrhundert in einer kleinen Werkstatt in Kaufbeuren begann - und bis heute als Familienunternehmen geführt wird.

Photos: Alpina

Am 28. Juni 2015 feiert Alpina das Jubiläum mit einem großen Fest auf dem Firmengelände in Buchloe. Zahlreiche Alpina BMW finden Sie übrigens auch im Classic Driver Markt