Diese 5 unglaublichen Goodwood-Momente werden wir nie vergessen

Kann man die Begeisterung über das Goodwood Revival eigentlich noch steigern? Es ist einfach die beste Show der Welt. Aber falls Sie uns nicht glauben wollen, haben wir hier ein paar unvergessliche Momente von diesem Klassikerevent, die Sie restlos überzeugen werden.

Es geht beim Goodwood Revival um so viel mehr als nur um Motorsport. Da wäre der Tazio Nuvolari-Wiedergänger, der eine Zigarre raucht, die er aus einem historischen Kinderwagen heraus gekauft hat. Oder das Dröhnen der Spitfire und P51 Mustang, die bei der „Dawn Patrol” über die Zuschauermenge ihre Kreise ziehen. Dann gibt es die Rockabillies, die entlang der „Gasoline Alley” tanzen und nicht zu vergessen: Der betörende Duft von Castrol, der sich mit der frischen Luft des Spätsommers vermengt.

Obwohl das Revival immer umfangreicher geworden ist, hat es dennoch seinen Charme nie verloren. Man könnte sogar von Magie sprechen. Tatsächlich wird man jedes Mal erfolgreich der Wirklichkeit entrissen und landet mitten in einer Welt der Fantasie angefüllt mit liebevollen Details, authentisch wirkenden Kulissen vergangener Epochen und Menschen, die überzeugend - wenn auch nur für ein oder zwei Tage - in eine besondere Rolle schlüpfen. 

Heute hebt sich der Vorhang zur 20. Auflage - hoffentlich unter einem milden, blauen Himmel. Wir bereiten uns bereits auf ein fantastisches Wochenende vor und nehmen die Gelegenheit, einige unserer schönsten Momente vom Revival Revue passieren zu lassen. Übrigens, kein leichtes Unterfangen. Sie haben Ihr Kostüm schon längst geplant, die Spannung steigt, denn nun folgt das fulminante Finale der Klassikersaison! 

„Den Ferrari schnapp ich mir!”

Nur ein Mensch mit der Überzeugungskraft des Herzogs von Richmond als Gastgeber hätte sich das leisten können. Im Jahr 2015 waren es 50 Jahre her, dass Carroll Shelby Ferrari vom Thron stieß und sich die Sportwagenweltmeisterschaft sicherte und dazu waren alle sechs Cobra Daytona „Coops” für das erste und wohl einzige Mal in der Geschichte versammelt. In einem jener für Goodwood typischen Momente, reihte sich Aaron, der Enkel des legendären Shel, in die Schlange ein, um ein Autogramm vom Cobra-Designer Peter Brock und dem damaligen Fahrerteam Jack Sears und Allen Grant zu erbitten. Es war geradezu hinreißend surreal, als Aaron, der nicht nur wie sein Großvater gekleidet war, sondern auch so sprach, seine Rede mit Worten schloss, die wir hier lieber im englischen Original belassen: „Ferrari´s ass is mine”.

In der Hitze der Nacht

Ein Neuzugang für die Teilnehmerliste war 2016 die Kinrara Trophy, die als einstündiges Rennen für je zwei Fahrer auf vor 1962 gebauten, geschlossenen GT-Fahrzeugen in der Abenddämmerung am Freitag stattfand. Und was für ein spektakuläres Rennen den Zuschauern geboten wurde. Mit grellen Scheinwerfern lieferten sich auf der Strecke eine Meute Ferrari 250 GTs „Short Wheelbase” zusammen mit Jaguar E-Types und Aston Martin DB4 unerbittliche Kämpfe. Den Sieg trugen schließlich Classic Driver-Händler Joe Macari und der neunmalige Le Mans-Gewinner Tom Kristensen davon. Und Kristensens beherzten, etwas verspäteten Griff nach der Siegerzigarre erleben zu dürfen, war ein seltenes Privileg.

Perlen der Rennweisheit

  

Rennfahrer verlieren nie ihre gestählte Entschlossenheit, ihr mutiges Können und ihren Wettkampfgeist - oder doch? Einen unserer Lieblingsmomente vom letztjährigen Revival verbrachten wir im Gespräch mit drei absolut anerkannten Motorsportlegenden: Alain de Cadenet, Derek Bell und Jochen Mass. Abgesehen von den liebevollen Spötteleien und frechen Anekdoten, die wir hier lieber nicht nacherzählen, betonten sie, dass sie mit ihrer Rückkehr hinters Steuer hier niemandem etwas beweisen müssten. Ach ja, und, dass der Ferrari 250 GTO einfach wie geschaffen ist für den Kurs rund um Goodwood. „Ich habe schon drei davon hier in Goodwood gefahren”, erinnerte sich Bell. „Und auch, wenn man nicht ans Äußerste geht, ist es einfach ein wunderbar zu fahrender Wagen, egal, ob es nass oder trocken ist.”

Magisches Monza

Mit einer gesunden Portion Kohlenwasserstoffe in der Luft und gebadet in herrlichen Sonnenstrahlen, könnte man den Paddock des Goodwood Revival leicht mit Monza im Jahr 1954 verwechseln. Gebaut, um einer berückenden Sammlung von Maserati 250F im 60. Jubiläumsjahr des großartigen Monoposto alle Ehre zu erweisenwar diese traumhafte Bühne die Idee von Peter Russell. Sie umzusetzen, brauchte ein ganzes Jahr. „Eigentlich ist das nur eine Kulisse”, verriet uns Russell mit sympathischer Bescheidenheit. „Diese Automobile sind Stars und deswegen verlangen sie nach einem dramatischen Kontext - nicht einfach nur irgendeine anonyme Garage.” Zu gerne hätten wir unter einem Sonnenschirm Platz genommen, einen Chianti genossen während sich das Spektakel Revival zu voller Blüte entfaltete.

Auf Tuchfühlung mit den Schotten

Letztes Jahr ergriffen wir die einmalige Gelegenheit, als Beifahrer im letzten verbliebenen Ecurie Ecosse Jaguar XK120 in der Rennwagen-Parade des legendären schottischen Privatteams hautnah mit von der Partie zu sein. Mit einem Quintett von D-Types voraus und einer Auswahl von C-Types hinter uns, alle mit der Fahne Metallic Blue leuchtend, war dieses Erlebnis ein einziger Sinnesrausch. Es gibt diese unvergesslichen, Kneif-Mich-Momente: Entlang der Startaufstellung voller Ecosse-Rennwagen zu schlendern, Heroen wie Jacky Stewart und Dario Franchitti zu den Klängen der Dudelsäcke ganz nah sein zu dürfen - besser geht´s wohl nicht.

Fotos: Peter Aylward / Rémi Dargegen für Classic Driver © 2018 

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