Diese Ausstellung im Hamburger Prototyp-Museum ist ein Muss für Porsche-Fans

Das Automuseum Prototyp in Hamburg feiert derzeit den Porsche 356 mit einer einzigartigen Sonderausstellung, in der auch zahlreiche unbekannte Versionen des "Ur-Porsche" zu sehen sind. Rémi Dargegen war für Classic Driver vor Ort und hat mit Museumsdirektor Thomas König gesprochen.

Das Automuseum Prototyp gehört zu den schönsten Museen seiner Art in Europa; vor allem Freunde der Marken Volkswagen und Porsche können sich zwischen den seltenen, historisch wichtigen und liebevoll arangierten Exponaten verlieren. Derzeit ist in den großzügigen Hallen des historischen Backsteinbaus in der Hamburger Hafencity jedoch eine ganz bestimmte Zuffenhausener Sportwagenikone der Star: In der Ausstellung "VIP 356" wird anhand von seltenen Modellen und Sammlerstücken die Geschichte des Ur-Porsche erzählt – vom ersten, im Frühling 1948 von Hand im österreichischen Gmünd gefertigen Prototypen des Porsche 356 über zahlreiche Coupés, Cabriolets und Speedster bis hin zum Ende der Baureihe im April 1965. Die Museumsdirektoren Oliver Schmidt und Thomas König haben uns nun zu einem privaten Rundgang durch die äußerst spannende Ausstellung empfangen. Thomas König (rechts im Bild) hatte im Anschluss noch etwas Zeit, um unsere Fragen zu beantworten.

Herr König, wie kam es zur Sonderausstellung "VIP 356" rund um den Porsche 356? Und was steckt hinter dem Ausstellungstitel?

Der Porsche 356 war tatsächlich das erste gemeinsame Auto, mit dem Oliver und ich unsere Sammlung begonnen haben. Und er hat für uns, trotz und gerade wegen des anhaltenden 911er Hypes, eine besondere Bedeutung, da es ohne ihn keinen Elfer, einfach gar keinen anderen Porsche gegeben hätte. Aus eben diesem Grunde ist er "very important" oder schlicht VIP. Zudem haben wir versucht, für die Ausstellung das Dutzend der bedeutendsten Porsche 356 weltweit zusammenzutragen.

Was ist Ihre älteste Erinnerung an den Porsche 356?

Meine erste bewusste Begegnung mit einem 356 muss stattgefunden haben, als ich ungefähr zwölf Jahre alt war. Ich war mit meinem Vater in einer Werkstatt – er besaß einen alten Mercedes SL – und ich sah einen frühen 356 daneben stehen. Da wusste ich, wie ein Auto aussehen sollte.

Mittlerweile besitzen Sie zahlreiche Autos. Haben Sie noch immer diese besondere Beziehung zum Porsche 356?

Porsche 356 waren immer der Kern unserer Sammlung. Und er hat einen besonderen Platz in unseren Herzen. Oliver hat mich mit unserem ersten gemeinsamen Auto, einem 356B, zu meiner Hochzeit in die Kirche chauffiert. Wir haben immer Porsche 356 im Museum stehen. Das Jahr 2015 war jedoch geprägt von einigen besonders schönen 356er-Momenten, da wir unser Gmünd Coupe nach 15 Jahren fast fertig restauriert haben und kürzlich den ältesten überlebenden Wagen der Stuttgarter 356-Serie fanden.

Wie haben Sie die Modelle ausgesucht - und gefunden?

Es sollten besondere Modell aus der absoluten Frühzeit und exotische Rennversionen sein. Da wir seit über 20 Jahren in der 356er-Szene verwurzelt sind, meinten wir zu wissen, wo die wichtigen Autos stehen und hatten schließlich das Glück, die Sammlerfreunde für unsere Idee begeistern zu können.

 

Wurden Sie auch vom Porsche Museum unterstützt?

Die Kooperation mit dem Porsche Museum, insbesondere mit dem Archivar Dieter Landenberger, funktioniert seit Jahren ausgezeichnet und wir helfen uns gegenseitig, wann immer wir können. Für uns ist es eine grosse Auszeichnung, solch wertvolle Wagen, wie beispielsweise einen Abarth Carrera oder den Dreikantschaber ausgeliehen zu bekommen.

Gibt es auch Modelle, die Sie in der Ausstellung vermissen?

Sicherlich hätte man mehr Alltagsmodelle zeigen können, dafür war leider nur die Fläche zu klein.

Und auf welches "Ausstellungsstück" sind Sie besonders stolz?

Ich freue mich sehr, dass wir den frühsten Stuttgarter Wagen mit Chassis-Nummer 5006 und einen America Roadster, beide mitten in der Restaurierung, zeigen können. Gerade dieses Stadium regt viele Besucher zu Fachgesprächen an.

Welches Auto in der Austellung hat der schönste Geschichte? 

Zu viele Geschichten verbinden uns mit diesen Autos, um sie alle zu erzählen. Aber die aktuellste und und noch dazu eine sehr spannende Anekdote ist die vom Fund des Wagens "5006". Ein Haushaltsauflöser rief uns vor einiger Zeit an und behauptete, er habe den ältesten Porsche der Welt in einem Garten gefunden. Lange glaubten wir ihm nicht, bis wir dann doch selbst nachschauten. Die Bergung des Fahrzeugs aus einem verwilderten Garten, in dem noch diverse weitere Porsche lagerten, war dann mindestens ebenso spannend. Der Garten war mittlerweile so dicht bebaut worden, das der Wagen von einer abgesperrten Landstrasse aus mit einem Kran aus dem Garten geschafft werden musste.

Schwierige Frage: Welcher ist Ihr liebster Porsche 356?

Unser Gmünd Coupe – ein Vorserienfahrzeug, das den absoluten Ursprung für eine Design-Ikone bedeutet.

Haben Sie schon die nächste Sonderausstellung geplant? 

Ja, wir arbeiten bereits mit Hochdruck daran. Ende 2016 werden wir mit der Sonderausstellung „BMW Art Cars“ ein für uns ganz neues Feld beschreiten und freuen uns, das uns BMW ebenso viel Vertrauen entgegenbringt und diese einmaligen automobilen Kunstwerke unseren Händen anvertraut.

Fotos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2016

Die Ausstellung "356 VIP - Very Important Porsches" ist noch bis zum 27. März 2016 im Automuseum Prototyp in Hamburg zu sehen. Weitere Informationen unter prototyp-hamburg.de